Hallo
Ich dachte immer, daß sich das Getriebe warm besser schalten läßt als kalt.
Warum ist das so?
Synchronisierte Getriebe benötigen auf den Reibwert der Synchroneinrichtung abgestimmte Aditive. Zum einen verändern sich die Eigenschaften dieser aditive im Laufe der Jahre und auch bei Temperaturzunahme, andererseits weiß man meistens nie welches Öl überhaupt eingefüllt wurde.
Die Buntmetalkorrosion ist nur ein Faktor von vielen, die bei der Ölfreigabe geprüft werden.
Weiterhin kommt hinzu, dass bei mehr oder weniger starkem Verschleiß der 'Sychronringe andere Bedingungen auftreten.
Ich habe schon so manches Getriebe in den Fingern gehabt, aber eine Ölempfehlung auf zuruf kann ich nicht machen. Andere haben da augenscheinlich schon reichlich Erfahrung.
Ich möchte meine Erfahrung an einem Vorfall kurz erläutern. Für unsere Fahrzeuge hatten wir einen von ARAl gelieferten Öltyp seit Jahren in Verwendung. Von ARAL wurde das Öl dann umgestellt. Diesen Ersatztyp hatten wir dann auch für den weiteren Service verwendet. Wir hatten dabei auch Fahrzeugen mit Selbstsperrdifferntial bei ansonsten gleichen Bauteilen, auch in Getriebe und Achsen. Nach dem Ölwechsel stellte sich heraus, dass nach kurzer Zeit das Sperrdifferntial schon bei geringster Kurvenfahrt sofort sperrte. Nach Rücksprache mit ARAL und unserem Mutterwerk stellte sich heraus, dass es für den ausgelaufenen Öltyp drei Ersatztypen gab, je nach Verwendungszweck. Der Wechsel auf den anderen Kennbuchstaben stelle die ursprüngliche Funktion wieder her. Alle drei Öle waren als Getriebeöl GL4 deklariert, nur die Aditive zur Reibwerteinstellung waren unterschiedlich.
Welche Auswirkung die unterschiedlichen Aditivierungen der verschiedenen Hersteller auf die Synchronkörper in unseren Getrieben hat, mag sich jeder selber ausmalen. Aus diesem Grunde beteilige ich mich nicht an dem Öl-Roulette.
Allerdings hatte ich auch an meinem 406 den Fall, dass das Getreibe nach mehrstündiger Autobahnfahrt schwer schaltbar war. Dieses Problem kennen auch die 404-Profis. Deshalb hat unser Kollege Torsten Pohl schon im letzten Jahrtausen eine Ölkühler entworfen, der dann vor über zehn Jahren auch
hier im Forum realisiert wurde. Nach dem Einbau dieses Kühlers war auch bei mir Ruhe. Franz Murr, ein ausgewieserner Langstreckenfahrer mit aufgeblasenen 404 und 416 hat ebenfalls einen Ölkühler entwickelt, der das Problem zufriedenstellend beseitigte. Weiterhin hat auch unser
Kollege Justus eine ähnliche Variante hersgestellt, die ebenfalls einwandfrei funktioniert.
Daimler selbst hatte ebenfalls beim MB-trac eine vergrößerten Ölwanne mit Kühlrippen verbaut, auch dort war dann Ruhe. Es gab werkseitig auch die Variante mit Vorschaltgetriebeölpumpe und am Kühlergrill angebauten Ölkühler, sowohl beim 417 wie auch am 418.
Fazit, die ganze Öl-rumprobiererei zeugt von wenig Sachverstand in dieser Materie und ist in meinen Augen das falsche Unterfangen, die Ursache ist die Temperatur und nicht das Öl.
Alles das haben wir schon vor Jahren hier im Forum durchexerziert,
Qualität vs Quantität.
