Die Zukunft der Unimog-Szene

Der Mogler steht im Vordergrund: Unimogtreffen, Ausfahrten, Berichte, TV-Tipps, Unimog-Witze.

Moderator: -Martin.Glaeser-

Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon OPTI-MOG » 27.10.2018, 19:39

Liebe Unimog-Freunde,

seit 13 Jahren bin ich in der Unimog-Szene unterwegs. In dieser Zeit gab es dort mit Sicherheit ein Wachstum. Indiz dafür: Anfangs waren zum Beispiel überwiegend Unimog 411 mit "alter Achse" zu sehen. Zwischenzeitlich sind auch die "neuen Achsen" sehr stark vertreten. Es kamen also immer mehr Oldies in die Öffentlichkeit und es wurde stets von Wertsteigerung und solider Geldanlage in den Unimog geredet.

Beim Unimog 1000+ scheint es auch noch aufwärts zu gehen.

Nun tauchen aber immer häufiger durchaus interessante Unimog zum Verkauf auf, die jedoch sehr schwer verkäuflich erscheinen. Früher wären die schon vorher unter der Hand oder nach Verkaufsangebot ruck-zuck verkauft gewesen.

Weitere Indizien für eine rückläufige Entwicklung: Viele Unimog-Fans werden älter, kommen nicht mehr so leicht ins Fahrerhaus hinein und heraus, vererben an ihre Nachkommen, die teilweise kein Interesse am Unimog mehr haben. Die behördlichen Vorschriften werden strenger und weniger gut zu durchschauen. Die technische Ausbildung im Kfz-Gewerbe für die jungen Leute wird gemessen an den Grundlagen oberflächlicher (austauschen vor reparieren). Das technische Verständnis und die spezifischen Kenntnisse nehmen ab.

Für die heutigen Senioren war der Unimog ein Kindheitstraum. Die derzeitige Jugend ist weit entfernt davon. Nur vereinzelt finden junge Leute Gefallen an der historischen Technik, die ohne Elektrik und Elektronik auskam, und lassen sich davon faszinieren. Der Nachwuchs bleibt aus.

Das Unimog Museum stellt strategische Überlegungen an. Die "Sparversion" ist, im Rahmen der durchaus üppigen wirtschaftlichen Situation zu wachsen. Die große Vision jedoch ist, gemeinsam mit interessierten Partnern den Standort zu einem "Erlebnispark" umzugestalten. Für Fremdenverkehr, regionale Unternehmen und "nebenbei" das Unimog Museum. Beide Strategien erscheinen sinnvoll und könnten zum langfristigen Erfolg im Sinne des historischen Unimog führen. Doch niemand weiß heute, wie es in 10 oder 20 Jahren aussehen wird.

All dies berücksichtigend sieht es danach aus, als sei der Zenith der Unimog-Begeisterung gerade überschritten. Das Schielen nach Wertsteigerung in der eigenen Sammlung und die Erwartung steigender Aktivitäten in der Unimog-Szene werden wohl vielfach enttäuscht werden.

Trotzdem ist es immer eine lohnende Aufgabe und befriedigende Tätigkeit sich dem Erhalt und der Präsentation technischen Kulturguts zu verschreiben. In diesem Sinne machen wir natürlich unbeirrt weiter.
Dateianhänge
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Liebe Grüße

Christoph

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Mit zwei Unimog 411 im Schlagraum https://youtu.be/OnCnQ_sFmOU


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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Syncronaut » 27.10.2018, 22:04

Moin,

Ich kann ja mal versuchen aus der Sicht der jüngeren zu sprechen. Ich selbst habe jz seit 2 Jahren meinen 411 und gehöre mit 21Jahren zusammen mit Hannes (UFH) zu den jüngsten hier.

Zum Thema Jugendtraum Unimog:
Ich habe 12 Jahre Schulzeit durch laufen und würde sagen, dass dort generell kaum noch Interesse an Oldtimern besteht, hat irgenwie auch auch was mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Wir waren in unserm Jahrgang erst 3 Jungs die in Dörflichen Strukturen aufgewachsen sind oder Teilweise sogar Landwirtssöhne waren. Wir haben uns alle sehr für Technik interessiert. Haben früh angefangen Trecker und Mopeds zu restaurieren und uns viel über Technik und Sonstiges ausgetauscht. Wir haben auch mehr oder weniger unserer Ganze Freizeit irgendwo draußen oder bei den Landwirten der Gegend aufm Beifahrersitz verbracht. Die anderen 90 Leute in unserem Jahrgang würde ich in die Kategorie "Städter" stecken. Da steht dann feiern shoppen und generell besondere Dinge zu erleben im Vordergrund. Wie man so schön sagt "eine gute Zeit zu haben" Bei diesen Jugendlichen fehlt dann komplett dieser technische, dörfliche Aspekt und es kann sich gar keine Affinität für sowas ausbilden. Und wenn man die Zeit dann jetzt 40-50 Jahre zurück dreht(in diese Altersklasse stecke ich jetzt mal den durchschnittlichen Unimog Fahrer) sieht die Welt ganz anders aus. Dort waren die dörflichen Strukturen viel ausgeprägter. Das Ansehen der Landwirte viel höher und auch die Anzahl derer. So wie es mein Vater geschildert hat hat man damals eine Große Vielfalt an Schlepper auf den Straßen gesehen und somit war die Jugend auch immer Begeistert diese zu sehen und man kannte natürlich auch die meisten und durfte immer mit fahren. Und irgendwann kam dann auch der Traum später mal selber sowas zu besitzen.

Außerdem sind solche historischen Fahrzeuge im Straßenbild kaum noch präsent und wenn sie dann mal frisch poliert auf nem Oldtimertreffen stehen und ein Kind mit leuchtenden Augen davor steht, hängt meist ein Schild "Bitte nicht anfassen" dran. Mein Unimog wird zum Arbeiten benutz (dafür wurde er gebaut nicht als Sonntagsausgehfahrzeug) sprich er ist viel auf der Straße zu sehen. Wenn ichs dann mal zum Oldtimer treffen schaffe wird er etwas abgespült oder halt dreckig mit Arbeitsgerät dahin gestellt, einfach um zu zeigen das sowas nicht nur was besonderes zum hinstellen ist, sondern das man die Mogs auch noch super Einsetzen kann . Wenn dann ein kleines Kind strahlend vor dem 411 steht gibt es nichts besseres als zu fragen ob er nicht mal rein klettern will. Für mich ist das Selbstverständlich weil mir das als kleiner Junge oft verwehrt blieb. Und wenn dann so ein Kind hinterm Lenkrad sitzt an den Hebeln rum spielt, dann beginnt BEGEISTERUNG und es wird Tagelang von dem Erlebnis erzählt. Und für alle die dem Skeptisch gegenüber stehen: Unsere Mogs haben Teilweise 60 Jahre harte Arbeit überstanden, warum sollte dann was durch zarte Kinderhände kaputt gehen.

Zum Thema technische Ausbildung:
Ich habe nach meiner Schulzeit auch eine Ausbildung zum Teiletauscher begonnen. Wenn ich mich in meiner Berufsschulklasse umschaue frage ich mich bei 80% was die in dem Raum zu suchen haben. Kaum einer hat da ein wirkliches Interesse an der Technik oder schraubt in irgendeiner Weise selber. Und Oldtimer kommen in solchen Vertragswerkstätten ganz selten vor.

Was ich auch für ein Problem halte, was die Jugend von der Szene abhält ist der Anschaffungspreis. Unimogs sind unheimlich Wertbestädnig aber eben auch Wertvoll. Sprich nicht jeder kann sich ne restaurierbare Basis leisten. Ich hatte Glück und meiner Stand im Nachbarort und war recht Günstig.

Und als letzten Punkt möchte ich das Thema Führerschein nennen. Heute machen wir den Führerschein der Klasse B(PKW) damit dürfen wir Fahrzeuge bist 3,5t fahren sprich alle mogs bis 421. Wenn wir dann den Traum eines 406 haben müsste dann wieder der LKW führerschein her und der ist dann auch nicht gerade günstig. Mit der Klasse 3 die es früher gab, gab es dieses Problem nicht.

Ich hoffe meine Schilderung ist in irgendeiner Weise verständlich.
MfG Hendrik
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Lothar Ziegler » 27.10.2018, 22:25

Hallo Hendrik,
deine Ausführungen sind sehr aufschlussreich und richtig.
Sarkastisch zusammengefasst:
Es gibt keine APP um Unimogfan zu werden.
zum Thema Führerschein. Kostet auch nicht mehr wie ein Adventure Urlaub, nur hat man länger davon.
Gruß Lothar
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon See_baer » 28.10.2018, 00:24

Hallo:
Na ja , zu den Preisen:

Ich habe schon von vielen gehört , die xx.xxx für eine Mog haben wollten - aber ich hab mich noch mit keinem unterhalten , der zugegeben hätte , so viel gezahlt zu haben. Da ist der Wunsch der Vater des Gedankens.

Und Oldtimer ganz allgemein als Wertanlage?
Wer kauft den Schrott denn , wenn ich das Geld wirklich brauche?
Auch hier fehlt einfach der Realitätsbezug.

Die Szene wird sich langfristig auf die Personen begrenzen , die den Mog wirklich einsetzen - z. B. Waldbesitzer , Brennholzfraktion etc.
Hier zählt der Gebrauchswert und nicht der schöne Schein. Die Traktoren - Oldtimerszene wir mit der jetzigen aktiven Generation weitgehend aussterben.

MFG Wolfgang
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Wurzelzieher » 28.10.2018, 08:52

Syncronaut hat geschrieben:Moin,
Mein Unimog wird zum Arbeiten benutz (dafür wurde er gebaut nicht als Sonntagsausgehfahrzeug) sprich er ist viel auf der Straße zu sehen. Wenn ichs dann mal zum Oldtimer treffen schaffe wird er etwas abgespült oder halt dreckig mit Arbeitsgerät dahin gestellt, einfach um zu zeigen das sowas nicht nur was besonderes zum hinstellen ist, sondern das man die Mogs auch noch super Einsetzen kann
MfG Hendrik


Sehe ich genau so ! Ich erinnere mich gerne an die 50 Jahr Feier in Gaggenau , als ich mit meinem Kollegen auf dem Rückweg zum Auto war kam gerade jemand aus SHA mit seinem 2150 oder 2450 ( weiß ich nicht mehr) frisch von der Arbeit. Ungereinigt was bei einem Fahrzeug für Waldkalkung schon deutlich zu sehen ist.
Den Spaß den ich beim fahren mit einem 45 Jahre alten Fahrzeug mit vollem Rückewagen oder 3 fm holz dahinter habe kann ich in keiner Spielothek haben.
Gruß Herbert
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon mhame » 28.10.2018, 12:06

Hallo,

es wurde zu allen Zeiten gesammelt und aufgehoben, selbst in der kargen Nachkriegszeit. Anders hätte vieles nicht überlebt. Gleichzeitig wurde auch vieles, was es in Massen gab (z.B. Golf 1/2), achtlos auf den Schrott geschmissen, weil sich keiner vorstellen konnte, dass in 30 Jahren jemand diese Alltagsfahrzeuge sammeln würde und es nur noch wenige geben würde. Die heutige Zeilt lehrt uns anderes.

Was für die alte Technik (z.B. bei alten Unimog) spricht ist, dass sie verständlich aufgebaut ist. Man benötigt kein Informatik-Studium, nur gutes Werkzeug. Für viele neuere Fahrzeuge wird schon die Software, Hadrware und der Quellcode in naher Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen.

Schaut man in die Elektrik der Fahrzeuge aus den 80ern und 90er, wird man feststellen, dass ausgetrocknete Elkos noch groß genug sind, dass ein versierter Hobbyelektroniker sie tauschen kann. Versucht das mal bei einer SMD-Platine eines aktuellen Fahrzeugs.

Für meinen Audi aus 1997 benötige ich für das Diagnosekabel einen Computer mit RS232 Schnittstelle. Bei neuen Laptops Fehlanzeige. Mein Maulschlüssel SW19 passt dagegen immer noch auf neue M12 Schrauben.

Zur Zeit fliegen massenhaft alte Diagnosegeräte in den Schrott. Die werden wir in der Zukunft suchen.

Noch ein Wort zum Führerschein. Ja, wir Alten waren priviligiert. Rechnet man die Kosten für den Führerschein auf die Betriebskosten von 10 Jahren um, fällt der Führerschein schon weniger ins Gewicht. Und wenn man die Zeit bis zum 50. Lebensjahr rechnet, ist es sogesehen ein günstiger Spaß. Die Mobiltelefone, die man in der Zeit gekauft haben wird, werden ein vielfachse mehr gekostet haben.

Was ein wirklicher Hinderungsgrund sein könnte, sind die hohen Einstiegspreise. Wenn ich mir allerdings die Fahrzeuge der heutigen Fahranfänger anschaue, mag ich das nicht recht glauben. Heute stehen auf den Schrottplätzen Fahrzeuge, die um ein vielfaches besser sind als mein erster Golf 1. Wenn ich mich dort herumtreibe kommen mir die Tränen bei so viel Wertvernichtung.

Gruß
Markus
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon ThiloWN » 28.10.2018, 12:14

Spannende Diskussion, die hoffentlich noch in der Breite diskutiert wird. Wir haben das Problem grundsätzlich bei Oldtimern, da viele aktuell als Wertanlage gesehen werden.

Die jungen Schrauber haben oft nicht das Geld für die Anschaffung und für die Ersatzteile – da gab es in den letzten 20 Jahren eine gewaltige Kostenexplosion.

Das Internet hat alles transparent gemacht – es gibt kaum noch "Schnäppchen" aus irgendwelchen Scheunen, Erbschaften, Versteigerungen oder Militärbeständen.

Das dörfliche Idyll hatte einen gewaltigen Vorteil: Scheune & Ackerfläche. Viele junge Leute zieht es in die Großstädte - da gibt es keinen Platz mehr für den Unimog und die Werkstatt.

Es gibt keine APP um Unimogfan zu werden.

Auch hier müssen wir uns anpassen und Apps/Digitale Angebote schaffen. Hunderttausende fahren Unimog – aber digital in irgendwelchen Farmer-Games. Hier müssen wir es schaffen, die Brücke in die analoge Welt zu schaffen.
So müssen wir die UCOM beispielsweise modernisieren und verstärkt mit Youtubern zusammenarbeiten.

Früher hat man ein Werkstatthandbuch in der Hand gehabt, dann hat man sich auf WIS/EPC gefreut - heute schaut man sich Erklärvideos auf Youtube an.
++++++++++
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon erni417 » 28.10.2018, 13:13

Hallo Christoph,

da hast Du den "Pfahl im Fleische" gedreht.

Das Thema betrifft massiv den Aspekt Nachwuchsarbeit. Ich hatte mich u.a. mit meinen Anträgen auf der letzten MV des UCG dafür starkgemacht, kann aber derzeit weder beim UCG noch im Unimog Museum dazu konkrete Aktivitäten erkennen.

Wenn nichts unternommen wird, werden alle Unimogs mit einer zGM > 3,5 t deutlich an Wert verlieren. Der Vorteil: sie werden erschwinglich,
Nachteil: es darf sie mangels Führerschein keiner mehr fahren.

Wie wäre es daher, den Erwerb des Führerscheins CE für interessierte Unimog-Besitzer unter 30 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen finanziell zu unterstützen mit der gemeinnützigen Zielsetzung, die Unimogs > 3.5t zGM für die Nachwelt zu erhalten ? Ich habe da durchaus auch strategisch weniger sinnvolle Ausgaben aus der Vergangenheit in Erinnerung.

Ich könnte mir dazu eine sog. "Verbrauchsstiftung" nach §80(2) BGB gut vorstellen und hätte auch Ideen zur Konkretisierung der Voraussetzungen. Vielleicht gelingt es ja, den UCG, den UVC, das Unimog Museum und Daimler dazu zu bewegen, sich daran zu beteiligen ?

Aus meiner Sicht muss man dem Nachwuchs wie Hendrik und Hannes auch Gelegenheit geben, die Altersgenossen für dieses Hobby zu begeistern. Vielleicht macht eine finanzielle Unterstützung beim Erwerb des Führerscheins CE das Hobby für den Nachwuchs attraktiver ?

Was meint Ihr ?

Herzl Gruß
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Michael_Weyrich » 28.10.2018, 14:21

Hallo,

erni417 hat geschrieben:Wie wäre es daher, den Erwerb des Führerscheins CE für interessierte Unimog-Besitzer unter 30 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen finanziell zu unterstützen mit der gemeinnützigen Zielsetzung, die Unimogs > 3.5t zGM für die Nachwelt zu erhalten ?


Davon halte ich nichts. Die Kosten für den benötigten Führerschein sind beim Hobby Unimog eher die geringsten. Für die "mittleren" Fahrzeuge reicht der Führerschein C1, viele wollen auch keinen Anhänger anhängen. Den C1 alleine (ohne E) gibt es auch für niedrige 4stellige Beträge, auch die Berufskraftfahrerqualifikation braucht man für Privatgebrauch nicht. Wer das mit den über einen längeren Zeitraum anfallenden Kosten für Anschaffung, Erhaltung, Restaurierung, Wartung eines Mogs vergleicht, wird merken, dass es eigentlich Peanuts sind. Klar, es stellt eine weitere Hürde für potentielle Einsteiger dar, die zum dem Zeitpunkt meist noch träumen, dass es mit einer einmaligen Investition in den Kauf eines Mogs erledigt sein wird.

Ich kenne die Problematik von der freiwilligen Feuerwehr. Da werden inzwischen vielerorts die Führerscheine komplett von der Kommune bezahlt, wo es früher nur ein paar 100,-€ Zuschuß gab. Selbst da gibt es immer weniger, die auch nur bereit sind, die Zeit für den Führerschein zu opfern, trotz voller Kostenübernahme und der Möglichkeit, den auch anderweitig nutzen zu können.

In unserer Regionalgruppe gibt es auch ein paar Interessierte junge Mitglieder, aber es stimmt, das Interesse insgesamt bei der Jugend an solchen Dingen wird nicht größer. Nur stellt sich mir die Frage, ob man das künstlich beeinflussen muss?

Gruß,
Michael
Meine Mogs und Anhänger:
406.121, 403.123, 435.115, KDU6000
Ehemalige Mogs:
404.115(TLF8)*, 404.114(LF8-TS)*, 416.141, 403.121, 424.126, 406.121

*) bei der Feuerwehr
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon krahola » 28.10.2018, 15:14

Hallo,
ein sehr Interessanter Beitrag.

Wir denken, dass bei einem möglichen Unimognachwuchs meist nicht nur der Anschaffungspreis, sondern viel mehr die Angst "was tun wenn was zu tun ist" eine Abschreckende Wirkung hat.
Viele der jüngern Generation schrauben nicht mahl am eigenen Fahrrad.

Auch ist das Streben nach der eigenen Mobilität sicherlich nicht mehr so im Fokus wie das in unserer Jugend gewesen ist.
Ob das nur am Preis und den Einschränkungen der aktuellen Führerscheine liegt, können wir natürlich nicht abschätzen.

Man stelle sich vor, dass der Unimognachwuchs mit eh schon knappen Geldbeutel bei den auftretenden Problemchen eine Werkstatt zu rate ziehen müsste... K.O. Kriterium ....

In der Imkerei bekommt man einen Paten für die ersten Jahre zur Seite gestellt, der bei allen Höhen und Tiefen unterstützt und berät. Meist werden über die Vereine Hilfsmittel; Arznei und Futter zum Selbstkostenpreis angeboten.

Das sind u.a. Ansatzpunkte welche wir diskutieren sollten um die Jugend ans Schrauben zu bringen.
Die Gewissheit, dass ist jemand der mir bei Problemen Hilft da ist, ist schon mal ein sehr guter Ansatz.
Jedoch kommt dann noch das Problem mit den Ersartzteilen und Preisen.
Ein Ansatz hier im Forum war, die Liste der Online-Händler bei der man zu anständigen Preisen Normteile bekommt.
Wie schaut es jedoch mit den Unimog Spezifischen Ersatzteilen aus?

Würde da nicht die Möglichkeit bestehen ein ET Lager (Onlineshop) für Clubmitglieder aufzubauen, bei dem Normteile, Nachfertigungen und Ersatzteile für Clubmitglieder angeboten werden? Über den Zuschlag (Verwaltung und Versand) könnte doch der Vorstand entscheiden.
Denke dieser "Zuschuss" würden allen bei unserem Hobby weiter helfen.

Viele Grüsse
Ela & Torsten
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon UFH » 28.10.2018, 15:40

Bevor wir länger Rätselraten was das Problem ist für die Jugend, Kommunikation hilft, nur wer im Gespräch bleibt kann das Problem klarer umreißen.
Ich denke ich habe einen relativ großen Querschnitt der Jugend im Blick und würde behaupten es gibt ein grundsätzliches Problem, alles ist zu schnelllebig. Unimog fahren, ja "geil", "nice" oder "cool" aber dafür mal auf das Partyleben zu verzichten um auf Teile zu sparen oder zu schrauben kommt nicht in Frage. Auch eine längere Beschäftigung mit Problemen ist langweilig, fahren, cool sein, ja, aber Zeit dafür einzusetzen ist ein KO Kriterium, reinsetzen und los fahren bzw immer fahren wie mit Muttern und Vatterns Karren ist nicht. Beschäftigung mit dem Unimog ist eben größtenteils nicht cool sondern dreckig teuer niederschmetternd(aus der Generation betrachtet, anderen Generationen sehen das Schrauben als wahnsinnig cool an)
Die Personen die sich näher mit analoger Technik beschäftigen und auch Probleme angehen Gedanken und Zeit einsetzen, sehen dann die Kosten zu hoch, ich denke nicht das es eine große "junge" Jugend gibt, denn um in dem Alter auf den Unimog zu kommen zu erhalten und zu restaurieren Bedarf es einiges an Geld, Zeit, abstrichen in dem "normalen" Leben und vorallendingen Ausdauer die in dieser schnelllebigen Welt fast schon abtrainiert wird. Um das möglich zu machen muss man auf das gröbste verzichten und der Einsatz ist einigen zu groß, ich denke beim Unimog wird die Jugend nie wirklich jung werden erst wenn viel Geld und Zeit ins Haus steht wird mit diesen Gedanken gespielt, also kann man nur dafür sorgen, dass die "Jungen" Erinnerungen und schöne Erlebnisse mit den Unimog erfahren um später irgendwann genau daran zurück zu denken und dann eben eines dieser Fahrzeuge aus der Erinnerung haben wollen.

Wie sind eure Ergebnisse aus Befragungen?

Denen die Bock auf das Thema Unimog haben die aber durch zum Beispiel den Führerschein eingeschränkt werden, sollte unter die Arme gegriffen werden, denn die nehmen wieder andere mit usw. Der Kontakt zu den Mogs fehlt um überhaupt die Möglichkeit zu haben mit dem Unimog-Virus infiziert zu werden. War bei mir nicht anders, 4 Jahre lang wollte ich einen 411 haben bevor ich das erste mal mitgefahren bin! Nochmal 3 Jahre später habe ich das erste mal einen 411 bewegt, von einem bekannten Mitglied hier im Forum Danke Jochen :party :party :party
Ich denke das ist ein seltener Werdegang eigentlich ist es andersrum wie ich das bei Infizierten so raushöre.
Viele liebe Grüße Hannes
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Waldmonster » 28.10.2018, 16:01

ich sehe das Problem mit dem "Nachwuchs" nicht nur bei der Jugend. Auch bei den älteren ändern sich die Prioritäten. Ich hab meinen ersten Unimog, einen U403, vor über 20 Jahren gekauft. Vorausgegangen waren Jahre der Prospektesammlerei, Bilder machen,..... Also im Rahmen der damaligen Möglichkeiten hergerichtet und dann einen 406er Agrar gesehen. Oh, der muß her. Also den 403er verkauft und den 406er gekauft, gerichtet, lackiert und glücklich gewesen. Bis mir ein 424er über den Weg lief. Wow, große Kabine, LKW like. Also das selbe Spiel wie vor Jahren schon mal. 406er weg- 424er her. Richten, lackieren, glücklich sein. Ihm folgte nochmal ein 406er und dem ein 424er. Der steht in der Scheune. Seit März als das jährliche holzmachen fertig war steht der rum. Auf Treffen war ich seit zig Jahren nicht mehr- grünes Kennzeichen halt. Und wegen 1 oder 2 Tage Treffen versteuern? Nicht einzusehen für mich.
Daher ist die Entscheidung gereift künftig ohne Unimog zu leben. Komplett ohne. Also auch ohne die Prospektsammlung. Ohne die hunderte Modelle. Hoffnung auf die nächste Generation war vergeblich. Null Interesse. Als Kleinkind war das Hobby ja mal interessant für ihn, was heißt interessant? Mal mitfahren, ja. Aber mehr? Schrauben, putzen,... nein, ist uncool. Mit in Wald zum holzmachen? Nur Gemaule. Also Strich drunter und gut.
Offenbar bin ich nicht der einzige dem es so geht.
Daran ändert auch der UCG nichts, ist halt der Lauf der Zeit. Ob das eine gute Richtung ist- ich weiß es nicht. Irgendwann warten junge Leute auf den 85 jährigen Handwerker der ihren tropfenden Wasserhahn repariert weil sie das trotz 5 ToDo-Videos nicht selber hinbekommen :ironie
LG Thorsten
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon Lothar Ziegler » 28.10.2018, 17:55

Hallo Thorsten,
wieso Ironie? Es ist die Wahrheit.
Beispiel: Mein Schwiegersohn und Tochter bauen.
Ich habe auch gebaut.
Ich habe die Kelle in die Hand genommen und zusammen mit der Verwandtschaft das Haus gebaut.
Kein Abend , kein Wochenende, kein Feiertag frei. Nach 10 Monaten eingezogen.
Und heute?
Man trifft sich Samstags zum Bauherrenstammtisch. Tauscht seine Erfahrungen mit den Bauunternehmen aus.
Berät über einen Landschaftsgärtner der die 4 freibleibenden qm anlegen soll. Produziert Kosten bei denen ich nachts nicht schlafen könnte.
Plant nach Mode und nicht sinnvoll Fenster bis zum Boden. Erker die an Nachbars Terrasse angrenzen. Ist zwar modern aber in Unterhosen durchs Haus laufen geht nicht da alles zuschaut.
Ergebnis. Das Haus ist nach 1,5 Jahren immer noch nicht fertig und blasen an den Fingern hatte man noch nie. Hauptproblem, wie feiere Ich die Einweihungsparty um die anderen zu toppen . Ach ja, ein neues Auto muß auch noch her, wegen der Nachbarn. Keiner soll meinen man sei arm.
Das alles der Bank gehört ist Nebensache. Das ist beileibe kein Einzelfall sondern das ganze Neubaugebiet besteht aus solchen Leuten. Solch ein Klientel wird nie an einem Unimog oder anderem Oldtimer schrauben.
Das ist die Generation 4.0. Hoffentlich gibt es keinen Systemabsturz.

Wir hatten einen längeren Stromausfall im Ort. In der Schule wurde ein Sammelort eingerichtet weil natürlich auch kein Handy oder Computer funktionierte. Die Feuerwehr fuhr mit Lautsprecherwagen durch den Ort und informierte die 4.0 er.
Ich habe einfach das Notstromaggregat angeworfen, das Haus angeklemmt und gemütlich Fernseher geschaut.

Fazit: die verdursten vor einer ungeöffneten Bierdose.
Prost.
Gruß Lothar
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon ug427 » 28.10.2018, 18:07

Hallo Thorsten,

du hast es leider auf den Punkt gebracht.
Ich habe neben dem Mog noch das Hobby Modell - Fliegen.
Hier sieht es mit dem Nachwuchs auch nicht besser aus. :?

Gruß Thomas
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Re: Die Zukunft der Unimog-Szene

Beitragvon dohnti » 28.10.2018, 18:46

Hallo zusammen,

ein interessantes Thema wird hier gerade diskutiert!
Selbst zähle ich ja hier zu den Anfängern in der Altersgruppe U30, auch wenn ich Hannes und Hendrik nicht persönlich kenne, aber beide haben schon richtig erkannt das die Initialzündung bzw. der Beginn für die Begeisterung für Unimog's relativ früh beginnt. Ob man
gleich als erstes mit einem eigenen Fahrzeug beginnt oder über Umwege (Zweitfahrzeug), Hauptsache man findet dann die Begeisterung dafür. Und in der heutigen Zeit wo alles wie schon erwähnt "schnelllebig, billig ist besser, hauptsache online " usw. Sind die Alternativen zum Unimog als Haupt-Hobby fast unbegrenzt. Am Anfang machte die Mog-Szene auf mich den Eindruck als wäre es ein Luxushobby, weil vieles finde ich sehr übertrieben und drastisch dargestellt wird im Bezug auf die Preise egal ob ganze Fahrzeug oder Ersatzteile. Hört sich zwar schlecht an, aber war halt der erste Eindruck
Wie oft wurde ich dieses Jahr auf Treffen hier in der Region angesprochen auch von jungen Leuten "Wieso hast du dir so ein teuren Bock gekauft, damit kennt sich doch niemand richtig aus hier und die Teile kosten ohne Ende Geld "
Aber ich finde halt genau dieses Fahrzeug interessant und bin bis jetzt davon überzeugt. Auch wenn noch ein Haufen Arbeit dran ist. Funktion und Zuverlässigkeit geht bei mir vor äußere Optik. Die Förderung für F-Scheine sollte man an Bedingung knüpfen sonst wird diese ausgenutzt.
Die F-Klasse CE hab ich zb. mit über die Fw-Feuerwehr finanziert vor 8 Jahren, da tut man sehr viel für das Ehrenamt und es hat einen positiven Nebeneffekt für sein Hobby :mog4.


MfG. Christoph. (dohnti)
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