Motorbremse im 411er

Hier werden Fragen zur Technik und zur Restauration des Unimog gestellt.

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Motorbremse im 411er

Beitragvon Ch.Maier » 15.06.2004, 17:40

Hallo zusammen,

habe mal wieder eine Frage: Wie funktioniert eine Motorbremse genau? Ich hab zwar gehört, dass da mittels Fußknopf irgendwo eine Klappe zugehen soll, aber das wars schon. Vielleicht kann mir hier jemand Auskunft geben? Das Nächste wäre dann, ob es möglich oder unmöglich ist, in den 411er so eine Motorbremse zu installieren?
Gerade, wenn man im Bergland wohnt, wäre so ein Teil schon sehr praktisch, da man die Bremsen schonen könnte. Ich freue mich auf eure Einfälle und Tipps!

Grüße Christian
Leider keinen Unimog mehr, aber noch immer interessiert! Wenigstens noch einen Carraro Tigretrac 3800HST, damit zumindest ein Trac im Stall steht, ...
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Ch.Maier
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Motorbremse im 411er

Beitragvon Bertl76 » 15.06.2004, 20:02

hallo!

die klassische motorbremse beim diesel ist lediglich eine ganz einfache klappe im auspuffkrümmer/hosenrohr. dadurch wird nix anderes gemacht, als den motor als luftkompressor gegen druck arbeiten zu lassen, was natürlich kraft an der kurbelwelle verbraucht und so die bremswirkung erzielt.

willst du den 411er nachrüsten, müsstest du erstens dafür sorgen, dass die drosselklappe aufgeht, damit überhaupt kräftig luft angesaugt werden kann, was aber dann
UNBEDINGT auch gemacht werden muss, ist zwingend bei schliessen der abgasklappe auch die einspritzpumpe auf nullförderung zu bringen, ich denke mal, hier müsste per gestänge unter zwang der absteller betätigt werden.
tust du das nicht, würde erstens die bremswirkung fehlen, und zweitens gefährliche drücke im abgasstrang/zylinder entstehen.

wiederhörn!
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Re: Motorbremse im 411er

Beitragvon zweiflinger » 17.05.2020, 01:28

Moin U-Com

Ich grabe mal dieses Thema aus, da ich selbst mich mit dieser Frage beschäftigt habe und meine Erkenntnisse hier für den Rest der Community dokumentieren möchte.

Nach meinem Wissen gibt es Motorbremsen im 411 nur als eigene bastel Lösung wie bald hoffentlich in meinem 411 ;-) und als Nachrrüstbauteil von der Firma Haller vermutlich aus der Schweiz
Bild

Von der Firma Haller finde Ich nichts mehr richtig, das heißt wohl das es diese Aktuell nicht mehr gibt.
Die Firma wird aber auch in diesem Beitrag erwähnt.
motorbremse-t2361.html

Ich persönlich bin über diese Sonderausstattung [SA] im Rahmen der Videos von Andreas Burren gestoßen, da er in seinem 411 auch so eine Motorbremse oder mindestens optisch gleiche Motorbremse verbaut hat.
Man kann die Motorbremse in diesem Video bei min 02:60 im Einsatz Sehen.


Die Bremswirkung scheint zwar relativ überschaubar zu sein, aber es wird auch bei einer niedrigen Motordrehzahl gebremst. Da die Motorbremse drehzahlabhängig ist steigt mit der Motordrehzahl auch die Bremswirkung.
Auch schön bei seiner Anwendung zu sehen ist wie er die Motorbremse alle 5-10 sec öffnet und schließt. Dies ist meines wissens um den thermisch kritischen Zylinderkopf vom 411 zu entlasten und nicht zu Überlasten.

Abgesehen von dem Fahrzeug von Andreas kenne ich nur zwei andere 411 an denen ich diese SA gesehen habe
Dieses hier was schon vor einer weile auf Ebay-Kleinanzeigen zu verkaufen war.
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Und dieses was Aktuell noch zu verkaufen ist und welches ich besichtigen konnte.
https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anz ... 6-276-8047
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Alle Unimog waren gefühlt in der Schweiz oder ähnlichen Alpen-Ländern im Einsatz und haben dort ihren dienst getan. Es handelt sich also um eine ziemlich Seltene Länderspezifische SA.
Hier die Bilder dazu.
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Zur Funktionsverdeutlichung hier noch ein Video das hilft mir immer alles zu Visualisieren.
Spannend finde ich das die Esp. und die Klappe sich Gleichzeitig schließen, da dachte ich immer das zuerst die Nullförderung eingestellt und dann die Staudruckklappe geschlossen wird.
Auch spannend ist das Federelement an der Steuerstange zur Einspritzpumpe dadurch wird vermutlich verhindert das an dieser Welle zu stark gezogen wird da diese dafür nicht ausgelegt ist.


Ich hoffe ich konnte euch was interessantes Präsentieren und Wünsche noch Frohes Mogln
Anton
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http://www.unimog-community.de/phpBB3/p ... ml#p465702
Videos von meinem 411 findet ihr hier
https://www.youtube.com/channel/UCXNHHd ... zy3yPJohMg

Ist es nochnicht gut dann ist es noch nicht das Ende.
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Re: Motorbremse im 411er

Beitragvon Helmut-Schmitz » 17.05.2020, 21:48

Hallo
Auch schön bei seiner Anwendung zu sehen ist wie er die Motorbremse alle 5-10 sec öffnet und schließt. Dies ist meines wissens um den thermisch kritischen Zylinderkopf vom 411 zu entlasten und nicht zu Überlasten.
Die Sache mit der thermischen Belastung durch die Motorbremse ist genau so wie der hohe Eisengehalt im Spinat.
Die Energie, die notwendig ist, um das Gefährt bergauf zu bringen ist gleich der freiwerdenden Energie beim bergabfahren. Zur "Erzeugung" der Energie beim bergauffahren wird die dreifache Energiemenge im Treibstoff benötigt, da 1/3 ins Kühlwasser, 1/3 in die Abgase abfließen und nur 1/3 an mechanischer Energie für diese Arbeit zur Verfügung steht. Beim bergabfahren muss also nur dieses Drittel als Bremswärme, entweder durch die Radbremsen oder durch die Motorbremse abgeführt werden. Bei reiner Motorbremse wird dieses Drittel dann wieder in die Anteile im Kühlwasser und Abgas aufgeteilt. Wenn man davon ausgeht, dass beide Teile gleich groß sind, fällt im Kühlwasser nur die Hälfte der Wärme an wie beim bergauffahren, ebenso im Abgas. Woher soll jetzt die thermische Überlastung kommen?
Beim Sauger sind die "kalten" Abgase kein Problem, bei den Turbo-Motoren sinkt die Laderdrehzahl und der Lader fördert weniger Frischluft, weshalb die Motorbremswirkung geringer wird.
Als Resümee kann man festhalten, dass das äquivalente Drittel mechanischer Energie als Wärmeanfall im Schiebebetrieb zwischen Kühlwasser und Abgas aufgeteilt wird. In keinem Falle werden auch nur annähernd hohe Temperaturen wie bei der Verbrennung erreicht, die eine Überhitzung im Zylinderkopf erzeugen könnten. Der Wärmeübergang vom Gas in die Wandung ist besonders abhängig vom Temperaturunterschied zw Wandung und Füllung. Da das Temperaturgefälle zwischen Gas und Wandung im Motorbremsbetrieb geringer ist, wird weniger in die Wandung übertragen, der Motor kühl dabei langsam aus.
Problematisch wird die Sache, wenn der Motor im falschen Gang zu hoch gedreht wird,

Das einzig wirkliche Problem ist die Ventilführung des Auslassventils samt der Abdichtung, die für diese Druckbeaufschlagung nicht ausgelegt ist. Dabei wird das Öl aus der Führung geblasen. Hier kann durch kurzzeitiges Aussetzen wieder etwas Öl in die Führung gefördert werden. Deshalb ist es auch wichtig, dass der Drosselspalt korrekt eingestellt ist.
Mangels Erfahrung gab es in den 50er/60er Jahren einige Probleme mit der Motorbremse, woraus heute so manche "Weisheit" abgeleitet wird, aber wirklich wissen tut sie kaum einer.
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Re: Motorbremse im 411er

Beitragvon zweiflinger » 18.05.2020, 06:10

Moin Helmut

Ich möchte nicht behaupten, dass ich Motorbremsenexperte bin. In den Erklärungen, die ich bisher gehört habe, hatte ich mir gemerkt das es durch die Schließung der Motorbremse im Dauerbetrieb zu Problemen kommen kann.

Wenn man davon ausgeht, dass beide Teile gleich groß sind, fällt im Kühlwasser nur die Hälfte der Wärme an wie beim bergauffahren, ebenso im Abgas. Woher soll jetzt die thermische Überlastung kommen?


Man kann es sich ja auch andersherum Vorstellen die Komprimierung bei Volllastbetrieb oder bei Motorbremsbetrieb ist ja gleich da wir nichts an den Steuerzeiten der Ventile ändern.
Ergo ist die dadurch erzeugte thermische Energie gleich. Dadurch das kein Kraftstoff verbrannt wird, senkt sich deutlich die erzeugte Hitze im Brennraum. Durch den Rückstau der Drosselklappe wird auch ein wenig mehr Hitze erzeugt werden, aber die wird im keinem Verhältnis zum Verbrennen des Kraftstoffes Stehen.


Das einzig wirkliche Problem ist die Ventilführung des Auslassventils samt der Abdichtung, die für diese Druckbeaufschlagung nicht ausgelegt ist. Dabei wird das Öl aus der Führung geblasen. Hier kann durch kurzzeitiges Aussetzen wieder etwas Öl in die Führung gefördert werden. Deshalb ist es auch wichtig, dass der Drosselspalt korrekt eingestellt ist.
Mangels Erfahrung gab es in den 50er/60er Jahren einige Probleme mit der Motorbremse, woraus heute so manche "Weisheit" abgeleitet wird, aber wirklich wissen tut sie kaum einer.


Diese Erklärung macht für mich viel mehr sinn Danke dafür.
Wenn wir bei dem Thema Drosselspalt sind, auf welches Maß wird dieser denn dann eingestellt? Vermutlich gilt es diesen so zu wählen, dass ein bestimmter Staudruck erreicht wird. (Aber welcher) ich persönlich habe mich auch gewundert, da ich für meine Staudruckbremse eine Abgasklappe eines IFA W 50 mir besorgt habe. Diese schließt komplett dicht ab, was mir auch nicht geheuer war. Garantiert wird der Motor im IFA für den anfallenden Überdruck ausgelegt sein, weshalb er Vielleicht die Klappe ganz schließen kann.

Grüße Anton
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