411: springt schlecht an

Hier werden Fragen zur Technik und zur Restauration des Unimog gestellt.

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411: springt schlecht an

Beitragvon stephan » 12.02.2019, 09:06

Hallo Leute,

ich brauche mal eure Hilfe bei der Fehlereingrenzung. Der Motor von meinem 411 springt schlecht an, wenn er kalt ist. Es scheint, dass er nur auf 3 Zylindern kommt, nach ca 10-20 sek läuft er dann normal. Bis dahin wirft er weissgrauen Rauch aus dem Auspuff, stinkt auch nach unverbranntem Diesel.

Die Glühanlage ist überprüft, alle Glühkerzen (Stiftglühkerzen) werden gleichmäßig rot. Kopfdichtung ist neu. (sprang aber vor dem Dichtungswechsel genau so schlecht an).
Alle Zylinder haben zwischen 22 und 24 bar, der Motor hat ca 600h auf der Uhr.
Einspritzleitungen sind dicht, zumindest suppt da nirgendwo was raus.
Dieselfilter sind neu.

Wenn der 411 dann läuft, ist alles OK. Auch wenn der Motor warm ist, sprint er ohne vorglühen super an.
Wo muss ich jetzt weiter suchen? :roll:
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 12.02.2019, 09:30

Hallo Stephan,

der Rauch, wenn es kalt ist, ist eher dem geschuldet, dass vernebelter Kraftstoff auf dem kalten Kolbenboden kondensiert. Das legt sich aber nach wenigen Betriebsminuten.

Hast du mal die Düsen auf einen andern Zylinder getauscht, um zu sehen ob der Fehler mitwandert. Könnte eine schwergängige Düse sein, die nach längerer Standzeit etwas hängt, was sich gibt, wenn ausreichend Lecköl vorbeigeflossen ist.

Gruß
Markus
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon tommya8 » 12.02.2019, 10:34

Hallo Stephan,
es könnte auch sein dass eine Dieselleitung nicht 100% dicht ist und Luft ins System kommt.
Teste mal ob sich das Anspringverhalten ändert wenn du vorher mit der handpumpe (an der Einspritzpumpe) pumpst.

Grüße
Thomas
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon ret » 12.02.2019, 13:37

Einspritzleitungen sind dicht, zumindest suppt da nirgendwo was raus.


Moin Stephan,

es kann auch sein, dass eine Düse nicht mehr ganz dicht ist.

Die Düse tropft nach dem Abstellen und der Vordruck in der Einspritzleitung ist weg.

Dann braucht es ein paar sek. bis Sie wieder richtig einspritzt.
Liebe Grüße,

Reiner (jetzt mit Edelmog)

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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 12.02.2019, 13:46

Reiner,

wenn die Düse tropft, dann wäre doch während des Betriebs auch mit verstärkter Rußbildung zu rechnen, oder?

Gruß
Markus
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon stephan » 12.02.2019, 15:18

:roll:
fehlender Vordruck in der Einspritzleitung würd ich jetzt mal für unwarscheinlich halten. Wenn ich den Anlasser ohne Glühkerzen drehen lasse, nebelt es sofort aus allen Kerzenlöchern raus (beim Kompressionsmessen getestet).
daher halte ich auch Vorpumpen für wenig hilfreich, probiere ich aber am Freitag aus, wenn ich wieder Zeit zum schrauben habe.

@Markus: ich habe noch nicht rausgefunden, welcher Zylinder die Probleme macht. Ist ja nach 20 sek immer vorbei. Geht das irgendwie einfach oder nur mit Krümmer abschrauben und sehen, wo der Qualm herkommt? (Dann muss ich erst Gehörschutz in der Nachbarschaft verteilen.....)

by the way: hat jemand eine Quelle für ein brauchbares Düsenprüfgerät für "ne schmale Mark"? Klar kann ich auch zum Boschdienst gehen, aber selber prüfen macht halt schlau.

Was mir gerade noch einfällt: evtl mal Ventielspiel verringern, vielleicht runter bis 0.1mm? Nicht das da ein Zylinder zu wenig Luft bekommt weil das Einlassventil zu spät/zu wenig auf macht?
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 12.02.2019, 15:32

Stephan,

ich habe mir ein chinesisches Düsenprüfgerät gekauft. Das habe ich zerlegt und festgestellt, dass es baugleich mit dem von Bosch ist. Das Düsenelement soll sogar Bosch sein. Kostet unter 100 Euro.

Gruß
Markus

P.S.: den Rest habe ich selber gebaut (Glas mit Halter)
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Einspritzduese 001 (Klein).jpeg
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon ret » 12.02.2019, 17:07

Moin Markus,

es kommt drauf an, wer zuerst da ist, der Tropfen, oder der Strahl! :)

@Stephan

Wenn ich den Anlasser ohne Glühkerzen drehen lasse, nebelt es sofort aus allen Kerzenlöchern raus


...das kann auch der Sprit sein, der vorher reingetröpfelt war.

Fang mal mit der Prüfung der Düsen an!

und:

solang man den Fehler nicht gefunden hat, sollte man NIX ausschließen.

Viel Erfolg!!!
Liebe Grüße,

Reiner (jetzt mit Edelmog)

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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon stephan » 12.02.2019, 20:16

@Markus:
Da hast Du mehr Glück gehabt wie ich. Ich habe auch so ein Chinadings bestellt, sah genauso aus wie deins.
Vorsichtshalber mal das Handrad ganz rausgeschraubt und... Katastrophe! Rostpartikel und Bohrspäne im inneren, die Dichtringe von dem Bolzen total zerfetzt, reklamiert, neu geliefert bekommen, gleiches Bild, Rückabgewickelt.

@Rainer: nichts ausgeschlossen sondern lediglich als unwarscheinlich eingestuft. 8)
Next step: Düsenprüfgerät beschaffen und Düsen prüfen, parallel mit Vorpumpen versuchen.
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 12.02.2019, 20:32

Hallo Stephan,

ja, die Dichtringe passten nicht gut und sahen übel aus. Ich hatte ein kaputtes Gefäß, das habe ich durch einen alten Spritz-Becher ersetzt. Nach Minderung hat das Teil noch 35 Euro gekostet, das war das Pumpenelement wert. Und das Manometer ist sogar recht genau.

Man muss auch mal Glück haben. Ich wollte mit dem Ding nur lernen, dass es zuverlässig funktioniert, um so besser.

Gruß
Markus
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon kinzigsegler » 12.02.2019, 22:03

Hallo Stephan

solang man den Fehler nicht gefunden hat, sollte man NIX ausschließen.

Die Aussage von Reiner finde ich ja mal richtig gut :D

Deswegen würde ich auch ganz vorne Anfangen.
Wir wissen aus Deinen Aussagen, dass das Prioblem nur in den ersten paar Sekunden bei kalten Motor vorhanden ist, also unmittelbar nach der Vorglühphase.
Wir wissen, die Stiftglhkerzen sind im Prinzip in Ordnung, ich denke Du hast sie außerhalb vom Motor getestet. Stellt sich mir die Frage, glühen sie auch im eingebauten Zustand richtig? Spannung und Strom können hier Aufschluss geben.

Meine Stabglühkerzen im 411 waren Nachglühfähig, d.h. nach dem Motorstart wurden die Glühkerzen noch weiter bestromt was gleich zu einem besseren Laufverhalten des Motors geführt hat. Können Deine Kerzen nachglühen? Benutzt Du die Funktion? Falls nicht könntest Du dies mit wenig Aufwand bewerkstelligen und testen ob sich dadurch etwas verbessert bevor Du den halben Motor aus ein ander reißt.
Bis dene
Gruss
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon stephan » 13.02.2019, 07:57

Die Stiftkerzen sind ohne Steuergerät verbaut. lediglich Anlassschalter, "Salzstreuer", 9,5V Stiftkerzen parallel, 6qmm Leitungen. manuelles Nachglühen bringt keinen spürbaren Effekt.
Ja, die Kerzen sind ausserhalb des Motors getestet, aber mit der Original-Verkabelung und Massekontakt am Zylinderkopf. Spannung könnte ich mal messen, für Gleichstrom jenseits 15 A fehlt mir aber das Equipment.
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 13.02.2019, 10:33

Die Stiftkerzen glühen auch ohne Relais nach, bis sie auf Betriebstemperatur im Zylinder gehalten werden. Ich habe das System identisch montiert seit über einer Dekade ohne Probleme.

Markus
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon kinzigsegler » 13.02.2019, 14:01

Hallo Markus,

Die Stiftkerzen glühen auch ohne Relais nach, bis sie auf Betriebstemperatur im Zylinder gehalten werden


Das interessiert mich technisch, wo bekommen die Stiftkerzen den in diesem Fall die (Elektrische-)Energie für das nachglühen her?

Hallo Stephan,

die Spannung alleine kann ein Indiz sein ist aber für eine auf alle vier Kerzen bezogene Aussage alleine nicht ausreichend. Hier wäre wirklich eine Spannungs und Strommessung nötig. Für die Strommessung im höheren Strombereich wäre ein Zangenmultimeter geeignet, welches auch bei anderen Problemen im Kupferbaum helfen kann.
Bis dene
Gruss
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Re: 411: springt schlecht an

Beitragvon mhame » 13.02.2019, 14:13

Hallo Jürgen,

ab ca. 700°C setzt das rot-Glühen ein. Die Kerzen werden bis zu 1300°C heiß. Also glühen sie nach, bis 700°C unterschritten werden.

Gruß
Markus
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