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Herzlich willkommen auf der Unimog-Community-Website. Seit 1999 treffen sich hier die Mercedes-Benz Unimog- und MBtrac-Enthusiasten zum Meinungsaustausch und Fachsimpeln.

Hier werden Fragen zur Technik und zur Restauration des Unimog gestellt.

Moderator: stephan

#516874
Hallo in die Runde,
mein 5 - Stufenzylinder am 411er leckte. Meine Unimog GV hat das Teil (leider fehlt der Herstellerschild, verm. Weber Hydraulik, oder Hunger) ausgebaut. Nach der Reinigung waren viele Einschläge von äußerlichen Einflüssen an allen 5 Stufen ersichtlich.
Neuen Zylinder kaufen? Das kann wirklich nur allerallerallerletzte Weißheit sein...
Aus vielen leidvollen Erfahrungen mit Ford - Nachbauteilen, ist vorhersehbar, daß nur noch die Bezeichnung identisch ist.
Original Kühler = Nachbau Kühler (30kg sind aber nicht gleich 10 kg Trompetenblech. Viele weitere Beispiele auf Wunsch).
Deshalb - das Original nach Möglichkeit immer erhalten, auch wenns teuerer kommt, ganz am Ende aber preiswerter.

Aufchromen - aktuelle Lieferzeiten von 3-6 Monaten, Privateinmalaufträge wurden eh sofort abgelehnt, scheidet für mich also aus.

Was gibt es noch für Möglichkeiten ?
- Kunststoffbeschichtung für relativ seltenen Einsatz ausreichend - wer weiß etwas hierzu ?
- Hülsen mit Fertigmaß aufziehen / aufschrumpfen (zuvor natürlich abdrehen) ?
- Welche Wellen-Passung (Toleranzfeld) und Ra/Rz haben die Zylinderkolben fertig bearbeitet (feingeschliffen/Superfinished) ?
- Möglichkeit einer Untermaß-Bearbeitung und Untermaß-Dichtsatz ?
Ich bitte zu den rein technischen Fragen um rein TECHNISCH SACHDIENLICHE ANTWORTEN.

Danke vorab und Gruß Rainer
#516890
Hallo Rainer,

ob du einen neuen Hubzylinder für den U411 mit denselben Maßen einfach so bestellen kannst, würde ich noch bezweifeln.

Die Kolbenstangen, auch bei den Stufenzylindern sind ja in der Regel verchromt.
Eine interessante Idee zur kostengünstigen Reparatur mit Eigenmitteln ist diese hier:
http://www.deutzforum.de/index.php?atta ... ieren-pdf/
Eigene Erfahrungen vorweisen kann ich da jedoch nicht, für mich klingt es nach einem brauchbaren Ansatz, sofern kein täglicher Einsatz im professionellen Bereich gefordert ist.

mfG
Fabian
#516893
Servus Rainer,

ich hab meinen Kippzylinder zerlegt, Dichtringe gesäubert (alle wieder verbaut, da optisch gut) und
auch alle "Einschläge" mit nem Drehmel ausgefräßt, mit Flüssigmetall vergossen und verschliffen.
Einzig ein "Abstreifring" wurde an der der Drehbank neu hergestellt. Vorsicht nur mit den Sege/Sprengringen.
Hält seitdem(ca. 1 Jahr) dicht.
Als low budget Methode zu empfehlen.

Grüße
Dominik
#516895
Hallo Fabian,
vielen Dank für diese sehr interessannte Möglichkeit "Flüssigmetall".
Ich nehme es definitiv in die engere Vorauswahl der Reparaturmöglichkeiten.

Inzwischen habe ich auch das Netz etwas durchforstet:
Zylinderstangenreparaturen werden z.B.
- mit " Tampongalvanik " / " Elektrochemischer Metallauftrag " erfolgreich durchgeführt ( anscheinend bereits aktueller Stand der Technik wenn es diverse Firmen anbieten ).
- mit thermischen Spritzverfahren / Keramik Ceracoat Schichtdicken von 80 - 200 ym (d.h. Durchmesser zuvor entsprechend verringern, somit sind Schadstellen entfernt)
- die weltbekannte Firma Parker verwendet das " GlobalShild " - Verfahren ohne Einsatz von Chrom etc.,
- Pulverbeschichtung (Farbe) sei wohl auch ein Thema, muß ich aber noch weiterforschen.
- Flüssigmetall einsetzen wie von Florian beigetragen.
- Kunststoff-Folie überziehen muß ich noch verfolgen (wäre nach der Flüssigmetallmethode evtl. denkbar)
- Reparatur - Hülsen überziehen / aufschrumpfen (haben wir in der Maschinenfabrik bei defekten Laufbahnen an Großmaschinen schon vor 20 Jahren erfolgreich gemacht)

Falls ihr Erfahrungen mit den og. Themen habt, bitte posten.
Danke Rainer
#516902
Ja, Stefan, da hast du völlig recht. Der zylinder ist vierstufig und es gab 3 Hersteller:

000 553 19 05 Fa. Hunger bis FGMN 37808
wahlweise ab FGN 037809
000 553 01 05 Fa. Heber
000 553 22 05 Fa. Weber

wobei Heber 42mm, 55mm, 70mm,90mm
und Weber 40mm, 57mm 75mm,92mm Kolbendurchmesser hat.

SA 35 179.

Gruß
Markus
#516917
Liebe Unimog-Freunde,
ob du einen neuen Hubzylinder für den U411 mit denselben Maßen einfach so bestellen kannst, würde ich noch bezweifeln.
Mehrere 411 und 421 habe ich schon mit einem Zylinder mit Kardanring von HP Holster ausgerüstet.

http://www.hp-holster.de/index.php?id=24

In Anbetracht der Tatsache, dass alleine die Dichtsätze schon fast 200 € kosten, finde ich den Zylinder mit Kardanring für knapp 600 € recht preiswert.

Leider ist keine Drehverschraubung, sondern nur eine Winkelverschraubung dran. Aber die kann man ja noch nachrüsten, wie auf dem Foto zu sehen.
Dateianhänge:
P1210059_klein.jpg
P1210059_klein.jpg (76.39 KiB) 1799 mal betrachtet
#516930
Hallo, um zum Thema "Überholung Kippzylinder" zurückzukommen, bitte nur euere Erfahrungen mit den genannten Reparaturmethoden mitteilen.
Es kann doch wohl nicht sein, daß im Land des Maschinenbaus, der Heimat des Unimog, ein 5-Stufenzylinder von rund 25 kg weggeschmissen wird, um irgendein Teil von irgendwoher neu zu kaufen. Dann fahr ich lieber ohne Kipper rum.
Erfahrungen mit Ford Model A 1930 und Ford Capri 1970 habe ich genügend gesammelt und bezahlt.
Original reparieren oder bleiben lassen ist meine Devise.
Nenn-Außendurchmesser der 5 Stufen sind: 42 55 70 90 110 mm
Lt. Benteler für deren Kolbenstangen: f7-f8 oder h6 . Werde ich an meinen Stangen mal messen ob f oder h gefertigt wurden.
Ra wird bei Benteler mit max 0,2 ym angegeben (feingeschliffen oder superfinished etc. steht leider nicht dabei).
#516973
Hallo,
leider kapiere ich nicht welcher "Ton" ?
Ich eröffne ein richtig interessantes technisches Thema "Überholung" = Reparatur und frage wer es bereits gemacht hat bzw. etwas weiß.
Es kamen bereits sehr gute Vorschläge zusammen, bisher noch keiner der von jemand der selbst erfolgreich durchgeführt wurde.
Es braucht halt Zeit alle Fakten hierzu zusammenzutragen und auch draußen Leute / Firmen zu fragen. Am Montag habe ich zB ein Gespräch mit einem Servicefachmann bei Fa. Weber. Evtl. bauen die diese Zylinder sogar noch in Österreich, oder überholen Kundenzylinder, das versuche ich zu klären.
Was ist mit Mercedes Benz - Ersatzteile? Frage ich am Montag an.
Es kann doch nur in aller Interesse sein, solch wertvolle Teile instandsetzen zu lassen.
Wer im Maschinenbau tätig ist und sich die 5 Zylinderstangen, Gehäuse, Boden, Kardanring und Verschraubung, Dichtungen, div. Ringe anschaut weiß, daß dies eine umfangreiche Fertigung und hochwertiges Material benötigt. Warum denn das alles wegwerfen? Nach bestimmt 40 Jahren Einsatz zeigen nur 2 Teile stellenweise Pitting - alle anderen Schäden wurden von außen zugefügt. Das war noch Top Qualität m.M. nach.
Ich möchte wirklich niemand zu nahe treten wenn ich euch bitte das Thema einzuhalten. Falls dies unabsichtlich geschehen ist, sage ich hier Entschuldigung da es nicht absichtlich war.
Ich Bitte hier weiter freundlichst um eure geschätzten Beiträge. Eigene Nachforschungen werde ich berichten.
Danke
#516979
Servus,

ich denke so eine reperatur hat noch keiner hier durchgeführt weil es einfach nicht wirtschaftlich ist, wie optimog unser Hydraulikexperte schon gesagt hat der Dichtsatz alleine kostet schon 200€, wenn du dann noch die Reparatur mit Material und Arbeitsstunden dazuzählst wird’s heutzutage uninteressant. Hydraulikzylinder in dieser Größe gelten heute auch schon als Wegwerfartikel, niemand versucht die noch zu retten, weils eben nicht lohnt... finde ich by the way auch scheiße.
So zurück zum Thema, ich habe da noch ne Adresse wo du mal anfragen kannst:

RHV TECHNIK
Rybak + Hofmann rhv-Technik GmbH + Co. KG
Eisentalstr. 27
71332 Waiblingen

Ich warne dich aber lieber schonmal vor, für das Geld was du in eine Reperatur reinsteckst kriegst du 2 neue hochwertige Zylinder.

Grüße Tobi
#516980
Hallo Rainer
das Aufarbeiten ist sehr kostspielig. Zuerst entchromen, schleifen, aufchromen auf Übermaß und auf Maß schleifen.
Ich hatte im letzten Jahr ein Anfrage für zwei Walzen hartverchromen (kein Zierchrom), 100mm Durchmesser und 350mm länge, das Angebot lag bei ca 3500- 4000€, aber alles nur überschagsmäßig kalkuliert. Das hängt u.a. auch von der Schichtstärke ab, die später aufgechromt werden muss, um das Nennmaß zu erreichen.
Nur mal so als Anhaltspunkt.
Vor ca 15 Jahren habe ich die Kolbenstangen vom Heckkraftheber neu aufchromen lassen, Preis damals 250€ mit Vitamin B.
#516983
Hallo und vielen Dank für eure Nachrichten.
Das Aufchromen wird wohl aus Kostengründen / Lieferzeiten wohl ausscheiden, obwohl es das technisch optimalste wäre.
Das thermische Flammspritzen bei RHV wie von Tobi genannt, werde ich jedenfalls verfolgen und die Kosten klären.

Dünnwandige Rohre. Es gibt in Edelstahl (auch Alu und Titan) kleinste Wandstärken bis 0,5 / 1,0 mm bei Durchmessern bis 150 mm. Das würde bedeuten: abdrehen um die Wandstärke, die Schäden sind dadurch weggedreht, das Rohr warm aufziehen (Rundheit, Verzug), Schweißung gegen Verdrehen anbringen, auf das Maß des vorherigen Toleranzfelds drallfrei schleifen. Dichtungssatz erneuern. Kläre ich bei Fischer in Achern mal ab welche Durchmesser / Wandstärken möglich sind.

Gruß und Danke Rainer
#516984
Hallo Rainer,

aufgeschrumpfte Rohre/Hülsen sind hydraulisch nicht zuverlässig dicht zu bekommen. Man müsste zusätzlich eine Klebefuge vorsehen oder rundum am inneren Ende verschweißen.

Und die Wärmeausdehnungskoeffizienten des Zylinderrohres und der Hülse müssen annähernd gleich sein.

Abgesehen davon wird es ebenfalls sehr problematisch sein dünnwandige Rohre mit derartigen Abmessungen zu fügen. Aber wir sind gespannt was andere Fachleute dazu sagen werden.
#516987
Hallo Rainer,

wenn die Flächen dicht werden sollen, wird Flammspritzen ausscheiden. Da hier Materialpartikel aufgeschmolzen und mit hoher kinetischer Energie auf das Werkstück geschleudert werden. Während des Fluges bilden sich außen auf den keinen Materialtröpfchen schon Oxidschichten. Beim Aufschlagen zerplatzen die Materialpartikel wie gefüllte Pralinen und halten durch physikalische Mikroverklammerung fest.

Eine Möglichkeit ist das Aufspritzen selbstfließender Legierungen. Diese werden nach dem Aufspritzen kurz angeschmolzen und verlaufen auf dem Werkstück. Diese Schichten sind dann an der Oberfläche geschlossen. In wie weit selbstfließende Werkstoffe geeignet sind, muss man im Einzelfall klären.

Wenn von der "Dichtheit" oder "Undurchlässigkeit" der Schichten gesprochen wird, ist bei einem beschichteten Zylinder die radiale Richtung gemeint. Diese wird ab einer gewissen Schichtdicke erreicht, wenn die Poriösität nicht zu groß ist. Bei einem Teleskopzylinder benötigt man aber Dichtheit auf der Mantelfläche in axiale Richtung.

Hinzu kommt, dass aufgespritzte Flächen keine Stöße, Kantenpressung und Linienbelastungen mögen und dabei gerne abbplatzen.

Möglicherweise bietet sich Auftragsschweißen (Plattieren oder Panzern, je nach Werkstoff) an. Da werden aber die Kosten sicher über dem Widerbeschaffungswert liegen.

Was sich bei Massenfetigung rechnet, ist bei der Einzelanwendung leider meist absolut unwirtschaftlich. Auch wenn wir originale Teile erhalten wollen und bereit sind, etwas mehr auszugeben.

Gruß
Markus

P.S.: Noch eine Anmerkung zu den dünnwandigen Hülsen. Austenitische CrNi-Stähle haben aufgrund ihres kubisch-flächenzentrierten Gitters eine schlechtere Wärmeleitfähigkeit und eine größere Ausdehnung als kubisch-raumzentrierte Werkstoffe. Das kennt man u.a. vom Schweißen, weil hier größere Spaltbreiten bei austenitischen CrNi-Stählen eingehalten werden müssen. Dieser Effekt kann zum Reißen der Hülsen bei thernischer Belastung führen, wenn sie aufgeschrumpft sind. Daher ist es wichtig, wie Christoph schrieb, auf das Wärmeausdehnungsverhalten zu achten.
Seilwinde HPC HY5 FW

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