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Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 21.07.2003, 14:33
von Alo
Hallo an alle da draußen!!
Ich habe von meinem Onkel einen unimog 411 offen Baumuster 411.112 geerbt!
Er ist koplett resaturiert, doch jetzt kommt mein Problem:
Ich habe nicht sonderlich viel Ahnung von solchen Geräten, aber ich würde ihn halt gerne behalten und auch damit fahren, ohne, dass ich gleich eine ganze pfütze von Öl unter der Vorderachse liegen hab.
(ich hoffe ihr entschuldigt meine etwas untechnische Ausdrucksweise, aber ich kenne mich halt wirklich nicht damit aus!!

)
Jetzt also zum eigentlichen Problem.
Ich stehe vor der dem unimog und schaue dann auf die rechte Seite der Achse.
Da sitzt ein Ding, was sich dreht und links davon geht es weiter in Richtung Achsmitte.
An dieser Verbindung drückt mein unimog Öl heraus.
Muss ich mir große Sorgen kachen, odr kann ich das auch als Laie reparieren?
Würde mich freuen. wenn ihr mir helfen könntet, wobei ich euch noch bitte, halbwegs ohne Fachbegriffe und relativ leicht verständlich zu schreiben, weil ich sonst wirklich nicht viel verstehe!! :casstet:
Gruß Alo
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 21.07.2003, 20:08
von JOSH_411
Hallo Alo,
Zunächst Gratulation, das Glück, einen offenen 411 zu erben, hat nicht jeder.
Zum geschilderten Ölverlust:
Das \"... Ding, das sich dreht...\"

ist die Doppelgelenkwelle. Wo die in Richtung Fahrzeugmitte in den Achskörper hineingeht, sitzt ein Wellendichtring, der die sich drehende Welle gegen den ölgefüllten Hohlraum der Achse abdichten soll.
Der verschleißt mit der Zeit und wird insbesondere nach langer Standzeit gern undicht. Dann muss er erneuert werden. wenn dort zuviel Öl austritt.
( Eine Pfütze nach jeder Fahrt ist zuviel! Ein wenig \"Schwitzen\" ist beim 411 normal. Ein 411 ist nur dort auf Dauer trocken, wo kein Öl drin ist.)
Der Austausch diese Wellendichtrings ist an sich eine relativ einfache Reparatur. Zeitumfang ca. 2 Stunden. Einen neuen Wellendichtring bekommst Du in jeder DB-Unimog-Werkstatt.
Wenn Du allerdings überhaupt keine Erfahrung im \"Schrauben\" hast. empfehle ich Dir, jemanden hinzuzuziehen, der sich auskennt oder die Reparatur in der Unimog-Werkstatt ausführen zu lassen. (Immerhin muss die Bremsleitung abgeklemmt werden und nach Zusammenbau die Bremsanlage entlüftet werden.)
Falls Du es aber selbst machen willst, solltest Du Dir in jedem Fall ein Werkstatthandbuch für den 411 zulegen. (Bei Verlag \"Buch und Bild\", Link hier im Forum)
Dort sind alle Arbeitsschritte gut beschrieben und teilweise auch bebildert. Wird Dir auch in bestimmt auftretenden zukünftigen Fällen gute Dienste leisten.
In jedem Fall viel Spass mit dem Mog und fröhliches Schrauben.
Gruß Josh
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 21.07.2003, 21:00
von stefanfuchs
Hallo,
also ich würde erst mal bevor ich da die Welle rausziehen würde den Ölstand in der Vorderachse und in den Vorgelegen ( aussen an den Rädern ) nachschauen, dann würde ich das Fahrzeug erst mal ein wenig bewegen, um festzustellen, wie stark der Ölverlust ist.
Denn der Simmeringwechsel ansich ist sicherlich nicht so problematisch, aber bei der beschriebenen Stelle vorne rechts muss vor dem Ausbau die Sperre gesichert werden, da diese sich sonst ins Achsgehäuse verabschiedet.
Am besten Rücksprache mit jemandem halten, der sich damit auskennt anstatt selbst rumzudoktorn, wäre m. Erachtens schade um das restaurierte Erbstück, Anschaffung von Fachliteratur ist in jedem Falle sinnvoll, sind da schon einige Stellen, die regelmässig gewartet werden sollten.
Gerade für einen Unimogneuling würde ich den Besuch von Unimogregionalveranstaltungen empfehlen, da dort kompetente Kontakte geknüpft werden können.
Grüsse
Stefan Fuchs
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 21.07.2003, 21:31
von Mog411
Hallo Alo!!
Erstmal auch Glückwunsch zum Unimog!!
Du wirst hoffentlich noch viel spaß damit haben.
Kann dir auch nur raten das Werkstatthandbuch zu kaufen!!
es lohnt sich wirklich, obwohl ich auch genau zu diesem problem eine frage habe.
Im WHB steht immer: \"bei ausgebauter Achse\"
Muss man um den Wellendichtrig zu wechseln wirklich die ganze Achse runter??
könnte jemand noch mal genau beschreiben, wie man das jetzt macht???
Danke uns gruß an alle unimogler!!
Gruß
Philipp
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 21.07.2003, 21:38
von Alo
Hallo an alle!!
Also, ich habe ein Werkstatthandbuch.
Steht zumindest drauf.
Ist grün und für alle unimog von 25 bis 32 PS.
Müsste also doch eigentlich auch auf meinen passen, oder??
@ Josh: Also, ich hab nochmal nachgeschaut:
Nach ungefair einer halben stunde Fahrt tropfen etwa 6 tropfen runter.
könnte man also als schwitzen bezeichnen, oder?
@Stefan: Ich wohne in Spanien. Deshalb ist das mit dem unimogregionalgruppen nicht ganz einfach.
Und hier gibt es nur wenige Werkstätten, die sich wirklich mit so alten unimogs auskennen!!
Wollte euch auch nochmal bitten, die ganze ktion etwas genauer zubeschreiben!!!
Gruß, und danke für die netten Antworten!!
Alo
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 22.07.2003, 12:24
von e.arens
Dieser Ölverlust ist definitiv kein Schwitzen mehr, ehe aber der Dichtring gewechselt wird ( geht bei eingebauter Achse, habe ich selbst vor einem halben Jahr gemacht ), würde ich erst mal die Einfüllschraube des Differentials öffnen und überschüssiges Öl ablaufen lassen. Der beschriebene Effekt kommt meist von Überfüllung der Vorderachse, das Öl stammt aus dem Getriebe und läuft über das Schubrohr in die VA. Wenn der Ölstand wieder stimmt, ist auch meist das Achsrohr wieder trocken. Zu dem Thema Ölverlust Getriebe gibt es bereits genug Info im Forum.
Gruss
e.a.
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 23.07.2003, 08:54
von JOSH_411
Hallo Alo,
ich stimme e.a. zu. Bei diesem Ölverlust solltest Du langsam an eine Reparatur denken. Auch eine eventuelle Ölstandskorrektur in der Vorderachse ist richtig. Prüfe das erst einmal. (Öleinfüllschraube am Differential öffnen und alles überflüssige Öl ablaufen lassen.) Falls mehr als ein Liter zuviel drin ist, solltest Du auch den Getriebeölstand prüfen, denn da kommt das Öl in der Regel her (Wellendichtring oder Filzdocht vom Getriebeabgang und Wellendichtring zwischen Schubrohr und Achsantrieb defekt). Dann wird die Sache etwas aufwändiger.
Aber dann tropft es in der Regel auch aus dem Gummibalg, der die Schubkugel am Getriebeabgang schützt.
Also erst mal Ölstand korrigieren und beobachten.
Fest steht aber, dass offensichtlich der Wellendichtring an der Doppelgelenkwelle defekt ist. Diese Reparatur habe ich vor ein paar Wochen an meinem 411 auch vorgenommen und kann Dir dazu ohne Gewähr berichten:
In deinem Werkstatthandbuch ist unter Kapitel 33-1 Vorderachse alte Ausführung unter 33-2/3, Ziffer 21, Bild V 3/6 gezeigt, wie das komplette Vorgelege abgeschraubt wird. Dazu musst Du die Bremsleitung mit lösen. Tipp: nimm auch die Bremstrommel ab (33-2, Ziff. 17), dann ist das schwere Vorgelege mit Doppelgelenkwelle besser zu händeln.
Nach Deiner Beschreibung \"von vorne rechts\" handelt es sich also um die Fahrerseite. Dann kommst Du zwar der Differentialsperre nicht ins Gehege, trotzdem solltest Du vor Beginn der Reparatur Allrad und Differentialsperre einschalten (Fahren, damit sie einrastet). Wichtig ist dies beim Herausziehen der rechten Doppelgelenkwelle (Beifahrerseite), da sonst die Schaltklaue der Differentialsperre ins Differentialgehäuse fällt.
Nach Lösen der acht Schrauben zwischen Achsschenkel und Vorgelege kannst Du das Vorgelege mit der Doppelgelenkwelle herausziehen.
Im Achsgehäuse sitzt dann der Wellendichtring, der durch eine verkörnte Blechscheibe geschützt wird. Beides herausnehmen und ersetzen (Ersatzteilnummer bei DB A404 332 01 59).
Beim Einsetzen den Wellendichtring einölen und vorsichtig und gleichmässig mit einem passenden Rohr eintreiben, damit er sich nicht verkantet und dabei direkt wieder beschädigt wird. Danach Blechring einsetzen und verkörnen.
Wenn allerdings die Welle im Bereich des Dichtringes stark eingelaufen (riefig) ist, muss sie abgedreht und ein Verschleißring aufgezogen werden, weil sonst die Dichtung nicht lange hält. Das solltest Du aber nicht selber machen, sondern durch DB oder eine Gelenkwellen-Fachwerkstatt machen lassen.
Danach Vorgelege mit Gelenkwelle wieder einstecken und verschrauben. Dichtflächen vorher säubern und im Bereich der ins Vorgelege gehenden Schrauben mit etwas Dichtmasse bestreichen.
Dann Bremsleitung anschließen und Bremssystem sorgfältig entlüften (Beschreibung im Werkstatthandbuch unter 42-4).
Jetzt sollte wieder alles dicht sein und funktionieren.
Viel Spass.
Gruß Josh
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 31.01.2004, 20:53
von hammer
Hi
zum zweitletzten Abschnitt von josh411 gtbt es noch eine kostengünstigere Alternative. Ueber die bestehenden Riefen können Wellenschutzhülsen aus CrNi-Stahl (ca.0,3mm) selbst aufgezogen werden. Diese sind nicht gratis, aber im Arbeitsablauf einfacher. Die Hülsen habe ich Deutschland auch schon gekauft bei der Fa. Busak+Shamban GmbH+Co, Stuttgart.
Grüsse aus der Schweiz
Guido
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 31.01.2004, 22:29
von heinz401
Halo Schrauber,
ich bin auch Opfer des unerschöpflichen Themas Simmerringe an Vorderachse geworden. Bei der Sanierung der Vorderachse eines 411b, Bj.1963 -allerdings neue Achse- war allerdings der achsrohrseitige metallbewerte Originalsimmerring nicht mehr bei DC zu bekommen.Stattdessen wurde ein Set bestehend aus aufzuschrumfendem Verschleißring und einem anderen Simmerring neuerer Bauartangeboten. Mit dem Aufschrumpfen des Ringes, Dicke ca. 2mm, habe ich so meine Probleme , weil noch nie gemacht.
Um so interessanter die Alternative mit den erwähnten Cr Ni- Ringen von 0,3mm Stärke.
Frage: Passen diese auf die Achswelle ohne die Stärke der Ringe zu berücksichtigen oder nüssen die Wellen um diese 0,3mm abgedreht werden?
Werden diese Ringe auch warm aufgeschrumft?
Was ist die Meinung der Experten über das Befestigen von Verschleißringen(schiebepassung) mit Metallkleber? Dann könnte man die Ringe aus CrNi Stahl vielleicht licht selbst drehen und die Montage wäre einfacher.
mfg
Heinz401
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 31.01.2004, 23:18
von T.Goldstrass
Hallo Heinz,
bei meiner Instandsetzung der vorderen Steckachsen habe ich die Verschleissringe von DC verwendet. Eigentlich ist die Handhabung einfach, die Ringe wurden auf einer Kochplatte auf ca. 80 Grad erwärmt und paßten einwandfrei. Du mußt nur aufpassen, wenn diese abgekühlt sind (und das geht sehr schnell) bewegst Du die keinen Millimeter mehr.
Viel Glück
Torsten
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 01.02.2004, 14:49
von hammer
Hi Heinz411
die Wellen müssen für das \"Ueberstülpen\" von Wellenschutzhülsen nur sauber gereinigt werden. Die Wellendichtringgrösse bleibt gleich, da die o.3mm keine Rolle spielen. Ob ich so dünne Buchsen drehen könnte bezweifle ich. Die Buchsen sind drallfrei geschliffen. Beim Kauf der Schutzhülsen wird gleich ein Aufziehwerkzeug mitgeliefert (Rohrstück). Ein zusätzlicher Kleber wird nicht benötigt. Von mir aus gesehen eine gute Alternative.
Grüsse aus der Schweiz
Guido
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 03.02.2004, 12:33
von Stefan_Boden
HAllo,
die Wellenschutzhülse ist eine prima Sache. Aber an der Gelenkwelle der Vorderachse muß man aufpassen. Der Wellendichtring und die Lagerung laufen auf dem selben Durchmesser. Die Gelenkwelle benötigt beim Lenken axial etwas Weg. Wenn die Hülse zu nah am Lager montiert ist, wird sie beim Einschlagen der Lenkung an die Buchse anschlagen und zerstört. Der Lagerring auf der Gelenkwelle der alten Achse kann ab 411 erneuert werden. Das würde ich der dünnen Hülse in diesem Fall vorziehen. Der Reparaturaufwand ist fast gleich.
Gruß Stefan
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 06.02.2004, 09:51
von Rübe
Hallo Schrauber,
ich habe auch einen 411er Bj. 61 mit der \"alten\" Achse.
Mein Problem ist ein ausgeschlagenes Kreuzgelenk an der rechten Seite. Ausgebaut ist alles (an die Diff.Sperre habe ich auch gedacht). Die Steckachse mit Kreuz habe ich jetzt erstmal zu GKN gebracht.
Kennt einer von Euch die ungefähren Rep.-Kosten, oder noch besser einen Rep.-Satz zum selber einbauen? Die linke Seite ist noch i.O, aber ich würde sie auch gleich mit machen wenn ich wüßte wo ich günstige Teile bekomme.
Vielen Dank für Eure Tips
Bernd
U34, MB-Trac 800, MB-Trac 1500
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 06.02.2004, 11:50
von Runimog
Hallo Alo
Schreib doch mal wo du in Spanien bist.
Wir Mogler sind alle ein wenig verückt und unsere Frauen müssen auch
viel Geduld mit uns haben. Was ich damit sagen will ist, vieleicht macht zufallig
im kommenden Sommer ein schraubender 411 Fahrer in Spanien Urlaub?
Und drei Wochen am Strand ohne 32er Ringschlüssel ist auch öde.
Ich weis daß unsere Frauen uns nur in den Urlaub drängen um vom Mog weg zu sein,
aber man muß es ja vorher nicht sagen was man da vor hat.
Gruß aus München
Rudi
Unimog 411: Problem mit der Vorderachse
Verfasst: 06.02.2004, 23:37
von Bernd-Thomes
Hallo,
für die Kreuzgelenkreparatur gibt es zwei Möglichkeiten. Solange die Buchsen nicht ausgeschlagen sind können hier einfach neue Nadeln + Dichtung neu hereingesteckt werden. Die Nadeln für alle Lager kosten ca. 20 (?) Euro und der Dichtring zu den einzelnen Gelenklagern ist auch nicht sooo teuer.
Ein neues Lager für ein Kreuzgelenk kostet ca. 24 bis 30 Euro, inklusive Buchse, Schraube und Dichtring und wird nur eingepresst. Aber da das richtige Lager zu finden ist schon schwierig.
Gruß
Bernd Thomes