Querlenker Vorderachse 403

Hier werden Fragen zur Technik und zur Restauration des Unimog gestellt.

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Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon benz » 07.11.2018, 12:41

Hier könnt ihr sehen was mir am letzten Wochende im Wald passiert ist als ich relativ langsam in die ca. 40 cm tiefen Spuren eine Schleppers gerutscht bin. Mit lautem Knack hat sich der Querlenker verabschiedet.

Auf dem Bild kann man sehen dass der Querlenker schon länger angerissen gewesen sein muss. Aber bei der Kontrolle der Querlenkerbuchsen 2017 war noch alles o. k.

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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon Moggälä » 07.11.2018, 13:51

Hallo Reiner,

da hast Du aber noch mal großes Glück gehabt - sowas auf der Straße bei 80km/h - naja.
An meinem 406 war die achsseitige Schraube des hinteren Panhardstabes um 0,5-1mm ausgeschlagen - und das war schon deutlich zu merken beim Fahren.
Eigentlich sollte deiner schon seit längerem merkliche Zeichen gegeben haben?!

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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon benz » 07.11.2018, 17:36

Hallo Axel,

spürbar war nichts am Tag davor und da ich den Saugschlauch von der Hydraulikpumpe nach gezogen habe hätte ich das auch gesehen wenn der Querlenker so wie auf dem Bild runter gehangen hätte.

So wie es auf dem Bild aussieht war es erst nach dem ich seitlich weggerutscht bin. Bei 20 - 30 km/h auf den Waldwegen hier, kann man wegen der Beschaffenheit des Untergrundes, nicht wirklich von Geradeauslauf sprechen.
Gruß Reiner
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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon OPTI-MOG » 07.11.2018, 18:37

Hallo Reiner,

das sieht nach einem Ermüdungsbruch aus. Der war dann schon lange da. Und bei der letzten Belastung ist der restliche noch vorhandene Querschnitt abgerissen.

Nur bei gezieltem und genauen Hinsehen hätte man das vorher erkennen können.
Liebe Grüße

Christoph

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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon benz » 07.11.2018, 19:08

Hallo Christoph,

so ist es. Auf dem Foto kann man den alten Bruch nicht wirklich erkennen.

Das Bauteil war jetzt 48 Jahre im Einsatz.

Hatte schon mal jemand von euch einen gebrochenen Querlenker?
Gruß Reiner
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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon Helmut-Schmitz » 08.11.2018, 19:17

Hallo
das sieht nach einem Ermüdungsbruch aus. Der war dann schon lange da.
ein Ermüdungsbruch tritt schlagartig auf, das Kistallgefüge hat sich dabei über einen langen Zeitraum verändert (verhärtet). Hier liegt wohl eine Verwechslung mit einem Dauerbruch vor. Dieser beginnt langsam entlang der Belastungslinie zu wandern und im Restbquerschnitt erfolgt dann ein Gewaltbruch.
Bei einem Dauerbruch sind Rastlinien sichtbar, bei einem Ermüdungsbruch nicht, da dieser über den gesamten Querschnitt bricht.
Ich kann die Bruchfläche nicht erkennen und auch keine Vermutung dazu äußern.
Maach et jot äwer net ze offt
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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon OPTI-MOG » 09.11.2018, 11:05

Hallo Helmut,

Deine Definition kann ich nicht nachvollziehen. Siehe z. B. hier: https://www.ahoefler.de/maschinenbau/we ... ismus.html:
... Äußerlich kann der Ermüdungsbruch also an seinen zwei typischen Bruchbereichen erkannt werden. Im Bereich der Rissausbreitung zeigen sich die charakteristischen Rastlinien oder zumindest Schwingungsstreifen. ...


Ermüdungsbruch, Dauerbruch, Schwingbruch und Schwingungsbruch bezeichnen ein- und dasselbe.
Liebe Grüße

Christoph

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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon Helmut-Schmitz » 11.11.2018, 14:33

Hallo Christoph

das Wissen eines Berufsschullehrers in allen Ehren, als Referenz würde ich das nicht ansehen. Ich beziehe mein Wissen nicht von Webseiten sonder von Fachbetrieben, mit denen ich in meiner Laufbahn zu tun hatte und habe. Das Internet ist voll mit Weisheiten und Halbweisheiten. Der Herr Pädagoge möge sich mal einige Jahrzehnte bei Maschinenbauern oder Reparaturbetrieben rumtreiben bevor er Schülern solche Details erklären möchte.

Ursache eines Dauerbruch ist in der Regel eine Spannungsspitze bei Querschnitt- und/oder Spannungsänderung. Es beginnt mit einem Anriss durch Kerbwirkung infolge Bearbeitungsfverfahren oder Kontureinschnitt oder -änderung und pflanzt sich dann langsam durch den immer kleiner werdenden Restquerschnitt fort. Ist der verbleibende Restquerschnit irgendwann zu klein, so erfolgt dort der Gewaltbruch.


Ein Ermüdungsbruch erfolgt z.B. durch ständiges schlagartiges einwirken auf einen Bauteil oder Biegearbeit, das Material wird hart (Gefügeveränderung) und kann irgendwann nicht mehr plastisch reagieren. Kennt jeder, man biegt einen Draht so oft hin und her bis er bricht.
Es ist im Maschinenbau bzw bei Instandsetzern ist es von immenser Bedeutung, die Unterschiede zu (er)kennen, um die Ursach abzustellen. Wir haben oft genug mit Mikrokop-Aufnahmen und Ätz- und Schliefbildern rumgerätselt.

Einem Kollegen ist plötzlich einfach so ein Zahn aus dem Vorgelege rausgebrochen. Mit Hilfe des BAM konnte die Ursache geklärt werden, Ermüdungsbruch.
Mein Großvater war Schmied und hat mir schon erklärt, wie man schwere Profilträger kürzt ohne Säge und Schneidbrenner :idee abbrechen

Um auf Reiners Schaden zurückzukommen. Die Ursache dürfte die stoß- oder schlagartige Belastung sein, der Querschnitt hinter der Schweißnaht ändert sich, hier tritt zwangläufig ein Knick in der Spannungslinie auf, das Gefüge ist entlang der Schweißnaht ebenfalls verändert. Auch die Art der Krafteinleitung durch das Gummi erzeugt keine punktuelle Laststpitze als Ursache oder Keimpunkt eines Dauerbruchs.
Das Material wird hart und bricht dann plötzlich bei Belastung. Ich kann die Aussage vom Reiner gut nachvollziehen wenn er sagt, dass der Riss vorher nicht vorhanden war. Die Gefügeveränderung ist äußerlich nicht sichtbar.
Schliffbilder oder Mikroaufnahmen wird es wohl kaum geben, und wie gesagt, auf den Bildern kann man nichts erkennen, weshalb man keine Angaben zur Ursache und Hergang machen kann.
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Re: Querlenker Vorderachse 403

Beitragvon OPTI-MOG » 11.11.2018, 15:56

Wer sich für das Thema noch interessiert, der lese z. B. hier: https://tu-dresden.de/ing/maschinenwese ... _1?lang=de

Demnach ist Ermüdungsbruch der Oberbegriff für Brüche der selben Ursache jedoch mit unterschiedlich möglichem Verlauf.
Liebe Grüße

Christoph

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