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Herzlich willkommen auf der Unimog-Community-Website. Seit 1999 treffen sich hier die Mercedes-Benz Unimog- und MBtrac-Enthusiasten zum Meinungsaustausch und Fachsimpeln.

Hier werden Fragen zur Technik und zur Restauration des Unimog gestellt.

Moderator: stephan

#548099
Hallo zusammen,
ich bin neu hier, und möchte mich erstmal vorstellen:
Mein Name ist Hans, habe eine große Freude am Unimog und bin nun seit 2 Wochen stolzer Besitzer eines U411 Westfalia, BJ. 69. Ich möchte den Mog eigentlich nur für Grüngutabfuhr, Baumaterialtransporte etc. gelegentlich, vorzugsweise am Wochenende nutzen. "Leider" wurde an meinem Mog aber nur eine Servolenkung verbaut, der Luftpresser hat keine Ölpumpe. Nun möchte ich jedoch einen Kipperzylindernachrüsten. Und dazu habe ich auch gleich eine Frage: Ist es denkbar/sinnvoll die Pumpe der Lenkhilfe/Servolenkung auch für den Kipperzylinder zu nutzen, so, dass ich keinen Luftpresser mit Ölpumpe suchen muss (was ja fast unmöglich und vor allem sehr teuer ist)? Sollte doch mit einem T-Stück eigentlich gehen, der Kipperzylinder wird ja üblicherweise nur im Stand betätgt.
Bin für Ratschläge sehr dankbar.
Viele Dank im Voraus,
Hans
#548115
Hallo Hans,

herzlich willkommen! Hier bis Du mit Deinen Fragen richtig.

Die Lenkhilfe-Pumpe kommt leider für andere Zwecke nicht in Betracht, hauptsächlich aus Sicherheitsgründen. Sie hat außerdem eine Strombegrenzung auf 12 l/min, unabhängig von der Drehzahl. Aber was noch ungünstiger ist, sie ist auf 70 bar im Druck begrenzt. Der Kipperzylinder benötigt aber bis zu 150 bar.

Es gibt mindestens drei Möglichkeiten in einem Kostenrahmen von etwa 1200 bis 3000 Euro:

1. Zylinder mit Kardan, Kombipresser, Steuerblock, Betätigungsmechanismus, Rohr- und Schlauchleitungen sowie Kleinteile nachrüsten wie original >>> teuer und Suche aufwändig, Westinghouse 1P41 in gutem Zustand kaum zu finden <<<

2. Wie 1. jedoch kein Kombipresser, sondern handelsübliche Pumpe mit individuellem Zahnriementrieb, muss konstruiert bzw. "gebastelt" werden >>> günstiger aber schwierig zu realisieren <<<

3. Zylinder mit Kardan, 12 VDC Kastenaggregat mit einfachwirkendem Ventil, Schlauch >>> preisgünstig und einfach zu realisieren, (Funk-)Fernsteuerung möglich <<<
#548122
Hallo Christoph,
vielen Dank für die schnelle und inhaltlich kompetente Antwort!

Ja, Option 1 ist wirklich sehr schwierig und vor allem sehr teuer, ich denke das größte Problem wird der Kombipresser sein

Option 2 könnte ich mir evtl. vorstellen, ist aber viel Bastelei. Habe auch schon überlegt den momentan nicht benötigten Luftpresser (ich habe keinen Anhänger mit Druckluftbremse) auszubauen und an dessen Stellen eine passende Pumpe mit Riemenantrieb zu installieren.

Option 3 klingt wirklich sehr interessant, ich kannte Kastenaggregate bislang nicht :-). Hättest du mir evtl. auch noch eine Empfehlung für einen passenden Typ? Gäbe es auch eine Möglichkeit, den Hochdruckanschluss des Kastenaggregats mit dem Steuerblock (den habe ich nämlich...) zu verbinden, so, dass die Steuerung dann über die Hebel an der Lenksäule erfolgen kann?

Vielen Dank nochmals und viele Grüße
Hans
#548131
Hallo Hans,

hast Du a) den Steuerblock lose liegen oder b) ist er samt Installation schon eingebaut?

Im Fall b) wäre ein Kombipresser eine gute Option, selbst wenn da keine sehr gute Pumpe dran ist. Die kann man später noch schnell tauschen, wenn eine bessere auftaucht. Für den Kipper genügen auch schlechtere Pumpen, da die erste Stufe des Telekopzylinders sehr groß ist (siehe Diagramm unten). Für Kraftheber wird hingegen die volle Leistung benötigt und entsprechend eine sehr gute Pumpe. Sonst macht er bei 150-200 kg schon schlapp.

Im Fall a) und wenn es nur um den Kipper geht, würde ich nur das Kastenaggregat unter der Pritsche im Leiterrahmen unterbringen. Ein Aggregat mit 2 kW und 6 Liter Behälter geht da ganz knapp - eventuell mit kleinen Änderungen - rein. Z. B. von Westhoff https://nfz-hydraulik.de/produkte/gleic ... aggregate/

Für das Kastenaggregat ist eine dicke Batterie zu empfehlen (120 Ah) und dicke Kabel, besonders das Massekabel. Sonst holt sich der E-Motor die Masse über die Armierung des Hydraulikschlauches, der dann abbrennt! Da sich der Rahmen verwindet, braucht es für das Kastenaggregat (im Foto ohne Deckel) auch eine Dreipunktlagerung.

Wenn Dich der Verlust der Originalität nicht stört, kannst Du gleich den Kompressor rausschmeißen - teuer verkaufen, wenn er noch gut ist - und auch einen elektrischen einbauen.
Dateianhänge:
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Zuletzt geändert von OPTI-MOG am 21.12.2020, 17:36, insgesamt 1-mal geändert.
#548162
Hallo,

das einfachste ist eine Handpumpe mit Tank (wie bei PKW Anhängern) und ein Kippzylinder. Habe das mehrfach schon so am Unimog gesehen. Die komplette Handhydraulik passt zwischen Batteriekasten und Kotflügel. Einziger Nachteil, man kann dann nicht zu der Seite kippen. Aber das kann man kompensieren, indem man das Fahrzeug umdreht.

Vorteil: einfacher Aufbau
Nachteil: Handpumpe , zwei Seiten kippbar

Gruß
Markus
#548169
Wenn du nur ab und an kippen möchtest, ist die Handpumpe völlig ausreichend, hatte ich auch einige Jahre am 411er Kipper, bis die Begehrlichkeiten größer wurden...
Dann gibt es auch noch die "Schmidt-Hydraulik", wo die Pumpe separat vom Luftpresser ist. Das entspricht dann in etwa der oben von Christoph gelisteten Version 2 nur dass du nicht selber konstruieren musst. Dabei sollten dann auch Standard-Pumpen passen, wenn die Baugröße und Drehrichtung stimmt.
#548177
Hallo Hans,

weil Stephan die Schmidt-Hydraulik anspricht, muss ich leider vor ihr warnen. Denn sie hat den entscheidenden Fehler, dass die Pumpe oberhalb des Füllstandes im Ölbehälter lag und die Saugleitung bei längerer Standzeit leerlaufen und die Pumpe danach nicht wieder ansaugen konnte. Dafür war die Bosch-Pumpe zwar speziell präpariert, jedoch war die Saugleitung zum unter der Pritsche liegenden Tank zu dünn und zu lang. Deshalb hat bis heute auch kaum eine solche Anlage überlebt.

Eine Zahnradpumpe benötigt - wie die meisten anderen Hydraulikpumpen auch - statisch einen positiven Zulaufdruck.

Handpumpe ist natürlich auch eine gute Idee. Übrigens muss der Behälter ein Nutzvolumen von mindestens 2,5 Liter haben.
Dateianhänge:
Kraft 411.jpg
Kraft 411.jpg (19.6 KiB) 3125 mal betrachtet
#548188
Hallo zusammen,
ich bin begeistert :-)
Vielen herzlichen Dank für die vielen Tips und die vor allem kompetente Auskunft! Und das nach gerade mal 24 Stunden...

Eine Handpumpe ist ebenfalls eine gute Idee, aber leider sind meine Begehrlichkeiten schon heute höher, da muss es schon etwas ohne manuellen Kraftaufwand sein...
Momentan tendiere ich zu dem Kastenaggregat, vielen Dank an Christoph für den link samt Spezifikation und natürlich die Bilder. Den Steuerblock habe ich noch nicht eingebaut, bin von daher also eher flexibel.
Viele Grüße
Hans
#549602
Hallo zusammen,
mittlerweile habe ich nun doch ein Austauschaggregat Kombipresser (mit Ölpumpe), einen Steuerblock und die Hebelage gefunden. Nun bin ich am Überlegen welche Hydraulikschläuche mit welchen Anschlüssen ich benötige. Ein weiteres Problem (oder Sonderfall) ist, dass ja schon eine Lenkhilfe eingebaut ist. Leider habe ich keinen Hydraulikplan für meinen Fall gefunden, soll heissen Lenkhilfe (mit eigener Ölpumpe) und Ölpumpe vom Kombipresser. Daher plane ich je ein T-Stück in die vorhandene Saug- und Rücklaufleitung zur Lenkhilfe einzubauen, und von dort zum Steuerblock abzuweigen.
Was haltet ihr davon, ist das zulässig? Muss/sollte ich da was anderes beachten?
Bitte um Hilfe, bin leider nicht sehr Hydraulikerfahren. Vielen Dank und viele Grüße
Hans
#549605
Hallo,

im WHB findet man das durchaus. Lenkhilfe mit original DB Hydraulik.

Die Rückführung erfolgt mit einem speziellen T Stück am Hydrauliksteuerblockrücklauf. Das wird aber schwer zu beschaffen zu sein. Also muss man auf Standard Teile zurückgreifen. Und die Entnahme ist beim Westfalia mit einem T-Stück unten und beim Cabrio aus dem Ablass des Tanks für die Lenkhilfe und seitlich für die Krafthydraulik.

Gruß
Markus
#549608
Hallo Hans,

die Rückläufe von Arbeits- und Lenkhydraulik müssen getrennt oder zusammengefasst in den Tank (über den eingebauten oder einen separaten Rücklauffilter) zurück.

Rückläufe dürfen niemals direkt in den Saugtrakt von Pumpen geführt werden. Erstens wegen der dann fehlenden Filterung und zweitens weil das Öl dann nicht genügend abkühlen kann.
#549656
Hallo,

ich, würde wenn ich die Druckluftanlage nicht brauchen würde definitiv zusehen, dass ich so viel wie möglich original bekomme, sprich Tank, Steuerschieber und sollte sich kein Kombipresser auffinden lassen würde kch zusehen, dass ich eine Zahnradpumpe an die Stelle setzen würde, die kosten doch keine 200€ neu mit Vorsatzlager, sodass direkt eien Riehmenscheibe drauf passt. Das hätte den Vorteil, man verbastelt sich nicht den ganzen Mog und kann dann auch ggf. noch für andere Verbraucher genutzt werden, HKH Holzspalter etc., das kommt eh bei den meisten mit der Zeit, der Wunsch nach mehr....

Gruß Florian
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