Ludwig Weinfurtner dreht YouTube-Videos mit seinem Unimog

Text & Quelle: Anna-Lena Weber, www.idowa.de 31.10.2019
Ludwigs ganzer Stolz: sein Unimog 411, 2,3 Tonnen schwer und 34 PS stark. Foto: Anna-Lena Weber

 

Die Leidenschaft für den Unimog hat Ludwig Weinfurtner von seinem Opa übernommen. Die Idee, andere über YouTube daran teilhaben zu lassen, kam ihm aus Langeweile.

Ludwig Weinfurtner zieht am Reißverschluss eines drei auf sechs Meter großen Zeltes. Es steht in der Einfahrt zu seiner Wohnung in Trasching bei Roding. Hinter der Plane kommt ein Unimog 411 zum Vorschein. Er geht zur Fahrerseite des Universal-Motor-Geräts, das mit „Unimog“ abgekürzt wird. Dort deutet er an der Tür auf ein paar Unebenheiten: „Da hatn d’Oma gspachtelt.“ Mit den Fingern fährt er über den Rand der Motorhaube. Sieht man genauer hin, erkennt man Pinselstriche im Lack. Die hat auch die Oma hinterlassen: „De hat na lackiert“. Farbe: Resedagrün. Der Unimog Jahrgang 1966 ist seit 34 Jahren Teil der Familie Weinfurtner. Seit knapp einem Jahr darf Ludwig offiziell mit ihm fahren. Ausprobiert hat er das natürlich schon viel früher. Mit seinem Opa ist er bereits als Dreijähriger in den Wald gefahren. Ein paar Jahre später durfte Ludwig selbst mal hinters Steuer. Und der Opa? „Der is hald derweil ind Schwammerl ganga.“

 

Der Unimog: vom Arbeitsgerät zum YouTube-Star

Ludwig schraubt erst seit sechs Jahren an dem Unimog rum. Vorher durfte er das vom Opa aus nicht. Sein technisches Know-how hat er sich angelesen oder einfach rumgetüftelt. Seit September macht der 18-Jährige eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. Die Zylinderkopfdichtung hat er notgedrungen einmal im Wald ausgetauscht. Das dazugehörige Video „Unimog Fail beim Heufahren/Zylinderkopfdichtung mitten im Wald tauschen“ hat über 100 000 Aufrufe.

Seinen YouTube-Kanal „Ludwig Weinfurtner“ betreibt er seit dem 3. März 2015. „Des is an Opa sei Geburtstag“, bemerkt Ludwig. Absicht sei das aber nicht gewesen. Sobald es um Privates geht, ist Ludwig kein Mann der vielen Worte. Zu seiner Beziehung zum Großvater sagt er nur: „Mei, da Opa is a Guader.“ Umso detailreicher erzählt er von seinem Unimog. Vor allem in seinen Videos.

Gerade ist er dabei, die neu eingestellte Einspritzdüse in den vierten Zylinder einzubauen: „Mei Vermieter is a Lastwangfahrer gwen und der hat sofort ghert, dass de vom vierten Zylinder nachtropft. I habs ausbaut und wos is? Ja, de is noß.“ Also musste eine neue her. Den Ausbau und die Einstellung der Düse hat er schon auf Video aufgenommen. Auch den Einbau hält er für seine Community fest. Die 1000-Abonnenten-Marke knackt er im Oktober 2017. Ab da werden es stetig mehr. Mittlerweile zählt der Kanal 132 Videos, 12 800 Abonnenten und über vier Millionen Aufrufe.

Eins hat sich aber nie geändert: Zu 93,3 Prozent sind seine Zuschauer männlich. Die meisten seiner Videos haben einen Untertitel. Dass auch die etwas davon haben, die des bairischen Dialekts nicht mächtig sind. Seine Videos schauen Leute überall auf der Welt. Sogar in der Mongolei und Kanada werden sie abgerufen. Der Altersdurchschnitt seiner Zuschauer ist von über 45 Jahren auf Anfang 20 gesunken. „Warum des de junga Leid so gfallt, des versteh i ned“, rätselt Ludwig über seinen Erfolg. War es doch reine Langeweile, die ihn dazu trieb, Videos über sich und seinen Unimog zu drehen.

Ludwig fährt mit dem Unimog sogar zum Abiball

Oft hat er grobe Ideen, wie er ein Video drehen möchte, immer funktioniert das nicht. „Aber im Nachhinein wirds eh immer besser“, sagt er. Beim Filmen helfen ihm seine Brüder oder Bekannte. Was er filmt, kommt immer darauf an, was gerade ansteht. Heu für die Hobbylandwirtschaft vom Vater heimfahren, am Unimog rumschrauben oder andere Modelle des Kultfahrzeuges von Mercedes Benz testen. Doch auch als Laie bleibt man aufgrund des Traschingers gerne dran.

Seinen Unimog bindet er überall mit ein. Ins Promo-Video für die Feuerwehr Trasching, bei der er Mitglied ist. Oder bei der Fahrt zur Schule. Die ist natürlich in einem Video festgehalten und hat 125 000 Aufrufe. Nach bestandenem Abitur bestreitet er auch die Fahrt zum Abiball mit dem Unimog. „Da hab i mir a Tanzpartnerin ausgliehn. Ghert ja ned mir, aber für den Abend is mitgfahrn“, erzählt Ludwig knapp. Ob der Unimog auch als Frauenmagnet fungiert? „Ja keine Ahnung, es is a Cabrio, es is a Benz, er hat Allrad, der hat alles.“ Fakt ist: Wenn er mit Freunden weggeht, gibt es immer welche, die ihn von YouTube kennen. Ludwig bildet sich nichts darauf ein. Er macht die Videos, weil es ihm Spaß macht, nicht, um erkannt zu werden.

Material für ein Video muss her: „Neues vom Unimog Nummer 7“

Fürs Drehen und Schneiden rechnet er mit bis zu 20 Stunden in der Woche. Er verdient auch Geld mit seinen Videos, oder vielmehr mit der Werbung, die zu Beginn und während der Clips, von YouTube geschaltet werden. Einen Betrag zwischen 20 Cent und zwei Euro verdient er pro Schaltung. „Des wennst umrechnest, kommst auf an Stundenlohn zwischen fünf und zehn Euro.“ Je nachdem, wie oft seine Videos geklickt werden. Einfluss auf den Inhalt und wo die Werbung platziert wird, hat er nur bedingt. Inhalte wie Alkohol blockiert er. Das eingenommene Geld investiert er, wie soll es anders sein, in seinen Unimog. Zum Beispiel in die neue, gerade fertig eingebaute Einspritzdüse. Nur noch die Abdeckung im Fußraum zwischen Fahrer- und Beifahrersitz wieder aufsetzen und Ludwig kann den Motor starten.

Nachdem das mit Diesel betriebene Nutzfahrzeug warmgelaufen ist, schwingt sich Ludwig in die Fahrerkabine. Laut ist es. Ein Radio ist zwar eingebaut, aber ausgeschaltet. Gegen die Motorengeräusche kommt es nicht an: „Da muss i an Schalldämpfer in Auspuff einbauen, des is nix auf Dauer, da wirst dorat.“ Sich unterhalten geht nur, wenn man sich anschreit. Die Lenkung geht schwer. Von Stoßdämpfern hat der Unimog auch noch nichts gehört. Jede Unebenheit am Boden spürt man sofort. Eine Fahrt mit dem Unimog ist vergleichbar mit einer Fahrt in der Wilden Maus. Trotzdem, das Gefährt vollbringt wahre Meisterleistungen oder wie es Ludwig sagen würde: „Da Unimog hold.“ Es geht in den Wald. Ludwig peilt einen Hang an. Und fährt den unbefestigten, holprigen Weg hinauf. Eine Steigung von 45 Grad schafft der Unimog mit links. Oben angekommen wendet er das Fahrzeug und stellt es mit den beiden linken Reifen auf zwei Baumstämme. Eine perfekte Position für einen Panoramaschwenk. Ludwig steigt aus und zückt sein Handy. Material für den Clip „Neues vom Unimog Nummer 7“ ist im Kasten.

Hier geht es zu Ludwigs YouTube Kanal. 

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