Unimog-Rennen: Einfach immer weiter und weiter!

Offroad-Events mit besonderem Nervenkitzel

Ein Siegertyp. Dieser Unimog hat Rennerfahrung gesammelt

Wir alle wissen, dass der Unimog alles andere als ein Rennwagen ist. Von einer Formel-1-Karosse liegt er so weit entfernt wie die Sonne vom Mond. Geschaffen wurde der kraftstrotzende Wagen als echtes Arbeitstier, das ziehen, schieben und sich durchwühlen kann. Doch seine Fans lieben es, sich intensiv miteinander zu messen und darum haben sie die Unimog-Rennen ins Leben gerufen – durch Wald und Flur, über Stock und Stein.

Ein einziger Fahrfehler entscheidet über Sieg und Niederlage

Dieses Jahr kürten die Leser des „Off Road“-Magazins den Unimog zum 16. Mal hintereinander zum „besten Geländewagen“ in seiner Kategorie. Als Sonderfahrzeug hat er einige starke Konkurrenten, doch diese sind bei Weitem nicht so beliebt wie er. 54,7 der Stimmen entfielen auf den großen Star, der sich als echter Offroader auf Reisen abseits der Straßen verdient macht. Was hat dieser PS-starke Spezialist ausgerechnet im Rennzirkus verloren? Wie laufen solche Events ab – und was macht sie so beliebt? Eines ist klar: Sauber und ordentlich sind Unimog-Rennen nicht. Es geht eben nicht über exakt vorgezeichnete Strecken und glatten Asphalt, sondern mitten durch den tiefsten Matsch, über Gräben und Hügel, Sandpisten und Wasserlöcher hinweg. Ein einzelner Parcours misst gern mal viele Hunderte Kilometer, trotzdem zieht sich das Fahrerfeld erstaunlich wenig auseinander – zumindest, wenn es um die vorderen Plätze geht. Da trennen den Sieger und den Zweitplatzierten vielleicht nur 10 Minuten nach etwa 1.800 Kilometern Höllenritt. Ein einziger Fahrfehler, und dieser Vorsprung ist schon hinüber.

Unimog-Racing und Formel 1: zwei Welten im selben Universum

Wie in jedem anderen Rennen auf zwei oder vier Rädern entscheidet allzu oft ein ungewollter Radwechsel über den Sieg. Besser ist es also, es kommt erst gar nichts an die kostbaren Reifen dran, die auf der Piste Höchstleistungen vollbringen müssen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn unterwegs warten zermürbende Hindernisse, die dem dicksten Gummi zu Leibe rücken. Das Problem mit dem Radwechsel ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten zwischen dem Unimog-Rennen und dem klassischen Rennsport – die Unterschiede überwiegen allerdings deutlich. Während es in Formel 1 & Co. darum geht, die Runden abzureißen und so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen, ist beim Unimog-Rennen für viele Teilnehmer der Weg das Ziel. Ihnen geht es darum, die Ziellinie nach der beschwerlichen Offroad-Strecke überhaupt zu erreichen und nicht irgendwo unterwegs stecken zu bleiben. Die Wetten stehen dabei aufseiten des strapazierfähigsten Unimogs, während F1 Quoten eher dem leichtgängigsten und leichtesten Wagen die größten Chancen ausrechnen. Das Ergebnis ist ein Rennen, das für Zuschauer wesentlich spannender rüberkommt, als Dutzenden Wagen dabei zuzusehen, wie sie immer und immer wieder auf nahezu Ideallinie ihre Runden fahren.

Die Formel 1 ist ein ganz anderes Pflaster

 

Rennschlitten vs. Offroader: Jeder ist Spezialist auf eigenem Gebiet

Natürlich trennt den Unimog auch die pure Geschwindigkeit von der Formel-1-Karre. Auf dem Nürburgring wäre der Offroader absolut verloren, würde um die Kurven eiern und sich immer wieder überrunden lassen. Aber im Gelände ist er der King, hier würden sich Hamilton und Co. mit ihren Schlitten direkt im Dreck einwühlen und nie wieder hervorkommen. Jeder ist Spezialist auf seinem eigenen Gebiet – und gerade das macht die Würze im großen Rennzirkus aus. Ganz genauso sieht es im Motorradsport aus, einer Rennsparte, die sich durch keine andere ersetzen lässt. Sie gliedert sich wiederum in verschiedene Unterkategorien wie MotoGP, Bahnrennen,
Straßenrennen, Motocross und Freestyle Motocross – wobei die beiden Letzteren am ehesten mit dem Unimog-Racing vergleichbar sind. Nur macht es einen großen Unterschied, ob der Fahrer nun ein kraftvolles Zweirad lenkt oder einen mächtigen, motorisierten Bullen reitet.

Offroad-Feeling auf zwei und auf vier breiten Reifen

Motorräder erweisen sich ohne Frage als die besseren Rangierkünstler. Ein Unimog hingegen hat einen größeren Wendekreis und braucht vergleichsweise viel Platz. Doch er steht fest auf seinen vier Rädern, so schnell haut ihn nichts und niemand um: keine noch so tiefe Bodenwelle, kein Graben, kein Schlag auf die Seite. Motorradfahrer müssen dagegen echte Gleichgewichtskünstler sein, vor allem im Gelände. Sie balancieren ihre Maschinen sorgfältig aus und doch reißt es den ein oder anderen vom Sattel. In der Fahrerkabine des Unimogs fühlt sich der Rennfahrer hingegen so sicher wie in einem Bunker. Der Schlamm spritzt ihm zwar auf die Scheiben, doch ihn selbst erreicht davon nichts. Allerdings sollte ein Unimog-Racer schleuderfest sein, denn nichts bewahrt ihn davor, die Tiefen und Höhen der Landschaft intensiv am eigenen Leib zu erleben.

Bei Motocross geht es oft hoch in die Lüfte

 

 

 

Die Rallye Breslau: traditionsreiches Kräftemessen der Offroader

Rallye-Raids bieten die Gelegenheit, sich mit anderen Fahrzeugsorten im direkten Wettbewerb zu messen. An der berühmten Rallye Breslau, die seit 1995 jedes Jahr startet, nehmen von Beginn an immer wieder Unimogs teil. Zum 25-Jährigen Jubiläum 2019 traten 118 verschiedene Autos (darunter sowohl Pkw als auch Lkw und SSV) gegen 74 Quads und Motorräder an. Los ging es in Gwda Wielka, das Ziel lag im 1369 Kilometer entfernten Dawsko Pomorskie. 913 Kilometer gingen offiziell in die Wertung mit ein. Die allererste Tour startete übrigens in München mit nur 35 Pkw, 5 Lkw und ganzen 20 Motorrädern. Die Rallye Breslau ist seit jeher ein grenzübergreifendes Event, das die Länder Polen, Bulgarien, Rumänien, Bulgarien und Deutschland mit einbezieht. Schließlich braucht es jede Menge „befahrbare“ Fläche, um sich gründlich über mehrere Tage hinweg auszutoben.

Sieg in der Rallye Paris-Dakar: die Sternstunde des Unimogs

Die weltberühmte Rallye Paris-Dakar bietet sich geradezu dazu an, den Unimog aus dem Vorgarten zu holen und ins urwüchsige Kräftemessen einzusteigen. Die wohl berüchtigtste Rallye der Welt macht genau wie das Breslauer Pendant keinen Unterschied zwischen Auto, Lastkraftwagen, Motorrad und – Unimog. 1985 gelang es dem deutschen Fahrer eines speziell umgebauten Unimog 1300 L in der Wüstentour einen spektakulären Sieg einzufahren: Davon träumt sicher noch heute jeder, der einen ähnlichen Wagen besitzt und auf unvergessliche Abenteuer aus ist. Damals nahmen insgesamt zwei Unimogs an dem berüchtigten Sahara-Rennen teil – beide hatten ihre Heimat ausgerechnet im beschaulichen Siegerland.

Umbaumaßnahmen machten Unimog 1300 L zur Wüstenbestie

Die Renn-Unimogs unterschieden sich gewaltig von den ursprünglichen Serienfahrzeugen, die sie einmal waren. Die 5,6-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel waren auf 180 PS getrimmt, das Fahrerhaus mit Überrollbügel ausgestattet und sicherheitsverstärkt. Sechs Zusatzscheinwerfer mit insgesamt 750 Watt Leistung erhellten die Nacht. Unter dem Fahrzeugboden hatten die findigen Unimog-Bastler Arbeitsleuchten für Reparaturen angebracht, außerdem befanden sich zwei Zusatztanks mit Platz für insgesamt 320 Liter an Bord. Das gesamte Tankvolumen lag hiermit bei unglaublichen 540 Liter: Eine gute Idee, da es in der Sahara nicht gerade von Tankstellen wimmelt. Zusätzlich schleppte das Wüsten-Biest 80 Liter Trinkwasser mit. Das zulässige Gesamtgewicht lag bei 7,49 Tonnen. Auf vergleichsweise geraden, schnellen Strecken taugte dieses Ungetüm nicht allzu viel, aber auf den schluchtendurchzogenen, steinigen Wegen südlich der Sahara, dem „Endspurt“ der Rallye, lief er zur Höchstform auf.

Kleiner als ein Lastwagen, wendiger als gedacht!

Die Rallye Paris-Dakar weist auch eine Urwaldstrecke auf, und hier punktete der Unimog sensationell. Seine Aufbauhöhe liegt klar unter den Lastwagen, darum konnte das Gefährt 1985, ohne anzuhalten, durch das üppige Grün preschen. Die Fahrer größerer Wagen mussten regelmäßig zwischendurch stoppen, um Äste abzusägen und diese so aus dem Weg zu räumen. Für den Offroader von Mercedes war so etwas kein Problem. Auch die Wendigkeit des Rallye-Siegers ließ nicht zu wünschen übrig, er manövrierte sich durch die unmöglichsten Situationen mit einer Eleganz, die in seiner Gewichtsklasse nur noch ein Wal aufbringen kann. Leider erlitt dieses Meisterwerk auf Rädern im selben Jahr in Gaggenau einen Unfall, der es komplett zerstörte – sonst wäre es heute längst zum Denkmal avanciert. Doch 2011 entstand ein originalgetreuer Nachbau der Legende aus einem Bundeswehr-Unimog mit derselben Motorisierung. Initiatoren dieses Projekts waren Sand Medien und die Gesellschaft für Geländewagen in Gotha.

Auf der Rallye Paris-Dakar tummeln sich viele bunte Vögel

Unimog Rennen: Das ist das Zeug zum Sieg!

Ausstattung, Gewicht, Motorisierung: Das alles gehört zu einem vierrädrigen Siegertyp dazu. Doch auch die Besatzung spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, alle anderen Mitstreiter aus dem Feld zu schlagen. Ein Unimog-Rennfahrer muss kein Profi-Mechaniker sein, doch ohne breitgestreutes technisches Wissen geht es kaum. Erfahrungen sammeln, recherchieren, sich mit anderen Fans eng austauschen: Das alles gehört zu den Renn-Vorbereitungen eines Gewinner-Teams. Zudem muss der Wille auf Sieg gerichtet sein, die Durchhaltekraft das Maximum erreichen. Der Fahrer steuert den Wagen, während der Navigator die Strecke im Auge behält und den Kurs angibt. Wenn sich beide schon seit vielen Jahren kennen und ein Stück weit miteinander verwachsen sind, ist das von großem Vorteil. Wie bei allen Heldengeschichten ist es nämlich vor allem der menschliche Zusammenhalt, der die Story vorantreibt – bis hin zum Happy End.

 

Foto-Sources: Pixabay/Wikimedia

Kategorien

About the Author:

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.