Im Unimog-Ratgeber geblättert: Geschichte zum Schmunzeln aus 1961

Im Unimog-Ratgeber Nummer 4 aus dem Jahr 1961 steht die folgende Geschichte, die hoffentlich auch weitere Leser zum Schmunzeln bringt:

Platz da, der Mayer kommt!
Es war noch zu Boehringers Zeiten und die Geschichte hat den
Vorzug, wahr zu sein. Nur hieß der Mann nicht Mayer. Seinen
rechten Namen wollen wir taktvoll verschweigen, denn er ist
noch heute treuer Kunde.
Er hatte den Unimog gekauft und holte ihn am vereinbarten Tag
ab. Das Geschäftliche war schnell erledigt. Aber dann stellte
sich heraus, dass unser Freund zwar den Führerschein, aber keine
Ahnung vom Fahren hatte. Was blieb also, als eine Fahrschule
auf dem Fabrikhof zu improvisieren. Kupplung, Bremse – ja.
Gaspedal – nein, das sei wohl nicht drin, das spüre er nicht.
Schließlich hat er es geglaubt.
Nur das Schalten! Das wollte und wollte nicht klappen . Aber
die Zeit und der Mayer drängten. Auf eigene Verantwortung
wolle er starten, er müsse heim und melken. So wurde ihm
schließlich der 4. Gang eingelegt. Kaum war der Amateur-Fahrlehrer
abgesprungen, als unser Mann schon zum Tor hinaussauste.
Er muß gut heimgekommen sein , denn noch heute ist er
– wie gesagt – Unimog-Kunde.
So weit, so gut, das alles wäre nicht der Erwähnung wert. Aber:
„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen «, weiß
der Volksmund zu sagen. Hören Sie, was der Mayer noch von
seiner Reise zu erzählen hatte.
Um mit dem einmal laufenden Unimog keinem Hüter der Ordnung
in die Hände zu geraten, auch wohl, um Kreuzungen und
anderen Verkehrsteilnehmern aus dem Wege zu gehen, hat er
schleunigst die große Straße verlassen und sich seitlich in die
Büsche geschlagen. Auf abseitigen Feldwegen strebte er mit
dem brav brummenden neuen Unimog heimatlichen Gefilden
zu. Unentwegt rollte er durch Felder, Wiesen und Wälder. So
kam er auch auf einen Dammweg durch das Ried. Rechts und
links Sumpf und Wasserlachen, bot die Deichkrone gerade einer
Fahrzeugspur Platz. Sicher steuerte Mayer den Unimog, der
gehorsam seine Bahn zog.
Da – hinter einer Wegkrümmung kam ein anderes Fahrzeug vorgeprescht.
Im Nu war man aufeinander zugefahren.

Die vier Amis im Jeep, die wohl unter Fasanen und Wildenten ein wenig
nach dem rechten hatten sehen wollen, stoppten. Nicht aber
der Unimog. Der fuhr im 4. Gang schnurstracks auf den Jeep
zu. In letzter Sekunde erkannte dessen Fahrer die Gefahr und
wich aus. Unser Freund sah nur noch, wie die vier Burschen mit
ihren Flinten kopfüber ins Schilf purzelten, dann mußte er sich
wieder seinem Unimog widmen und kam tatsächlich wohlbehalten
und unbehelligt heim.
Aber noch immer hatte unser beherzter Mann nicht alle Nöte
überwunden. Wer nämlich nicht schalten kann, kann auch nicht
halten. Gott sei Dank aber haben die Bauernhöfe im Württembergischen
kein Hoftor, so daß er am Ziel seiner Fahrt ohne
Aufenthalt auf den Hof gelangen konnte. Dort hoffte nun Mayer
irgendwie auf Hilfe. Zunächst einmal kurvte er um „die
Mischte“, die berühmte württembergische Dunglege, herum.
Aber der Unimog lief. Er hätte wohl Stunden den Mist umkreist,
ein früher Sputnik, wäre nicht sein braves Eheweib gewesen.
Vom Fenster aus das Karussell bänglich verfolgend, kam ihr die
rettende Idee: der Mist! Auch Mayer war es längst zu dumm geworden.
Spornstreichs folgte er drum dem Zuruf und steuerte
geradewegs in den Miststapel – bums! Da stand er.
Heute fährt und hält er übrigens nicht mehr auf diese Weise.

 

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