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  • 75 Jahre Unimog: Einer Legende auf der Spur

    Darstellung des späteren Unimog aus der Dokumentation vom 13. März 1946 zur Vorlage bei der amerikanischen Militärbehörde

    Einer Legende auf der Spur

    Vor 75 Jahren entstand der Unimog

    In diesem Jahr kann „75 Jahre Unimog“ gefeiert werden, denn am 9. Oktober 1946 fand die erste Probefahrt dieses Alleskönners im Raum Schwäbisch Gmünd statt. Zu diesem Jubiläum veranstaltete Mercedes-Benz am 4. September einen eindrucksvollen Korso mit 75 Unimog der verschiedensten Baumuster vom heutigen Montagewerk Wörth ins Unimog-Museum Gaggenau. Am 9. September wurde in Schwäbisch Gmünd eine Gedenktafel am DRK-Gebäude angebracht, die an dieses besondere Ereignis erinnert.

    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte der Leiter der Flugmotorenentwicklung von Daimler-Benz, Albert Friedrich, erste Ideen für ein besonderes motorgetriebenes Gerät für die Landwirtschaft. Ihm war klar geworden, dass sein Arbeitgeber nach einem verlorenen Krieg keine Flugmotoren mehr bauen wird.

    Nach Kriegsende beauftragte ihn sein Chef, der damalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG Dr. Wilhelm Haspel, mit einer Gruppe ehemaliger Mitarbeiter diese Ideen zu konkretisieren. Start gestaltete sich schwierig, denn die ehemaligen Flugmotorenentwickler betraten Neuland. Daher verstärkten sie ihr Team durch den Diplom-Landwirt Erich Grass.

     

    Vorstandsvorlage für den Bau eines „Motorgetriebenen Universalgeräts für die Landwirtschaft“
    Archiv Daimler AG

    Anfang September 1945 stellte Albert Friedrich dem Daimler-Benz-Vorstand anhand einer Zeichnung und eines Holzmodells den Stand der Entwicklung vor. Doch dieser entschied, das Projekt nicht weiter zu verfolgen, denn alle Energie müsse in den Wiederaufbau der Personenwagen-Produktion fließen.

    Albert Friedrich, hatte parallel mit Eduard Köhler, dem Mitinhaber der Metallwarenfabrik Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd, Sondierungsgespräche geführt – und ihn dabei auch gebeten, nach kapitalkräftigen Interessenten Ausschau zu halten.

    Auch mit Unterstützung von Köhler beantragte Friedrich bei der amerikanischen Militärbehörde die Genehmigung zum Bau von zehn Prototypen des „Motorgetriebenen Universalgeräts für die Landwirtschaft“. Diese wurde mit Datum vom 19. und 20. November 1945 erteilt.

    Eduard Köhler gelang es, Geldgeber für das Projekt zu finden, und daraufhin stellte er ab Dezember 1945 in seinem Werk einer kleinen Entwicklungsgruppe Räume zur Verfügung.

    Schicksalhafte Begegnung

    Aber dann sollte alles ganz anders kommen, denn bei einem Besuch im Werk Untertürkheim hatte Albert Friedrich im Herbst 1945 seinen ehemaligen Mitarbeiter Heinrich Rößler getroffen und ihm seine Pläne vorgetragen. Albert Friedrich gelang es im Dezember, Heinrich Rößler für eine Mitarbeit ab dem Folgemonat zu gewinnen. Ein wahrer Glücksfall!

    Ab Januar 1946 wurden die bisherigen Pläne der Arbeitsgruppe ad acta gelegt und Heinrich Rößler erarbeitete bis Monatsende einen Gesamtentwurf für ein völlig neuartiges Fahrzeug, den späteren Unimog. Für dieses musste mit Datum vom 13. März 1946 nochmals eine Produktionsgenehmigung bei der amerikanischen Militärbehörde eingeholt werden.

    Boehringer steigt in das Projekt ein

    Nachdem einer der Geldgeber das zugesagte Kapital nur teilweise beisteuern konnte, wurden bereits im Mai 1946 Gespräche mit der Maschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen aufgenommen, um sie als Mitgesellschafter einer noch zu gründenden Entwicklungsgesellschaft zu gewinnen. Boehringer sicherte sich damit das Recht der späteren Serienfertigung. Entscheidend für den Markterfolg war dann sicherlich auch, dass Daimler-Benz die Lieferung von 600 Dieselmotoren des Typs OM 636 zusagte.

    Erste Probefahrt des Unimog – noch ohne Fahrerhaus – am 9. Oktober 1946 mit Chefkonstrukteur Heinrich Rößler am Steuer und Konstrukteur Hans Zabel

    Es war dann eine besondere Leistung, dass am 9. Oktober 1946 der Chefkonstrukteur Heinrich Rößler die erste Probefahrt mit dem Prototyp 1 unternehmen konnte, der noch im Dezember schließlich auch sein Fahrerhaus erhielt.

    Der Unimog war Star der DLG-Messe 1948

    Der Unimog war 1948 der Star auf der Messe der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt am Main. Ab Februar 1949 wurden bei Boehringer die ersten von insgesamt 602 Unimog montiert.

    Nachdem die Gebrüder Boehringer wieder die Genehmigung erhielten, Werkzeugmaschinen bauen zu dürfen, wurde 1950 – nach einem weiteren Messeerfolg mit prall gefüllten Auftragsbüchern – nach einem neuen Produzenten für den Unimog gesucht, der schnell in der Daimler-Benz AG gefunden wurde. War sie doch bereits Motorenlieferant.

    Im Juni 1951 – also vor 70 Jahren – konnten die ersten im Werk Gaggenau montierten Unimog ausgeliefert werden. Über 300.000 weitere sollten folgen, bevor im Jahr 2002 nochmals ein Umzug in das Lastwagenwerk Wörth anstand.

    Die Verbundenheit vieler Gaggenauer und zahlreicher Fans mit dem Unimog wird eindrucksvoll dadurch deutlich, dass sie einen Verein gründeten und dieser 2006 ein Unimog-Museum in Gaggenau eröffnete. Der Zuspruch ist gewaltig, und so entsteht derzeit ein Erweiterungsbau zur Verdoppelung der Ausstellungsfläche.

    Michael Wessel

    Erstveröffentlichung im Magazin zur BAIERSBRONNCLASSIC vom 23. bis 26. September 2021 – Fotos: Daimler AG und Sammlung Wessel

    Unimog im Internet

    www.unimog-museum.de

    www.unimog-club-gaggenau.de

    www.mbs.mercedes-benz.com

    www.unimog-community.de

    Übersetzung durch DeepL:

    On the trail of a legend
    75 years ago, the Unimog was born

    This year we can celebrate “75 years of the Unimog”, because the first test drive of this all-rounder took place in the Schwäbisch Gmünd area on 9 October 1946. To mark this anniversary, Mercedes-Benz organised an impressive parade of 75 Unimogs of various models from today’s assembly plant in Wörth to the Unimog Museum in Gaggenau on 4 September. On 9 September, a commemorative plaque was affixed to the DRK building in Schwäbisch Gmünd to commemorate this special event (see separate article).
    Towards the end of the Second World War, the head of aircraft engine development at Daimler-Benz, Albert Friedrich, developed initial ideas for a special engine-powered device for agriculture. It had become clear to him that his employer would no longer build aircraft engines after a lost war.
    After the end of the war, his boss, the then Chairman of the Board of Daimler-Benz AG, Dr Wilhelm Haspel, commissioned him and a group of former employees to flesh out these ideas. The start proved difficult because the former aircraft engine developers were entering new territory. Therefore, they strengthened their team by adding Erich Grass, a graduate farmer.

    Board proposal for the construction of an “engine-powered universal device for agriculture”.

    At the beginning of September 1945, Albert Friedrich presented the state of development to the Daimler-Benz Board of Management with the aid of a drawing and a wooden model. But the board decided not to pursue the project any further, as all energy had to be channelled into rebuilding passenger car production.
    In parallel, Albert Friedrich had held exploratory talks with Eduard Köhler, the co-owner of the metal goods factory Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd – and asked him to keep an eye out for financially strong interested parties.
    Also with Köhler’s support, Friedrich applied to the American military authorities for permission to build ten prototypes of the “motor-driven universal device for agriculture”. This was granted on 19 and 20 November 1945.
    Eduard Köhler succeeded in finding backers for the project, and as a result he made rooms available in his factory for a small development group from December 1945.
    Fateful encounter
    But then everything was to turn out quite differently, because during a visit to the Untertürkheim plant in autumn 1945, Albert Friedrich met his former employee Heinrich Rößler and told him about his plans. In December, Albert Friedrich succeeded in convincing Heinrich Rößler to work for him from the following month. A real stroke of luck!
    From January 1946 onwards, the previous plans of the working group were shelved and Heinrich Rößler worked out an overall design for a completely new vehicle, the later Unimog, by the end of the month. On 13 March 1946, production approval had to be obtained from the American military authorities.
    Boehringer joins the project
    After one of the financial backers was only able to contribute part of the promised capital, talks were initiated with Maschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen as early as May 1946 in order to win them over as co-partners in a development company yet to be founded. Boehringer thus secured the right for later series production. The fact that Daimler-Benz agreed to supply 600 OM 636 diesel engines was certainly decisive for the market success.
    First test drive of the Unimog – still without a cab – on 9 October 1946 with chief designer Heinrich Rößler at the wheel and designer Hans Zabel.

    It was then a special achievement that on 9 October 1946, chief designer Heinrich Rößler was able to take the first test drive with prototype 1, which finally received its cab in December.
    In 1948, the Unimog was the star at the trade fair of the German Agricultural Society in Frankfurt am Main. From February 1949, the first of a total of 602 Unimogs were assembled at Boehringer.
    After the Boehringer brothers were again authorised to build machine tools, in 1950 – after another trade fair success with bulging order books – a new producer for the Unimog was sought, which was quickly found in Daimler-Benz AG. After all, it was already an engine supplier.
    In June 1951 – 70 years ago – the first Unimogs assembled at the Gaggenau plant were delivered. More than 300,000 more were to follow, before another move to the Wörth truck plant in 2002.
    The attachment of many Gaggenau residents and numerous fans to the Unimog is impressively demonstrated by the fact that they founded an association and this opened a Unimog museum in Gaggenau in 2006. The response has been tremendous, and an extension is currently being built to double the exhibition space.

    Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)

  • 75 Jahre Unimog: Festakt in Schwäbisch Gmünd zum Jubiläum der ersten Probefahrt

    Eine Gedenktafel am DRK-Gebäude in Schwäbisch Gmünd erinnert daran, das hier der Unimog entstand. Egon Spiller, OM Richard Arnold, Prof. Dr. Eduard Köhler, Peter Winkler und Roland Feix (von links)

     

    In Schwäbisch Gmünd fand  am 9. Oktober 2021 auf Initiative des früheren Prokuristen und Verkaufsleiters von Erhard & Söhne, Egon Spiller, und mit Unterstützung der dortigen Unimog-Freunde ein Festakt statt, der an die erste Probefahrt mit einem Unimog-Prototypen vor 75 Jahren erinnerte.

    Im Grußwort des Oberbürgermeisters Richard Arnold wurde seine besondere Wertschätzung des Unimog deutlich. Egon Spiller skizzierte die Geschichte von Erhard & Söhne. Er unterstrich die Bedeutung des früheren Mitinhabers und Geschäftsführers Eduard Köhler für die Entstehungsgeschichte des Unimog ebenso wie  sein Sohn Professor Dr. Eduard Köhler in seinen Grußworten. Grußworte überbrachte auch für den Unimog-Club Gaggenau deren Ehrenvorsitzender Michael Wessel und für den Verein Unimog-Museum Stefan Schwaab.

    Im Anschluss an den Festakt mit musikalischer Umrahmung der Swabian Brass Musiker wurde eine Gedenktafel am DRK-Gebäude enthüllt, die deutlich macht, dass die ersten Unimog-Prototypen in Schwäbisch Gmünd gebaut wurden. Damit begann die Erfolgsgeschichte des Unimog

    Fotos von Klaus Lukas und Michael Wessel:

    Eduard Spiller führte durch die Veranstaltung und skizzierte die Geschichte von Erhard & Söhne

    Grußworte des Unimog-Club Gaggenau überbrachte deren Ehrenvorsitzender Michael Wessel

    Stefan Schwaab überbrachte als Vorsitzender des Vereins Unimog-Museums Glückwünsche und informierte über die im Bau befindliche Erweiterung des Museums

    Unimog-Autor Ralf Maile stellte die bisher gebauten Unimog vor

    Peter Winkler, Regionalbeauftragte des UCG Göppingen, Stauferland, dankte Egon Spiller im Namen der Unimog-Freunde Schwäbisch Gmünd

    Unimog-Pionier Roland Feix, Jahrgang 1928, ließ es sich sehr zur Freude von Oberbürgermeister Richard Arnold nicht nehmen, auf den Nachbau des Unimog-Prototypen U 1 zu sitzen

    Das Programm des Festakts

    Die Gedenktafel am DRK-Gebäude in Schwäbisch Gmünd

    75 Jahre liegen zwischen dem Prototypen U 1 und diesem aktuellen Unimog. Egon Spiller nach einem gelungenen Festakt

    Video von Klaus Lukas zur Enthüllung der Gedenktafel: https://www.youtube.com/watch?v=gXLr8uuz94c

     

     

  • Unimog-Club Gaggenau: Abschied von Ehrenmitglied Karlhugo Schmidt

    Karlhugo Schmidt 2019 mit einem seiner vier Unimog, einem U 427

    Abschied von Ehrenmitglied Karlhugo Schmidt

    Zu den wenigen Mitgliedern des Unimog-Club Gaggenau, die bei der allerersten öffentlichen Vorstellung des Unimog auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft im Jahr 1948 mit dabei waren, gehörte unser Ehrenmitglied Karlhugo Schmidt. Er war von den Fähigkeiten des Unimog fasziniert – und diese Begeisterung sollte über 70 Jahre anhalten. In der letzten Zeit verbrachte er aufgrund einer äußerst schmerzhaften Erkrankung der Wirbelsäule immer wieder mehrere Monate im Krankenhaus. In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober ist er leider im Alter von 82Jahren gestorben.

    1955 hatte sein Vater endlich für die seit 1786 im Familienbesitz befindliche Mühle in Rehborn und auch für die eigene Landwirtschaft einen gebrauchten Unimog 2010 angeschafft. Dieser wurde schon drei Jahre später durch einen neuen Unimog 411 ersetzt.

    Auf den Unimog-Club Gaggenau wurde Karlhugo Schmidt bereits im August 1993 aufmerksam, denn da kam er mit den UCG-Vorstandsmitgliedern Heinz Schnepf, Michael Wessel und Edwin Westermann beim Jahrestreffen des Unimog Veteranen Club in Leverkusen in Kontakt. Er bedauerte es damals sehr, dass der Gaggenauer Club zu jenem Zeitpunkt nur Mitglieder aus der eigenen Region aufnahm. Als der Club diese Begrenzung kurz darauf aufgab, wurde er sofort Mitglied Nummer 153.

    Im November 1995 war dann die Mühle von Karlhugo Schmidt Ziel eines Ausflugs des Club-Vorstands. Dem folgte in der Mitgliederversammlung 1996 die Ernennung zum Regionalbeauftragten für die Region Glan-Nahe-Hunsrück. Diese Aufgabe übernahm er mit viel Leidenschaft und Herzblut. Unvergessen sind die familiären Treffen bei seiner Mühle und die zahlreichen Begegnungen mit ihm bei unterschiedlichsten Club-Veranstaltungen: Für den Unimog war ihm kein Weg zu weit. Zwischenzeitlich wuchs sein Unimog-Fuhrpark und umfasste vier Exemplare – den Unimog 411 aus 1958, einen 406 und einen 416 mit Doppelkabine sowie ein Unimog 427 – alle in der hellgrauen Hausfarbe der Mühle und mit dem Kennzeichen KH-SC. Dabei steht KH offiziell für Bad Kreuznach, aber für uns gleichzeitig auch für Karlhugo.

    Im Kreis der Regionalbeauftragten genoss Karlhugo Schmidt wegen seiner freundlichen und besonnenen Art besondere Wertschätzung. Sein Rat wurde stets geschätzt, sein Wort hatte immer Gewicht. Seine besondere Leistung für das Club-Leben wurde 2018 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied gewürdigt.

    Karlhugo Schmidt war mit Leib und Seele Müller und so bedauerte er es sehr, dass er keinen Nachfolger für seine Mühle fand. Fortbestehen wird die dortige Erzeugung von Strom mittels Wasserkraft der durch das Grundstück fließenden Glan.

    Wir werden unserem Club-Kameraden Karlhugo Schmidt stets ein ehrendes Andenken bewahren.

    Unimog-Club Gaggenau e. V.

    Rainer Hildebrandt                             Michael Wessel

    Vorsitzender                                        Ehrenvorsitzender

    Oktober 2021

     

    Beim Jahrestreffen 1993 des Unimog Veteranen Club in Leverkusenwurde Karlhugo Schmidt auf den Unimog-Club Gaggenau aufmerksam (von links: UCG-Vorstandmitglied Edwin Westermann, Hansgeorg Frank, Karlhugo Schmidt) – Fotos Michael Wessel

     

  • Mitgliederversammlung des Unimog-Club Gaggenau

    Klaus Lukas wurde in der Mitgliederversammlung des Unimog-Club Gaggenau zum 1. Stellvertreter des Club-Vorsitzenden gewählt.

    Veronika Gareus-Kugel schreibt im Badischen Tagblatt vom 5. Oktober 2021:

    Trotz Pandemie auf Wachstumskurs

    „Corona hat uns im vergangenen Jahr einen Strich durch unsere Pla­nungen gemacht.“ Eine Fest­stellung, die am Samstagnach­mittag der Vorsitzende des Unimog-Clubs Gaggenau, Rainer Hildebrandt, traf. Umso mehr freute sich dieser, dass trotz noch vorherrschender Corona-Pandemie so viele Mit­glieder den Weg ins Unimog- Museum zur Mitgliederversammlung gefunden haben.

    Die Aktivitäten des vergan­genen Jahres waren somit schnell resümiert. Fast alle Ver­anstaltungen fielen aus. Das Allermeiste passierte via Inter­net. Nach der Teilnahme an der Retro Classic im März 2020 war zunächst einmal Schluss. Das Vereinsleben kam zum Erliegen. Unter strengen Auflagen konnten nur die Feldtage in Nordhorn, das Treffen auf dem Speikboden in Südtirol und das Weltenbumm­ler-Treffen beim Museum durchgeführt werden. Dank der bereits vor Pande­miebeginn aufgebauten IT-Infrastruktur war es den Mitglie­dern möglich, untereinander Kontakt zu halten und sich auszutauschen.

    Wiederbelebung der Clubkultur

    „Auch wenn die Technik be­reits weit fortgeschritten ist, kann der Laptop ein physi­sches Treffen nicht ersetzen“, meinte Hildebrand dazu. Und schilderte weiter: „Erste Schrit­te der Normalisierung traten erst im Verlauf des Jahres 2021 ein.“ Hildebrandt nannte unter anderem die vom Unimog-Club intemational durch­geführten Treffen und die Jubi­läumsveranstaltung “75 Jahre Unimog”. Als gutes Zeichen der Wiederbelebung des Cluble­bens interpretiert der Vorsit­zende die steigende Anzahl an Berichten aus den Regionalgruppen im „Unimog-Heft’l“ . Au­ßerdem wies Hildebrandt dar­auf hin, dass die Sonderhefte „Boehringer“ und „Unimog 421“ neu aufgelegt wurden. Bereits in dritter Auflage erfolgt der Druck der Sonderausgabe “Unimog 406“. Ihrer Vollendung streben die Son­derhefte mit den Themen „Unimog 411 Elekt­rik“ und „Dieseli in der Schweiz“ entgegen.

    Der Clubanhänger erstrahlt in neuem Design. Die Jugend­arbeit soll weiter vorangetrie­ben werden. Ein Erfolgsmodell sind die Technik-Workshops, die in der Werkstatt des Unimog-Museums abgehalten werden.

    Maik Zissel (re.) vertritt zukünftig die Interessen der Regionalbeauftragten zusammen mit dem bisherigen Vertreter Richard Koch.

    Auch von steigenden Mit­gliederzahlen trotz Pandemie berichtete Hildebrandt. So konnte die Organisation bei­spielsweise die neue Regional­gruppe in Brasilien begrüßen. Der Nettozuwachs beträgt 364 Neumitglieder. Damit wächst die Anzahl der Clubmitglieder auf insgesamt 7.354 weltweit an.

    Die Einnahmen und Ausga­ben des Clubs erläuterte Kas­sierer Claudio Lazzarini. Ein Zahlenwerk, das eines Klein­betriebs würdig wäre. Die Richtigkeit der Zahlen bestätig­ten die scheidenden Kassenprüfer Edgar Rost und Paul Westermann.

    Die Aufgaben der Kassenprüfer übernehmen künftig Hubert Jehnes und Michel Dicke (von links).

    In großer Einmütigkeit er­folgten die Wahlen. Vorsitzen­der ist weiterhin Rainer Hilde­brandt, erster Stellvertreter ist neu Klaus Lukas und zweite Stellvertreterin ist Angelika Grieb-Erhardt. Um die Finanzen kümmert sich wie bisher Clau­dio Lazzarini. Jürgen Rüger wurde wiederum zum Schrift­führer gewählt. René Dussel­dorp, viele Jahre erster stellver­tretender Vorsitzender, trat nicht mehr zur Wahl an.

    Im kommenden Frühjahr sind die Club-Mitglieder erneut zu Vor­standswahlen aufgerufen. Als Grund nannte Hildebrandt die Rückkehr zu dem in den Ver­einsstatuten festgelegten Wahl­modus.

    Fotos: Michael Wessel

     

  • Um 1920: Traktoren in den Benzwerken Gaggenau – Urahnen des Unimog und MB-trac

    Vor 100 Jahren: Benz-Gaggenau auf der Automobilausstellung 1921

    Die Gaggenauer Benzwerke präsentieren ein breit gefächertes Programm mit einem Urahn des Unimog

    Von Michael Wessel

    Vom 7. bis 12. September präsentierte sich 2021 die Internationale Automobilausstellung (IAA) in München erstmals mit dem Namen IAA MOBILITY. Vor 100 Jahren, vom 23. September bis 2. Oktober 1921, war auf dem Berliner Messegelände die erste große Deutsche Automobilausstellung (DAA) nach dem Zweiten Weltkrieg mit Spannung erwartet worden, zeigten doch 67 Automobilhersteller ihre aktuellen 90 Personenwagen und 49 Lastwagen – allerdings nur aus inländischer Produktion. Mit dabei auch die Gaggenauer Benzwerke mit einer „Benz Gaggenau Parade“, wie eine Anzeige attraktiv zum Ausdruck brachte. Der Ansturm von 300.000 Besuchern war bei dieser Messe so groß, dass Hallen aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden mussten. Eine Parallele bezüglich des Publikumsinteresses ergab sich 1951, also 30 Jahre später, bei der ersten IAA nach dem Zweiten Weltkrieg.

     

    Stolz präsentiert Benz-Gaggenau sein attraktives Programm an Lastwagen, Omnibussen Traktoren und Sonderfahrzeugen auf der DAA 1921

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  • Unimog-Pionier Roland Feix fuhr wieder den Unimog-Prototypen U 5

    Roland Feix fährt mit Werkstattleiter Matthias Hummel über den Hof des Deutschen Landwirtschaftsmuseums Hohenheim                                                                                                                                 Fotos: Michael Wessel

    Unimog-Pionier Roland Feix fuhr wieder den Unimog-Prototypen U 5

    Für den 93jährigen Unimog-Pionier Roland Feix war es am 24. August 20021 schon ein ganz besonders emotionales Erlebnis, nach 71 Jahren mal wieder im Unimog-Prototyp Nummer 5 zu sitzen und zu fahren. Dies im Hof des Deutschen Landwirtschaftsmuseums Hohenheim (DLM). Dort steht seit 1963 dieser älteste fahrbereite Unimog der Welt. Seinerzeit war er auf Initiative der Werkzeugmaschinenfabrik Gebrüder Boehringer, in der die ersten 602 Unimog montiert wurden, in den Besitz des Instituts für Agrartechnik an der Universität Hohenheim gelangt. Seit 1977 steht dieser seltene Unimog im DLM.

    Äußerer Anlass für den Besuch im DLM waren für Roland Feix sowie Thilo und Michael Wessel das Jubiläum „75 Jahre Unimog“, denn am 9. Oktober 1946 fand die erste Probefahrt mit einem Unimog-Fahrgestell statt. Und das Ereignis wird am 4. und 5. September im und beim Unimog-Museum besonders gefeiert. Den Auftakt bildet dann am Samstag ein Korso mit 75 Unimog der verschiedensten Baumuster vom heutigen Unimog-Montagewerk in Wörth über den Rhein nach Gaggenau zum Unimog-Museum. Allen voran der Unimog-Prototyp Nummer 5.

    Etwa 50 Stunden hat Werkstattleiter Matthias Hummel in einen “großen Kundendienst” für den Unimog-Prototypen 5 investiert.

    Sicherlich ist es ein Glücksfall, dass im Juni 2021 nach drei Jahren Vakanz die Stelle des Werkstattleiters im DLM mit Matthias Hummel, Jahrgang 1968, besetzt wurde. Dessen große Leidenschaft sind seit 35 Jahren Nutzfahrzeuge und Motoren. Ganz besonders interessieren ihn dabei Traktoren von LANZ und Unimog. So fährt er seit 25 Jahren selbst einen Unimog 411. Natürlich hat er sich sehr gefreut, dass er den U 5 unter seine Fittiche bekam.

    Der Unimog-Prototyp 5 ist zwar fahrfähig, kam aber in den letzten Jahren nur gelegentlich bei Veranstaltungen kurz zum Einsatz. Daher investierte Matthias Hummel etwa 50 Stunden in einen „großen Kundendienst“ und wechselte alle Öle und Fette, reinigte die Filter und kontrollierte die Dichtigkeiten. Natürlich wurde der Schützling auch bestmöglich gereinigt, um beim Korso gut dazustehen.

    Roland Feix bekommt von Matthias Hummel die andersgeartete Schaltung des Unimog-Prototypen U 5 wieder in Erinnerung gerufen.

    Als der aus dem Sudetenland stammende Roland Feix 1949 bei Gebrüder Boehringer als Monteur und Vorführer anfing, wurde gerade der 23. Unimog gebaut. Ungezählte Vorführungen im In- und Ausland folgten, bevor er für viele Jahre für den Unimog in Südamerika tätig wurde. Seine ganze berufliche Tätigkeit widmete er dem Unimog – zuletzt als verantwortlicher Referent für alle lateinamerikanischen Länder. Er erinnert sich: „Mit den Prototypen 5 und 6 bin ich 1949 und 1950 besonders gerne gefahren, denn sie hatten kein schweres Schleppergetriebe sondern nur ein vergleichsweise leichtes Pkw-Getriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen mit vier Vorwärts- und einem Rückwärtsgang. Durch das geringer Gewicht fuhr ich den mit großen Boehringer-Getrieben ausgestatteten Unimog immer voraus.

    Der Unimog und das Deutsche Landwirtschaftsmuseum

    Bereits im Herbst 1945, als erste Überlegungen für ein „Motorgetriebenes Universalgerät für die Landwirtschaft“ – so der Arbeitstitel – nur auf Papier festgehalten waren und als kleines Holzmodell existierten, wurden diese von Mitgliedern des Entwicklungsteams mit Professoren der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim diskutiert. Und dies, obwohl die Hochschule bis Dezember offiziell noch geschlossen war.

    Als im März 1946 für den von Heinrich Rößler konstruierten späteren Unimog schriftlich eine Produktionsgenehmigung bei der amerikanischen Militärbehörde eingeholt werden musste, wurden darin auch zwei Professoren der Uni Hohenheim als Sachverständig genannt.

    Intensiver wurden die Kontakte gepflegt, als der Unimog fahrbereit war. So erinnerte sich der damalige Student und spätere Unimog-Pionier Manfred Florus an eine Vorführung in Hohenheim im Jahr 1948, bei der ein Pflug der Zugleistung des Unimog nicht gewachsen war und sich verformte. „Daraus wird nichts!“ hatte sein Professor noch resümiert. Doch es kam anders und Florus wurde ab 1949 sein ganzes Berufsleben für den Unimog tätig.

    Übergabe der Schenkungsurkunde an den Rektor der Uni Hohenheim, Professor Dr. Walter Rentschler (rechts), durch das Daimler-Benz Vorstandsmitglied Dr. Rolf Staelin in Beisein des Konstruktionsleiters Unimog Heinrich Rößler (links) und des Unimog-Vertriebsleiters Inland Manfred Hauser            Foto: Daimler

    Die Zusammenarbeit mit der Uni Hohenheim wurde weiter gepflegt und ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, was 1966 dazu führte, dass der 100.000ste in Gaggenau montierte Unimog, ein offener Unimog 421, der Universität geschenkt wurde. Daimler-Vorstandsmitglied Dr. Rolf Staehlin bei dieser Gelegenheit: „Wir selbst sehen in der Tatsache, dass jetzt der 100.000. Unimog montiert werden konnte, weniger ein Jubiläum – dafür wirkt der Unimog zu jugendlich – als vielmehr den verheißungsvollen ersten Abschnitt einer Entwicklung, der wir mit Optimismus entgegensehen“. Sein Optimismus war berechtigt!

    Bei der Generalrestaurierung des U 5 durch Heinz Schnepf und Manfred Florus blieb der ursprüngliche Motor OM 636 mit zweigeteiltem Zylinderkopf als Ausstellungsobjekt erhalten.

    Von 1988 bis 2003 war Florus 1. Vorsitzender des Fördervereins und anschließend bis 2012 Vorsitzender Kuratoriums des DLM. Gemeinsam mit seinem Vorstandkollegen des Unimog-Club Gaggenau, Heinz Schnepf, nahm er sich dem nicht mehr fahrfähigen Unimog Prototypen Unimog Prototypen 5 an. Sie zerlegten ihn in der Unimog-Versuchswerkstatt komplett, bauten ihn neu auf und machten ihn mit einem Austauschmotor wieder fahrfähig.   So konnte der Prototyp U 5 im Jahr 2001 als Leitfahrzeug am Korso anlässlich „50 Jahre Mercedes-Benz Unimog“ teilnehmen. Nochmals war er in Gaggenau in den zwei Jahre nach der Eröffnung des Unimog-Museums darin zu sehen. Danach konnte glücklicherweise der Unimog-Prototyp 6 für das Unimog-Museum erworben werden.

    Michael Wessel

    Video im Internet

    Ein Video der Fahrt von Roland Feix mit dem Prototypen 5 im Hof des DLM ist zu sehen auf:

    www.youtube.com/watch?v=eHNiDUy0iF4

    Erstveröffentlichung im Badischen Tagblatt vom 28. August 2021

  • Vollendung der Unimog-Welt am Standort Gaggenau

    Unimog-Pionier Roland Feix bekommt vom Werkstattleiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums, Matthias Hummel, die Schaltung des Unimog-Prototypen U 5 in Erinnerung gebracht. Foto: Michael Wessel

    Jubiläumsveranstaltung 75 Jahre Unimog am 4. und 5. September 2021 in Gaggenau mit Jubiläumskorso

    Von Hans-Jürgen Wischhof

    In Bezug auf die Produkte der Daimler AG (und deren Vorgängergesellschaften) gibt es in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen:

    75 Jahre Unimog (und davon 70 Jahre Mercedes-Benz Unimog).

    125 Jahre Daimler Lastkraftwagen. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), Bad Cannstatt, lieferte ihren ersten Lkw am 1. Oktober 1896 nach London aus.

    1896 baute der Ingenieur Adolf Altmann eine Zugmaschine mit selbst entwickeltem Einzylinder-Petroleummotor, erstmals angewendeter Verdampfer-Kühlung und nannte diese Zugmaschine erstmals „Tracteur“. Die DMG übernahm die Fabrik von Altmann und gründete danach 1898 die Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin, abgekürzt MMB. Damit ist die Daimler AG als Nachfolgegesellschaft mit 125 Jahren auch der älteste deutsche Traktoren-Hersteller. Der legendäre Glühkopf-Bulldog von Heinrich Lanz wird dieses Jahr 100 Jahre alt.

    Um es vorwegzunehmen: Nächstes Jahr vor 100 Jahren wurde der weltweit erste Dieselmotor mit 25 PS in einen Benz-Sendling Motorpflug eingebaut.

    Dies alles waren Innovationen, die die Gesellschaft seit 1896 mitgestalteten und prägten. Das gilt auch für die Zukunft des Landes als Mitglied der EU. Nicht mit Verboten, sondern durch Innovationen werden die jetzt anstehenden Herausforderungen gestaltet und gemeistert.

    Am 4. und 5. September findet die Jubiläumsveranstaltung 75 Jahre Unimog in Gaggenau statt, die am 4. September mit einem Jubiläumskorso vom Mercedes-Benz Lkw-Werk Wörth am Rhein der Daimler Truck AG nach Gaggenau ins Unimog-Museum beginnt. Der Korso wird vom Prototyp U5 des Deutschen Landwirtschaftsmuseums (DLM) angeführt. Der U5 ist der älteste noch fahrbare Prototyp.

    Dem folgen im Korso 75 Unimog unterschiedlichster Typen, die danach und am 5. September am Museum präsentiert werden. Für Wischhof Anlass genug, die Legende Unimog in einem Beitrag „Der Goldene Pflug des DLM der Uni Hohenheim“ zu beschreiben, die Jahrzehnte lange wertschätzende Zusammenarbeit mit dem DLM zu würdigen und in Stichworten zu erläutern, was die Faszination Unimog auch nach 75 Jahren begründet.

    Zeitzeugen wie Manfred Florus und Heinz Schnepf standen beim Aufbau des Unimog-Clubs, bei der Gestaltung und dem Aufbau des Unimog-Museums und bei der Zusammenarbeit mit dem DLM mit Rat und Tat zur Seite. Unvergessen ist deren Einsatz, den U5 in der seinerzeit von Michael Schnepf geleiteten Unimog-Versuchswerkstatt wieder fahrtüchtig zu machen.

    Faszination Unimog

    Der Unimog als hochmobiles Systemfahrzeug ist vielseitig im Einsatz. Kein anderes Nutzfahrzeug der Welt kann, je nach Land, sowohl als Traktor, Zugmaschine, Lkw, Lkw off Road, Feuerwehrfahrzeug, Omnibus, Lokomotive oder selbstfahrende Arbeitsmaschine (zum Beispiel als Triebkopf in Verbindung mit einer Kehrmaschine) zugelassen und eingesetzt werden. Der Unimog ist das weltweit bekannteste Nutzfahrzeug mit Stern von Mercedes-Benz in der heutigen Daimler Truck AG. Für viele Besitzer ist er nicht nur im wirtschaftlichen Einsatz, sondern auch ein Hobby.

    Zwei große Unimog-Fanclubs pflegen und gestalten das Clubleben. Am 9. Mai 1985 wurde der Unimog Veteranen Club (UVC) gegründet. Dies war die Geburtsstunde des ersten überregionalen Clubs mit aktivem Clubleben. Dessen besonderer Verdienst war und ist die Sammlung von Unimog und Geräten/Aufbauten sowie die professionelle Aufbereitung der Unimog-Geschichte.

    Am 13. Mai 1993 gründete sich der Unimog-Club-Gaggenau (UCG) auf Initiative von Michael Wessel. Die Entwicklungsgeschichte dieses zweiten großen Unimog-Clubs ist spätestens seit der Jubiläumsfeier 25 Jahre UCG im September 2018 am und im Unimog-Museum mit rund 20.000 Besuchern bestens bekannt. Der UCG unterstützt aktiv das Unimog-Museum, hat derzeit mehr als 7.600 Mitglieder in 45 Ländern und ist einer der großen und anerkannten Markenclubs des Mercedes-Benz Classic Club Managements.

    Die begonnene Erweiterung des Unimog-Museums, die dadurch erreichbare Vergrößerung der Ausstellungsfläche um mehr als 100 Prozent, führt zu einer Neugestaltung des Innenraums mit verbesserter Kommunikationstechnik und mehr Ausstellungsobjekten, die weiteren laufenden Aktivitäten im Unimog-Museum und die aktive Unterstützung des UCG führen schrittweise in die Vollendung der Unimog-Welt am Standort Gaggenau.

    Hans-Jürgen Wischhof in seinem Unimog 411 beim Korso “125 Jahre Automobilbau in Gaggenau” im Jahr 2019 – Foto: Sloboan Mandic

    Der Autor, Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Wischhof, war zunächst zwölf Jahre im VDMA Fachverband Landtechnik tätig. Von 1990 bis 2003 war er verantwortlich für den Geschäftsbereich Unimog. Er begleitete die Entwicklung auf nationaler und europäischer Ebene von 1965 bis 2010.

    Erstveröffentlichung im Badischen Tagblatt vom 1. September 2021

  • Unimog-Museum: Kostenexplosion beim Erweiterungsbau

     

    Aufgrund der massiven Regenfälle mussten die Vorarbeiten für den Erweiterungsbau des Museums kurzzeitig eingestellt werden. Jetzt laufen sie wieder.                          Fotos: Michael Wessel

    Ernüchternde Zahlen, aber auch viel Optimismus bei der Mitgliederversammlung des Vereins Unimog-Museum

    Zusammenarbeit mit dem Unimog-Club Gaggenau funktioniert

    Rasant gestiegene Kosten für Bauholz und Lieferengpässe beim Material für den Erweiterungsbau waren die beherrschenden Themen des Rechenschaftsberichts, den der Vorsitzende des Vereins Unimog-Museum, Stefan Schwaab, bei der Mitgliederversammlung am zurückliegenden Freitag gab. Jetzt gelte es, an allen Stellschrauben zu drehen „und zu kneten“, um nach Möglichkeit den Kostenrahmen des Projekts von immerhin 4,2 Millionen Euro nicht zu überschreiten. Das führe unter anderem dazu, dass manches Wünschenswerte – wie beispielsweise eine neue Leuchtwerbung – zurückgestellt werden müsse.

    Auch für den Erweiterungsbau, für den die Baugenehmigung inzwischen vorliege, wurde wieder viel Holz eingeplant, was sich jetzt natürlich als belastend niederschlägt. Allein dafür sind die Kosten um über 200.000 Euro gestiegen, und dazu muss noch  um die  rechtzeitige Lieferung gekämpft werden. Seine besondere Freude brachte Schwaab in diesem Zusammenhang aber darüber zum Ausdruck, dass die Städte Gernsbach und Gaggenau wieder für die Außenfassade Douglasien-Lieferungen aus ihrem Stadtwald anliefern werden. „Und die Stämme werden von einem Vereinsmitglied kostenlos gefällt!“ freute er sich weiter. Wie beim Bau des Hauptgebäudes werde zudem die Scholpp Kran &Transport GmbH für eine Woche einen Schwerlastkran kostenlos zur Verfügung stellen.

    Die Kostenexplosion erfordere es auch, so Schwaab, verstärkt für Sach- und Geldspenden zu werben. Aber auch hier gebe es einen Lichtblick, denn von den bisher anvisierten 250.000 Euro auf dem sogenannten Bausteinkonto waren bereits am Freitag über 200.000 Euro als Spenden eingegangen.

    Anhand zahlreicher Projektbilder des Architekturbüros Kohlbecker führte Schwaab die Mitglieder gedanklich insbesondere durch den Erweiterungsbau, der mit seinen 1.150 Quadratmetern die Ausstellungsfläche mehr als verdoppeln wird. Endlich werde man dadurch auf rund 200 Quadratmetern auch die automobile Vorgeschichte des Unimog hier in Gaggenau vorstellen können. Dazu gehören dann unter anderem der Orient-Express-Wagen aus dem Jahr 1897 und der Liliput-Volkswage aus dem Jahr 1905. Weitere Raritäten stehen bereits fest.

    Über ein besonderes Jahr, das durch Corona geprägt wurde, berichtete Hildegard Knoop, die Geschäftsführerin der Museums-Betriebs GmbH. Natürlich brachen durch die Schließungen und pandemiebedingten Auflagen die Besucherzahlen von bisher über 40.000 auf 21.000 ein. Die Zeit wurde teilweise für massive Aufräumarbeiten in den zwischenzeitlich zwei zusätzlichen Fahrzeughallen genutzt. Das 15-jährige Jubiläum des Museums konnte im Juni in kleinem Rahmen letztlich doch noch gefeiert werden.

    Der Vorsitzende des Unimog-Clubs, Rainer Hildebrandt, dankte für den enormen Einsatz, den Stefan Schwaab und Hildegard Knoop mit ihrem Team nicht nur im zurückliegenden Jahr geleistet haben. Beispielhaft für eine sehr gute Zusammenarbeit der beiden Vereine nannte Hildebrandt Schrauberkurse des Unimog-Clubs, die  in der Werkstatt des Museums-Vereins von deren Spezialisten durchgeführt wurden. Die Abschlussbeurteilungen der Teilnehmer hätten nicht besser ausfallen können.

    Dann stellte Hildebrandt das nächste große Zusammenarbeits-Projekt, diesmal auch mit dem Unimog-Vertrieb in Wörth, vor: Am 4. September 2021 wird aus Anlass des Jubiläums „75 Jahre Unimog“ ein Korso vom Unimog-Werk Wörth ins Unimog-Museum stattfinden. Daran nehmen 75 Unimog aller Baureihen teil. Ein enormer Abstimmungsaufwand ist damit verbunden. Auch am 5. September wird weiter gefeiert und so empfahl der Vorsitzende des Unimog-Clubs Gaggenau, sich diese beiden Tage unbedingt vorzumerken.

    So ganz nebenbei wurden noch die Schriftführerin Petra Funke und der stellvertretende Vorsitzende, Andreas Falk, für weitere Jahre wieder in ihren Aufgaben einstimmig bestätigt. Und einstimmig fiel auch – wie könnte man es anders erwarten – die Entlastung des Vorstandes aus, nachdem die Kassenprüfer Frieder Behringer und Paul Rodenfels eine einwandfreie Kassenführung durch Silvester Benkler bestätigt hatten.

    Michael Wessel

    Erstveröffentlichung im Badischen Tagblatt vom 20. Juli 2021

     

  • Neuntes Weltenbummlertreffen vom 30. Juli bis 1. August im und am Unimog-Museum

    Neuntes Weltenbummlertreffen vom 30. Juli bis 1. August im und am Unimog-Museum

    Mit über 100 Fahrzeugen und spannenden Vorträgen über Kochen und Wasseraufbereitung offroad und über Expeditionsreisen u.a. nach Namibia, in die Mongolei und in der Südsee

    Zum neunten Mal treffen sich Weltreisende und ihre „Allradler“ im und am Unimog-Museum in Gaggenau. Auch in diesem Jahr muss die Zahl der Fahrzeuge limitiert werden – zum einen, weil es nach wie vor Corona-bedingte Vorschriften gibt und die Fahrzeuge einen Mindestabstand zueinander haben müssen. Zum anderen aber auch, weil der Platz vor dem Museum wegen der Baustelle des Erweiterungsbaus nicht zur Verfügung steht und Aussteller und Teilnehmer auf die Wiese hinter dem Museum sowie das Gelände jenseits des Außenparcours und des Biotops ausweichen müssen.

    Umso motivierter sind die glücklichen Fahrzeugbesitzer, die es geschafft haben, einen der begehrten Plätze zu ergattern, den Besuchern sich, ihre Fahrzeuge und ihre Geschichten vom Reisen näherzubringen. Spannende Reise-Vorträge, Lagerfeueratmosphäre und natürlich außergewöhnliche Fahrzeuge – diese Mischung macht das Weltenbummlertreffen wie immer zu etwas ganz Besonderem. Dabei sind auch Aufbau- und Zubehörhersteller wie die Firmen Füss Mobile und bi-mobil, Atlas 4×4, Merex/Mertec und Travel Lighting und andere mehr. Sie präsentieren Equipment für Mensch und Fahrzeug. Dazu gibt es tiefe Einblicke in die Fahrzeugtechnik und Kurse zum Selberschrauben in der Werkstatt des Unimog-Museums. Natürlich darf auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen: Neben seinen Angeboten aus der Küche und vom Grill bietet das Unimog-Restaurant an allen drei Tagen passend zum Treffen Exotisches aus aller Welt aus dem Smoker.

    Von Freitag bis Sonntag (Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonntag bis 17 Uhr ist die Fahrzeugschau auf dem Außengelände inklusive Museumseintritt, Führungen und Vorträgen für 6,50 €/Person (ermäßigt 5,50 €, Familienticket 14 €) zu besichtigen. Für die Führungen und Vorträge gilt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, denn natürlich sind  hier die Teilnehmerzahlen aufgrund von Corona begrenzt. Es gelten die allgemeinen Corona-Bestimmungen: Besucherregistrierung, Desinfizierung, Abstandsregeln sowie das Tragen einer Mund-/Nasenschutz-Maske in den Museumsräumen.

    Das Programm sowie Infos zur Veranstaltung findet man unter www.unimog-museum.de. Alle Stellplätze rund um das Museum sind an diesem Wochenende für die Weltenbummler-Fahrzeuge reserviert. Daher werden die Tagesgäste gebeten, auf die Parkplätze der Firma Swarco und König Metall auszuweichen.

    Hier einige Bilder von früheren Weltenbummler-Treffen beim Unimog-Museum:

    Christiane Vugrin schreibt am 3. August 2020 im Badischen Tagblatt zum 8. Weltenbummler-Treffen im Vorjahr:

    “Wer so etwas macht, hat schon einen kleinen Spleen”

    Achtes Weltenbummlertreffen am Unimog-Museum stößt auf große Resonanz

    Fahrzeuge Marke Eigenbau faszinieren

    „Kein Fahrzeug ist wie das andere, man sieht immer wieder neue Ideen“, sagt Willi Lipp. Be­glückt fährt er mit seinem Klapprad ein Wiesenstück entlang, auf dem sich die beidseitig aufgestellten Allradler die Schau stehlen. Beim achten Weitenbummlertrelfen in und am Unimog-Museum ist zwar alles etwas anders. Doch eines än­dert sich wohl nie: Die Be­geisterung der Fans, wenn sie von ihren Fahrzeugen berich­ten.

    „Schon ab Kind hat mich der einzige Unimog fasziniert, der damals durch unser Dorf gefahren ist“, erzählt Lipp und fügt hinzu, „1976 habe ich mir dann den ersten Unimog als Zweitwagen gekauft.“ Mittler­weile ist der 72-Jährige Besitzer von acht Unimog-Fahrzeugen.

    Eines davon steht auf der Ausstellerwiese. Der Spoiler mit einem Photovoltaikmodul sticht dabei hervor. „Damit spare ich Diesel und erzeuge zusätzlich Strom“, erklärt Lipp stolz. Auch die Innenausstat­tung kann sich sehen lassen. Der Tüftler hat es nicht nur geschafft, alles, was man zum Le­ben braucht, äußerst platzspa­rend einzubauen. Vieles davon ist zudem elektronisch steuer­bar. Sogar ein Aufzug für das Klapprad ist im Dach installiert. „Das ist zu schwer, um es immer wieder hochzuhieven, schmunzelt der Unternehmer aus Sasbach.

    Mit einem gut ausgeklügel­ten Hygiene-Schutz-Konzept startete das Weltenbummler-Treffen bereits am Freitag mit der Anreise der Teilnehmer. „Hier hatten wir für Besuche geschlossen, damit alles geord­net ablaufen kann“, informiert Hildegard Knoop. Am Samstag, dem ersten Besuchertag, rechnet die Geschäftsführerin mit rund 300 Besuchern. „Das sind zwei Drittel von dem, was wir sonst an Besuchern an ei­nem Weltenbummlertag errei­chen, damit sind wir hoch zu­frieden”, sagt Knoop ange­sichts der Corona-Umstände.

    Die im Museum angebote­nen Vorträge finden trotz Hitze und Maskenpflicht Zuhörer. Auch die Fahrt im Außenparcours mit Trennscheibe zum Fahrer wird fleißig gebucht. „Die Leute sind sehr verständig und sehr diszipliniert“, freut sich die Museumschefin. Be­stätigen können dies die freundlichen Heiter bei der Besucherregistrierung. Was wäre eine Unimog-Museum-Veranstaltung ohne den engagierten Einsatz der Ehrenamtlichen? „Wir sind da, wo gerade Hilfe gebraucht wird“, meint Hilde­gard Blaser.

    Während konzentriert-interessierte Teilnehmer in der Werkstatt beim „Selbstausbauer-Workshop“ den Worten von Ulrich Dolde lauschen, begeis­tern die Besucher um das Mu­seum herum immer wieder Fahrzeuge Marke Eigenum­bau. Es werden Bilder geschos­sen und mit den Besitzern gefachsimpelt. Die Aussteller kennen sich zumeist, es ist wie das Zusammentreffen einer großen Familie.

    Vor einem Unimog 1350 L machen es sich lda (6), Preya (12) und Till (9) gemütlich. Für die nächsten Wochen ist der Unimog ihr neues Heim. Krea­tiv wurde Platz für die fünfköpfige Familie geschaffen. Ein se­parates Eltern-Schlafzimmer inklusive. „Wir schlafen in dem Dachzelt über der Fahrerkabi­ne“, schmunzelt Frauke Gutknecht, „da ist es schön luftig – und wir haben eine tolle Aus­sicht.“ Das Reisen in einem Unimog ist noch neu für die junge Familie, deshalb dient das Treffen ihnen vor allem da­zu, Tipps zu bekommen und Vorträge zu hören.

    Auf einiges mehr an Reiseer­fahrung kann Bernd Storch­meier aus Banken mit seinem U 1300 zurückblicken. Vor fünf Jahren hat er das ehemalige Bundeswehrfahrzeug erstan­den. Die erste Reise – noch mit Bundeswehrcontainer – führte ihn nach Schweden. „Danach habe ich eine eigene Kabine gebaut“, erzählt Storchmeier. Die vorerst letzte Reise führte ihn nach Marokko und Nord­afrika. „Alles hat gut geklappt, wir hatten keinerlei Probleme mit dem Fahrzeug”, meint sei­ne Lebensgefährtin Madeleine Straßer. „Wer so etwas macht, hat schon einen kleinen Spleen“, räumt der Unimog- Besitzer ein.

    Doch bei dieser Art zu reisen fühle man sich frei und unge­bunden, „wenn es dir an einer Stelle gefällt, hältst du einfach an”. In diesem Jahr standen drei Monate Iran auf dem Plan. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Doch: aufgeschoben ist nicht aufge­hoben. „Wir hoffen darauf, im nächsten Jahr unser Reiseziel verwirklichen zu können”, ist sich das Paar einig.

  • Produktionsjubiläum im Jahr 1961: 50.000 Unimog in zehn Jahren

    Vor 60 Jahren, am 12. Mai 1961,  wurde der 50.000ste Unimog montiert

    Zu Jahresbeginn 1951 zog die Unimog-Mannschaft von Göppingen in das damalige Lastwagen-Werk von Daimler-Benz in Gaggenau um. Ende Mai 1951 liefen bereits die ersten Unimog vom Band. Und 10 Jahre später, am 12. Mai 1961 wurde der 50.000ste Gaggenauer Unimog auf das Montageband gelegt. Es war ein Unimog 411, der noch auf dem Montageband von mehreren Mitarbeitern aufwändig geschmückt wurde.

    Mitarbeiter zieren den 50.000. Unimog

    Die Übergabe an einen Kunden aus Frankreich, der bereits mehrere Unimog in seinem Fuhrpark hatte, erfolgte dann in feierlichem Rahmen im Kreis der Mitarbeiter durch Werkleiter Dr. Carl-Heinrich Jahr in Beisein von Chefkonstrukteur Heinrich Rößler. Auch leitende Herren der französischen Unimog-Vertretung waren zu diesem Anlass nach Gaggenau gekommen.

    Der Technische Werkleiter, Dr. Carl-Heinrich Jahr, übergibt den Unimog an den Kunden. Rechts der Chefkonstrukteur Heinrich Rößler

    Die Mitarbeiter sind stolz auf ihren 50.000. Unimog

    Auch die Führungskräfte der Produktion lassen sich mit dem Jubiläums-Unimog ablichten