- 03.02.2015, 23:26
#463112
Hallo Patrick,
Diese Frage hatte ich mir bei meinem 411.119 Baujahr 65 auch schon gestellt, da ich im Internet und in der Literatur beide Varianten gesehen habe. Ich habe bei mir die Schiebestücke jeweils an der Seite des Zapfwellenlagerbocks, weil die Gelenkwelle auch vor der Restauration so angebracht war. So viel Dreck wie da überall drauf war sah das auch so aus, als wenn diese auch noch nie auseinander gewesen wäre und das der Originalzustand ist. Außerdem habe ich noch einen separaten Zapfwellenlagerbock, an dem noch das Kreuzgelenk mit Schiebestück dran ist. Da war die Anordnung also früher auch mal so.
Was ich aber für viel wichtiger halte ist, dass die Pfeile auf Schiebestück und Welle aufeinander stehen.
Vielleicht ist es schon mal jemandem aufgefallen: Normalerweise sollten bei einer Doppelgelenkwelle die Gabelköpfe der Welle immer in einer Ebene liegen, damit sich der sogenannte Kardanfehler wieder ausgleicht. Dieser entsteht wenn die Rotationsachsen von Antriebswelle und Abtriebswelle bei EINEM Kreuzgelenk nicht parallel verlaufen, also wenn die Welle mit einem Kreuzgelenk geknickt wird. Wenn der Antrieb dann eine gleichförmige Rotation ist, dann eilt der Abtrieb bei einer Umdrehung abwechselnd 2 mal vor und 2 mal nach. Das nennt man dann den Kardanfehler und dieser Effekt ruft einen erhöhten Verschleiß hervor. Je größer der Winkel desto größer auch der Kardanfehler. Bei einer Doppelgelenkwelle mit ZWEI Kreuzgelenken gleicht sich dieser Kardanfehler genau dann wieder aus, wenn die Winkel der beiden Kreuzgelenke genau gleich und genau gegenüber sind, also wenn Antriebsachse und Abtriebsachse parallel sind und wenn die Gabelköpfe der Welle zwischen den Kreuzgelenken genau in einer Ebene liegen. In diesem Fall ist der Abtrieb genau gleich dem Antrieb und es tritt am Abtrieb kein Kardanfehler auf.
Bei sämtlichen Doppelgelenkwellen, die ich bereits gesehen habe ist dies auch so, dass die Gabelköpfe in einer Ebene liegen, um den Kardanfehler auszugleichen, was ja auch sinnvoll ist.
Außer beim Unimog, hier ist es genau anders. Die Gabelköpfe liegen, wenn die beiden Pfeile aufeinander liegen, nicht in einer Ebene, sondern sind um ca. 45° verdreht. Das ist zumindest bei sämtlichen Unimog Zapfwellen so, bei denen ich darauf geachtet habe, seitdem ich dies bei mir festgestellt habe.
Leider hat sich mir noch nicht erschlossen warum das so ist, aber es muss einen Grund haben, dass die Ingenieure damals die Zapfwelle an einem so durchdachten Gerät in dieser Form angeordnet haben. Sicherlich ist der Winkel der Zapfwelle nur sehr gering, weswegen der Kardanfehler wahrscheinlich verschwindend gering ist, trotzdem tritt er aber auf, obwohl er durch eine andere Anordnung hätte vermieden werden können.
Mich würde deswegen mal brennend interessieren warum man das so gemacht hat. Vielleicht weiß das hier ja jemand.
Bilder kann ich erst am Wochenende machen, da ich die Woche über nicht Zuhause bin, aber Du sollst sie noch bekommen.
Gruß Max