Liebe Schraubergemeinde,
da ich vom letzten Stammtisch weiß, dass diese Berichtsfolge durchaus mit Interesse gelesen wird, will ich kurz zu meinen Aktivitäten gestern und heute schreiben.
Die Antriebswellen waren vom Getriebe zu lösen und so das Getriebe zum Ausbau vorzubereiten. Das war bislang der unangenehmste Teil der Aktion, ich beschreibe das hier für die Hinterachse, an der Vorderachse wurde analog gearbeitet.
Bild 1 - Nach Entfernen des Batteriekastens, um Platz zum Arbeiten zu schaffen, schob ich zunächst die Gummimanschette zurück und löste dann den Schubkugelflansch vom Getriebe. Warum mir dabei an der Vorderachse ca. 2 Liter Getriebeöl entgegenliefen, habe ich nicht verstanden. Im Getriebe war jedenfalls immer genug Öl, ich hatte zu keiner Zeit den Eindruck, als ob es durch einen undichten Simmering in die Achse laufen würde. Wie dem auch sei - der Flansch wiederum wurde durch Lösen der Verbindungsschrauben in zwei Hälften geteilt, welche leicht auseinander zu nehmen waren. Auch die Beilagbleche zur Regulierung des Schubkugelspiels (2 Hälften) fielen mir förmlich entgegen. Hier ist der Flansch bereits ausgebaut:
Ich habe es mir übrigens angewöhnt, nach Möglichkeit gelöste Schrauben gleich dort wieder hineinzudrehen, wo sie ursprünglich gesessen haben. Nicht, dass ich unbedingt alle alten Schrauben wiederverwenden möchte, aber so besteht zumindest noch die Zuordnung der Schrauben an ihren Platz. Die ausgebauten Teile sollen später natürlich gesäubert und lackiert werden, dann müssen die Schrauben doch heraus. Vorher werde ich dann aber noch genau dokumentieren, welche Schraube wo und nötigenfalls auch wie herum hineingehört.
Bild 2 - In die Vertiefungen zwischen den Augen der Anbauböcke habe ich quer eine dicke Eisenstange gelegt und daran mit einem Spanngurt die Achse so weit wie möglich nach hinten gezogen. Die Vorderachse wurde an der Stoßstange zurückgezogen. Das jeweils linke Rad habe ich hochgebockt, um damit die Antriebswelle immer so passend drehen zu können, dass ich eine Schraube durch den Schlitz erreichen konnte. Das Schubrohr habe ich mit einem Strick hochgebunden, damit es nach dem Abflanschen der Antriebswelle nicht herunterfällt.
Viel Platz entsteht durch das Zurückziehen nicht! Es öffnet sich aber ein ca. 20 mm breiter Schlitz zwischen Getriebe und Schubkugel, durch welchen man an die 8 Befestigungsschrauben der Antriebswelle an den Getriebeabgang so gerade eben herankommt. Das Lösen dieser Schrauben ist - verzeiht! - eine richtige Scheißarbeit

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- Jahrzehntelang wurden die Schubkugeln offenbar gut geschmiert. In diesem Fett wühlte ich förmlich herum. Ich habe selten so eine Sauerei erlebt.
- Jeweils zwei dieser Schrauben sind mit einem gemeinsamen Sicherungsblech gesichert. Das Zurückbiegen dieser Sicherungsbleche mittels Hammer und Schraubendreher ist angesichts des beengten Arbeitsraums eine Geduldsarbeit, welche durch das ständig irgendwoher nachtriefende Fett nicht leichter wird.
Herrje, was habe ich geflucht, was ist doch der Unimog für ein hoffnungslos verbautes Teil

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Da sich ein Ringschlüssel aus Platzmangel nicht ansetzen ließ, musste ich mit dem Maulschlüssel arbeiten und fürchtete schon, die Schraubenköpfe dadurch "rund" zu machen. Das war aber nicht der Fall, im Gegenteil: ich staunte sehr, wie leicht sich die Schrauben lösen ließen
Eines weiß ich jetzt schon: der Zusammenbau geht so auf keinen Fall vonstatten, dazu werde ich wohl den Unimog aufgebockt und die ganze Achse gelöst haben müssen, um mehr Platz zu haben. Beim Auseinanderbauen geht es aber wie beschrieben, immerhin mit dem Vorteil, dass das Fahrzeug noch rollfähig bleibt.
Bild 3 + 4 - Hier noch ein Blick auf die gelösten Schubkugeln, der Schlitz zum Arbeiten an der Hinterachse ist rot eingekreist.
So, wieder habe ich 7:30 Std. richtig "Spaß"

mit dem Unimog gehabt und bin ein ganzes Stück weiter. Jetzt brauche ich das Getriebe nur noch herauszuheben, auf den 406er verladen, und dann geht es mitsamt Kupplung endlich auf die Reise zum Instandsetzer
