mikewessel

Author Archives

  • Mitgliederversammlung des Vereins Unimog-Museum 2019

    Hans-Peter Hegmann schreibt am 6. Mai 2019 im Badischen Tagblatt über die Mitgliederversammlung des Vereins Unimog-Museum vom 3. Mai:

    Interesse an Museum ist weiter ungebrochen

    Versammlung des Vereins Unimog-Museum

    Gaggenau – Als ein besonderes Jahr mit zwei außergewöhnlichen Anlässen bezeichnete der Vorsitzende des Vereins Unimog-Museum, Stefan Schwaab, das Jahr 2018. „Ein kleines Automobil und ein großes Geburtstagsfest“ bestimmten laut seinem Rückblick bei der Mitgliederversammlung das vergangene Vereinsjahr.
    Das kleine Automobil ist der 1897 bei Bergmann in Gaggenau gebaute „Orientexpress Patent-Motorwagen“. Er war der Grundstein für die 125-jährige Geschichte des Automobilbaus in der Stadt und wurde vom Museumsverein im vergangenen Jahr in England gekauft.
    Vom 15. bis 17. Juni feierte der Unimog-Club Gaggenau seinen 25. Geburtstag rund um das Unimog-Museum und im Kurpark. Mehrere Tausend Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, über 500 anwesende unterschiedliche Universal Motorgeräte aus der Gaggenauer Fabrikation zu besichtigen.
    Nach dem Rückblick mit vielen Fotos der Museumsleiterin Hildegard Knoop bestätigten die Besucherzahlen erneut den Erfolg des Museums. Bereits zum dritten Mal hintereinander wurden mehr als 40000 Gäste gezählt. Dazu kamen fast 22000 Mitfahrten in einem Unimog auf dem Außenparcours. Sie stellen den größten Einnahmenposten des Museums dar und ermöglichen der Einrichtung, den Betrieb ohne Subventionen von außen aufrecht zu halten. So konnte der Museumskomplex im abgelaufenen Jahr um ein Werkstattgebäude und eine Waschanlage für die Wartung und Pflege der museumseigenen Fahrzeuge erweitert werden.
    Der Vorsitzende präsentierte danach die ersten Studien für die dringend benötigte Erweiterung der Ausstellungsfläche im Museum. Hier existieren bisher zwei Studienvarianten. Wie Schwaab mehrmals betonte, wird eine Entscheidung über den Umfang der Erweiterung erst dann getroffen werden, wenn die Finanzierung zu 100 Prozent steht. „Wir haben der Mitgliederversammlung und unseren Großspendern in der Vergangenheit immer alle Zahlen geliefert, die wir versprochen haben, und immer größten Wert auf eine solide Finanzierung gelegt. Bisherige Entscheidungen wurden auch immer in Abstimmung mit den Kuratoriums-Mitgliedern gefällt.“
    Die durch Kassierer Hubert Jehnes präsentierten Zahlen zur aktuellen Finanzlage bestätigten diese Aussage. Der Museumsverein konnte trotz Ausgaben von 324000 Euro noch einen Gewinn von rund 30000 Euro erwirtschaften. Das Vereinsvermögen beträgt 6,4 Millionen Euro. Die Stiftung Unimog-Museum hat ein Stiftungsvermögen von 1,27 Millionen Euro. Mit den Ausschüttungen wird die Anschaffung von Kulturgütern, wie zum Beispiel dem Orient-Express, mitfinanziert.
    Der Verein hat inzwischen 1123 Mitglieder; darin sind 52 Firmenmitgliedschaften enthalten. Als zweiter Vorsitzender für Florian Kohlbecker wurde Andreas Falk gewählt. Damit ist zum ersten Mal der Unimog-Club Gaggenau durch ein Mitglied im Vorstand des Museumsvereins vertreten. Als neues Mitglied im Beirat wurde Wolfgang Heringklee vorgestellt.
    Die am häufigsten zu hörende Botschaft des Vorsitzenden und der Museumsleiterin war die Aussage, dass ohne die vielen fleißigen Ehrenamtlichen das Museum absolut nicht existieren könne. Damit war selbstverständlich auch jeweils ein großes Dankeschön verbunden.

     

  • Unimog-Pionier Erwin Moll gestorben

    Nachruf

    Im Alter von 94 Jahren starb am 29. März der Unimog-Pionier Erwin Moll. Bereits 1949 war der gelernte Kfz-Schlosser bei Gebr. Boehringer in Göppingen in die neue Abteilung Unimog als Vorführer und Kundendienstmonteur eingetreten.

    Erwin Moll (1924 – 2019)

    Zunächst war er hauptsächlich in Deutschland tätig. Aber 1950 wurde ein Seilbahnprojekt in der Schweiz von ihm und seinem Kollegen Erich Grass durchgeführt und im Unimog-Prospekt von 1951 kurz vorgestellt. Wohl dadurch wurde die Schweizer Armee auf den Unimog aufmerksam, was zum ersten militärischen Großauftrag führte.

    Die Erlebnisse hat Moll in einem Beitrag für den Band 1 der „Geschichten rund um den Unimog“ festgehalten, der hier mit erscheint.

    Moll wurde der Vorführer für besondere Einsätze – insbesondere beim Militär und anderen potentiellen Großkunden. Auch bei spektakulären Filmen mit dem Unimog-S sitzt er am Steuer. Als Meister der Vorführwerkstatt wurde nach seinen Erfahrungen und Vorstellungen das Vorführgelände Ötigheim modelliert.

    Erwin Moll war ein großzügiger Spender für die Stiftung Unimog-Museum. Zuletzt lebte er in Freiburg.

    mw

     

    Hier der Beitrag von Erwin Moll im Band 1 der „Geschichen rund um den Unimog“ aus dem Jahr 1992:

    Mit dem UNIMOG auf Eselspfaden

    Erwin Moll

    Im zweiten Gaggenauer UNIMOG-Prospekt wird stolz auf eine Geschichte verwiesen, die ich persönlich zusam­men mit Herrn Grass erlebt habe.

    Aus dem Gaggenauer Unimog-Prospekt von 1951

    Gemeinsam waren wir damals in die Schweiz gefahren, um landwirtschaft­liche Vorführungen mit unserem Fahr­zeug zu machen. Leider mussten wir auch dort einmal mehr mit den übli­chen Vorbehalten gegen den UNI­MOG kämpfen, denn unser Fahrzeug wich für die damalige Zeit einfach zu sehr von den üblichen Schlepper-Kon­struktionen ab und wurde deshalb nicht ganz ernst genommen.

    Etwas niedergeschlagen saßen eines Abends Herr Grass und ich in unserem Hotelrestaurant in Zürich beisammen, als ein unbekannter Herr zu uns an den Tisch trat und fragte: “Gehören Ih­nen die Fahrzeuge da draußen?“ Wir bejahten und unser Besucher stellte sich uns als Technischer Leiter eines Bauprojekts vor. Er sei in der ganzen Welt herumgeflogen, so erzählte er uns, um ein Fahrzeug zu finden, das in der Lage sei, in den nächsten drei schneefreien Monaten Material für den Bau einer Pistenseilbahn beim Dent Blanche zu transportieren. Dort oben sollte ein Staudamm gebaut werden, doch hinauf auf den Berg führe nur ein schmaler Eselspfad …

    Wir sahen uns an. Sollten wir den Ver­such wagen? Wir brauchten nicht lan­ge, um uns zu entscheiden: „Das pro­bieren wir, hier kann der UNIMOG zeigen, was er kann!“

    Am anderen Tag gingen wir zunächst einmal den Saumpfad zu Fuß nach oben. Auf dem Berg angekommen, sagte Herr Grass, der diese Vorführung leitete, zu unserem Begleiter, Herrn Geiger: “Das sollte man sich mal aus der Luft anschauen können, um einen besseren Gesamteindruck zu haben!“

    Herr Geiger antwortete: “Das ist kein Problem! Kommen Sie später zum Flugplatz Sitten!“

    Herr Grass berichtete uns dann später von einem halsbrecherischen Flug entlang der Felsen, an den wir in Zu­kunft immer erinnert wurden, wenn von dem berühmten Gletscherflieger Geiger die Rede war, der mit seinen Flügen unzähligen Menschen das Le­ben gerettet hat.

    Doch zunächst mussten wir uns jetzt unserem UNIMOG widmen und ihn für diese schwierige Mission vorberei­ten. Aus Platzgründen bauten wir eini­ge Karosserieteile ab, dann folgte die erste Leerfahrt hinauf auf den Berg. An diese schwindelerregende Fahrt erin­nere ich mich bis zum heutigen Tag.

    Häufig mussten wir anhalten, um in den engen Kurven den Pfad zu verbreitern, und dabei ließ uns ein Blick in die Tiefe schaudern: auf der einen Seite der gähnende Abgrund, auf der anderen Seite ragten die Felsen steil empor. An einer besonders kritischen Stelle sicherte mich Herr Grass mit einem Seil um den Bauch. Herr Grass lief dann oberhalb der Felsen entlang, um mich vor einem tödlichen Absturz zu schützen.

    Doch schon am zweiten Tag beluden wir unseren UNIMOG mit einer ton­nenschweren Kabeltrommel und machten uns erneut an den steilen Aufstieg. Als wir oben ankamen, war die Mannschaft hellauf begeistert von unserem UNIMOG und seiner Lei­stung. Und der Erfolg blieb nicht aus.

    Als Herr Grass abends stolz zu Hause anrief und berichtete, dass der Techni­sche Leiter den UNIMOG vom Fleck weg kaufen wolle, hörte er zu seiner Überraschung und Freude, dass die Fir­ma Losinger wenige Minute zuvor bereits sechs UNIMOG für das Projekt geordert hatte. Wir waren stolz wie die Schneekönige!

    Mit unseren Vorführfahrzeugen über­nahmen wir dann auch in den näch­sten Tagen noch einige Transporte hinauf in die luftigen Höhen des Ber­ges, bevor wir wieder nach Hause fuh­ren.

    Aber schon nach wenigen Tagen Heimat machten wir uns wieder auf den Weg in die Schweiz. Zusammen mit sechs neuen Fahrzeugen, die für die­sen schwierigen Transporteinsatz opti­miert worden waren, steuerten wir er­neut das Tallager von Les Haudères an. Mir fiel dort die Aufgabe zu, die einheimischen Fahrer zu schulen, die Beladung zu überwachen und die Fahrzeuge technisch zu betreuen.

    Dieser Einsatz unserer kleinen 25 PS-UNIMOG brachte viele neue Erfahrungen, die ich in regelmäßigen Be­richten an das Werk festhielt und die zur ständigen Verbesserung des UNI­MOG beitrugen.

    Doch es gab auch weniger erfreuliche Situationen: Bei einer Fahrt ging die Lenkung des Fahrzeugs auffallend “hin und her”. Bei einer genaueren Untersuchung musste ich feststellen, dass die Kronenmuttern an den Spurstangen gelockert worden waren. Die Sicherungs-Splinte fehlten ganz. Für diese lebensgefährliche Sabotage gab es nur eine logische Erklärung: Einige Einheimische, die die Lizenz besaßen, mit ihren Mauleseln die Lasten in die­sem schwierigen Gelände nach oben zur Baustelle zu transportieren, sahen sich durch den UNIMOG in ihrer Exi­stenz bedroht.

    Doch nicht nur sie beobachteten den Einsatz unserer Fahrzeuge mit Interes­se.

    Ganz allgemein fand die Tätigkeit des UNIMOG in den Schweizer Bergen große Beachtung in der Öffentlichkeit. Sogar die Baufirma selbst nutzte unse­re Aktion für eigene Werbezwecke, und letztlich wurde dadurch auch die Schweizer Armee auf unseren UNI­MOG aufmerksam, was später zu Auf­trägen führte.

    Dennoch: leicht waren unsere Einsät­ze hoch oben im Schweizer Gebirge nicht. Wie sehr die gefährlichen Fahr­ten an die Nerven gingen, wird viel­leicht dadurch deutlich, dass ich eines Nachts schweißüberströmt nach ei­nem Alptraum aufwachte und mich am offenen Fenster stehend fand, am Fensterrahmen festgekrallt.

    Aber für mich als jungen Kerl war es trotz allem ein hochinteressanter Ein­satz, an den ich heute noch oft und gerne zurückdenke.

    Vor einigen Jahren bin ich nach einem Urlaub in Oberitalien auf dem Rück­weg in Sion vorbeigefahren und habe mir die Gegend angesehen. Vieles hat­te sich verändert – statt des Eselspfades führt heute eine asphaltierte Straße bis nach Arolla. Und abends beim Schop­pen in der Kneipe freute ich mich zu hören, dass sich noch einige ältere Ein­wohner an unseren Einsatz mit den “Teufelsfahrzeugen” erinnerten.

     

    Die Bände 1 und 3 der „Geschichten rund um den Unimog“ sind zum Sonderpreis von 10 Euro im Unimog-Museum Gaggenau oder über www.buchundbild.de erhältlich.

     

  • Unimog von Rolly-Toys für den Kindergarten Selbach

    Fuhrparkerweiterung im Kindergarten St. Nikolaus

    Selbacher Bürger Carl-Heinz Vogler besorgt fünf Unimog-Tretfahrzeuge

    Hans-Peter Hegmann schreibt am 20. April im Badischen Tagblatt:

    Gaggenau – Immer wenn Carl-Heinz Vogler am Kindergarten am Hinterbachweg in Selbach vorbeilief, vermisste er etwas Farbe zwischen dem vielen Grün und dem großen Sandkasten. Als ehemaliger Mitarbeiter in der Unimog-Fertigung bei Mercedes-Benz im Werk Gaggenau und als ehemaliger langjähriger Chefredakteur des Unimog-Club-Heft’l hatte er irgendwann eine Idee. Seit den 90er-Jahren unterstützte die Firma Franz Schneider GmbH & Co. KG mit Werbeanzeigen für ihr Produkt „Rolly Toys“ ihn bei seiner Arbeit für das Club-Magazin. Daraus entstand auch die Zusammenarbeit bei der Gestaltung der Tretspielzeuge in vielen modellgetreuen Unimog- und MBtrac-Formen. Der Seniorchef des Unternehmens war nach einem Gespräch schnell vom Projekt „Unimog für den Kindergarten Selbach“ überzeugt und stellte fünf unterschiedliche Modelle mit Anhänger zur Verfügung.
    Jetzt haben die Kinder im Selbacher Kindergarten St. Nikolaus die Möglichkeit, ihre Fahrkünste zu trainieren. Ein fünftes Fahrzeug wird als Reserve für Reparaturausfälle im Keller aufbewahrt. „Da viele Eltern und Opas der Kleinen beim Unimog in Gaggenau oder Wörth gearbeitet haben oder es heute noch tun, haben selbst die Kinder oft schon einen besonderen Bezug zu diesem Universalmotorgerät, wie ich aus eigener Erfahrung mit meinem Enkel weiß“, begründet Vogler seine Wahl für die neuen Spielgeräte.
    Als besondere zusätzliche Überraschung lud der Autor mehrerer Unimog-Bücher und Mitglied des Kuratoriums des Unimog-Museums die älteren Kinder und deren Eltern zusammen mit den Kindergarten-Mitarbeiterinnen noch zu einer kindgerechten Führung in das Unimog Museum beim Rotenfelser Schloss ein.
  • Unimog-Exoten: 411er mit Benzinmotor für Gebirgseinsätze und Fallschirmabwürfe

     

    Der Unimog 411.114 aus dem Jahr 1958 mit Benzinmotor für Gebirgseinsätze und Falschirmabwürfe

    Bereits 1957 wurde der Ottomotor M 121 in Unimog mit dem Baumuster 411.114 eingebaut (das Baumuster wurde 1969 nochmals vergeben). Vom 15. bis 17. Juli fanden dann mit den Versuchsfahrzeugen in Mittenwald Vergleichsfahrten der Bundeswehr statt.

    Eine erste Besprechung mit den französischen Militärs fand dann am 21. November 1957 für einen geplanten Fallschirmabwurf im Raum Kehl, Straßburg, Hagenau statt.

    Im Februar 1958 folgte eine Wintererprobung des Unimog 411.114 vor Bundeswehr-Gebirgstruppen in Mittenwald.

    Wintererprobung des Unimog 411.114 mit Benzinmotor, vordere Seilwinde C und RUD-Ketten im Februar 1958 im Raum Mittenwald.

    Im Juni 1958 führten die Franzosen Fallschirmabwürfe im Raum Kehl und Hagenau sowie im Oktober 1959 in Schongau durch.

    U 411.114 beim Fallschirmabwurf

    … am Boden angekommen.

    Gebaut wurden nur etwa 20 dieser Fahrzeuge mit Benzinmotor (die genaue Zahl wird noch ermittelt).

    Hier die Baubeschreibung durch den Kundendienst vom 29. Oktober 1958 für den Unimog 411.114 sowie Zeichnungen:

     

    Michael Wessel

  • Der Unimog als Baumeister – Sonderausstellung im Unimog-Museum

    Unimog 411 Froschauge mit Tieflader beim Wiederaufbau des Mercedes-Benz-Werkes Gaggenau Ende der 1950er Jahre

    Der Unimog als Baumeister –  Sonderausstellung im Unimog-Museum vom 5. Mai bis 17. November 2019

    In der diesjährigen Sonderausstellung des Unimog-Museums, die am Sonntag, dem 5. Mai 2019 eröffnet wird,  dreht sich alles um den Unimog und seine vielfältigen Einsätze in der Bauwirtschaft von den 1950er Jahren bis heute.

    Zunächst als Fahrzeug für die Land- und Forstwirtschaft entwickelt, wurde der Unimog wegen seiner enormen Zugkraft und außergewöhnlichen Geländegängigkeit quasi  «von der ersten Stunde an» auch  im Bau genutzt, um zum Beispiel Baumaterial und Geräte an die verschiedensten Einsatzorte zu transportieren oder beim Aufräumen von Trümmergrundstücken zu helfen.

    Sehr früh gab es von verschiedenen Herstellern auf den Unimog abgestimmte Anbaugeräte, beispielsweise Erdschieber, Frontlader, Verdichter, Aufbau- oder Anbaubagger, die den Alleskönner zu einer leistungsfähigen, vielseitigen und wirtschaftlichen Arbeitsmaschine machten.

    Nach diesen in erster Linie dem Straßenbau und -unterhalt dienenden Anwendungen erweiterten zusätzliche Geräte, wie beispielsweise Vorbaukompressoren und Frontlader, das Einsatzspektrum. Der Unimog ließ sich jetzt auch in der Materialgewinnung und -verladung verwenden, zum Beispiel im Bergbau.

    Natürlich trug auch die Möglichkeit, abgesetzte Geräte mittels Riemenscheibe anzutreiben, zu einer Erweiterung der Arbeitsfelder bei. Bohrgeräte, Kabelzugpflüge und Kranaufbauten schufen die Voraussetzungen, um Strom- oder Telefonmasten zu setzen oder Kabel in den Boden zu verlegen. Und Spezialmaschinen unter Verwendung eines Unimog-Triebkopfs rundeten die Einsatzbereiche weiter ab.

    In der Sonderausstellung werden zahlreiche Unimog-Arbeitsmaschinen aus sieben Jahrzehnten – mit dem Schwerpunkt auf den ersten fünfzig Jahren – ausgestellt. Darunter sind einige äußerst seltene Exponate wie ein Unikran des Herstellers Donges mit einem Unimog-S als Zugmaschine, eine selbstaufnehmende Straßenkehrmaschine auf der Grundlage eines Unimog 411 sowie ein Spezialfahrzeug zur Salzgewinnung im Bergbau. Einsatzfotos und -filme ergänzen die Ausstellung ebenso wie ein abwechslungsreiches Begleitprogramm. An zwei Aktions-Sonntagen (7. Juli/29. September) werden beispielsweise im Außenbereich historische Baustellen nachgestellt und die Fahrzeuge im Einsatz vorgeführt.

    PM Unimog-Museum

    Hier noch einige Beispiele mit Unimog 2010 und 401 – also mit nur 25 PS:

    Unimog U25, Baureihe 2010 Prototyp mit M9 Tieflader beim Transport eines Kettenbaggers

     

    Unimog U25, Baureihe 2010 mit Vorbaukompressor

     

    Unimog U25, Baureihe 2010 als Zugmaschine eines Kabelverlegeanhängers in der Schweiz

     

    Unimog U25, Baureihe 401 als Zugfahrzeug einer Linnhoff Bodenvermörtelungsmaschine mit 24,3 Tonnen Gewicht

     

    Unimog U25, Baureihe 2010 mit Tieflader bei Transport einer Planierraupe der städtischen Versorgungsbetriebe in Djakarta/Indonesien im Jahr 1954

     

    Unimog U25, Baureihe 401 mit Schmidt Profiliergerät und Bankettschneider

    Alle Fotos: Copyright Daimler AG

  • Der Unimog als Baumeister – Sonderausstellung im Unimog-Museum

    Unimog 411 Froschauge mit Tieflader beim Wiederaufbau des Mercedes-Benz Werkes Gaggenau Ende der 1950er Jahre – Foto: Daimler

    Der Unimog als Baumeister –  Sonderausstellung im Unimog-Museum vom 5. Mai bis 17. November 2019

    In der diesjährigen Sonderausstellung des Unimog-Museums, die am Sonntag, dem 5. Mai 2019 eröffnet wird,  dreht sich alles um den Unimog und seine vielfältigen Einsätze in der Bauwirtschaft von den 1950er Jahren bis heute.

    Zunächst als Fahrzeug für die Land- und Forstwirtschaft entwickelt, wurde der Unimog wegen seiner enormen Zugkraft und außergewöhnlichen Geländegängigkeit quasi  «von der ersten Stunde an» auch  im Bau genutzt, um zum Beispiel Baumaterial und Geräte an die verschiedensten Einsatzorte zu transportieren oder beim Aufräumen von Trümmergrundstücken zu helfen.

    Sehr früh gab es von verschiedenen Herstellern auf den Unimog abgestimmte Anbaugeräte, beispielsweise Erdschieber, Frontlader, Verdichter, Aufbau- oder Anbaubagger, die den Alleskönner zu einer leistungsfähigen, vielseitigen und wirtschaftlichen Arbeitsmaschine machten.

    Nach diesen in erster Linie dem Straßenbau und -unterhalt dienenden Anwendungen erweiterten zusätzliche Geräte, wie beispielsweise Vorbaukompressoren und Frontlader, das Einsatzspektrum. Der Unimog ließ sich jetzt auch in der Materialgewinnung und -verladung verwenden, zum Beispiel im Bergbau.

    Natürlich trug auch die Möglichkeit, abgesetzte Geräte mittels Riemenscheibe anzutreiben, zu einer Erweiterung der Arbeitsfelder bei. Bohrgeräte, Kabelzugpflüge und Kranaufbauten schufen die Voraussetzungen, um Strom- oder Telefonmasten zu setzen oder Kabel in den Boden zu verlegen. Und Spezialmaschinen unter Verwendung eines Unimog-Triebkopfs rundeten die Einsatzbereiche weiter ab.

    In der Sonderausstellung werden zahlreiche Unimog-Arbeitsmaschinen aus sieben Jahrzehnten – mit dem Schwerpunkt auf den ersten fünfzig Jahren – ausgestellt. Darunter sind einige äußerst seltene Exponate wie ein Unikran des Herstellers Donges mit einem Unimog-S als Zugmaschine, eine selbstaufnehmende Straßenkehrmaschine auf der Grundlage eines Unimog 411 sowie ein Spezialfahrzeug zur Salzgewinnung im Bergbau. Einsatzfotos und -filme ergänzen die Ausstellung ebenso wie ein abwechslungsreiches Begleitprogramm. An zwei Aktions-Sonntagen (7. Juli/29. September) werden beispielsweise im Außenbereich historische Baustellen nachgestellt und die Fahrzeuge im Einsatz vorgeführt.

    PM Unimog-Museum

  • 23 Jahre Jung & Fils – eine Erfolgsstory

    Jean Marie Jung machte sich 1995 mit der Fertigung von Unimog-Planen selbstständig

     

    Sie können sich freuen: Barbara Wüst, Jean Marie und Emmanuel Jung (von links) in der Werkstatt.

    Mitte der 1990er Jahre stand im heutigen Mercedes-Benz Werk Gaggenau der Unimog-Bereich unter einem enormen Kostendruck. Eine von mehreren Maßnahmen zu dessen Senkung war die Reduzierung der Fertigungstiefe. Vieles, was bis dahin wie selbstverständlich selbst gefertigt oder montiert wurde, stand auf dem Prüfstand, ob es nicht von externen Spezialisten günstiger angeboten werden kann. Dies betraf auch die Sattlerei, in der in erster Linie Planen und Verdecke für den Unimog und einige Mercedes-Lastwagen genäht wurden. In diesem Zusammenhang wurde der Mitarbeiter Jean Marie Jung im September 1995 gefragt, ob ihm im Elsass Firmen bekannt seien, die zukünftig die Planen fertigen könnten.

    Jung war erschrocken und besorgt um seinen Arbeitsplatz und erzählte dies seiner Frau Marie Ange, die spontan fragte: „Warum machst du das nicht selbst?“ Und Jean Marie antwortete: „Klar, ich mache das! Platz ist hinter unserem Haus genug. Da grasen nur unsere fünf Schafe.“

    Damit kam der Stein ins Rollen und alles ging extrem schnell – in Deutschland unvorstellbar: Die Verantwortlichen im Unimog-Bereich reagierten überaus positiv und sagten: „Uns konnte nichts Besseres passieren!“ –  und stellten die kostenlose Übergabe aller Nähmaschinen in Aussicht. Die elsässische Gemeinde Leutenheim erteilte sofort die Baugenehmigung, und nach fünf Wochen Planung erfolgte noch im Oktober der erste Spatenstich. Schon zwei Monate später, am 12. Januar 1996, verließ ein Lkw mit der ersten Lieferung von Unimog-Planen und Radabdeckungen für Lastwagen an das Zentralersatzteillager von Daimler in Germersheim den Hof.

    In den letzten Wochen des Jahres 1995 hatte der Sohn Emmanuel noch Gelegenheit, sich im Werk Gaggenau in das Nähen von Unimog-Planen einarbeiten zu lassen, bevor die Maschinen abgebaut und nach Leutenheim transportiert wurden. Im ersten Jahr konnte das überschaubare Programm noch mit der Frau Marie Ange, der Tochter Barbara sowie zwei Näherinnen bewältigt werden. Eine dieser Näherinnen, Denise Hindenlang, ist heute noch im Betrieb tätig.

     

    Die Näherin Denise Hindenlang ist von Anfang an mit dabei und näht hier – wie könnte es anders sein – ein Unimog-Verdeck.

    Anfangs führte die Familie noch gemeinsam den Betrieb. Dabei hatten sie in dem leider sehr früh verstorbenen Buchhalter Jean-Marc Schneider eine wertvolle Stütze. Seit 2007 haben die Kinder Barbara Wüst und Emmanuel Jung die Verantwortung allein übernommen. Der gut am Markt eingeführte Name Jung & Fils wurde beibehalten.

     

    Emmanuel Jung und Barbara Wüst führen heute den Betrieb

    Jung & Fils heute

    Das Produktionsprogramm von Jung & Fils wurde in den zurück liegenden Jahren ständig erweitert – hin zum Spezialisten für Abdeckungen und Schutzvorrichtungen aller Art im Gewerbe und in der Automobilindustrie – primär für Daimler und Porsche. Im Extremfall müssen Schutzvorrichtungen auch kurzzeitig Hitze mit bis zu 1600 Grad widerstehen.

     

    Blick in die „Nähstube“

    Einen Großteil der Fertigung, die von 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigt wird, machen Mehrwegbehälter für den Transport empfindlicher Produkte zwischen verschiedenen Montagestandorten aus. Die Kunden schätzen bei der Suche nach Problemlösungen die Flexibilität, die Kreativität und das Know-How ihres Lieferanten im Elsass.

     

    Beispiel einer Mehrwegverpackung für den Transport hochwertiger Teile – Foto: pr

    Über diese individuelle Betreuung freuen sich auch viele Privatkunden, wenn sie Planen für die Abdeckung von Teichen oder maßgeschneiderte Markisen benötigen. Ganz nebenbei werden zudem Pavillonzelte hergestellt und verliehen. Viele Erlkönige kamen mit Planen von Jung & Fils „unter die Haube“.

     

    Vollautomatischer Zuschneideautomat

    Natürlich werden auch weiterhin Planen, Verdecke, Hebelabdichtungen und Sitzpolster für Unimog oder Lastkraftwagen hergestellt und an Händler oder Endkunden geliefert.  Aber diese machen nur noch etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Dabei wird übrigens das Segeltuch vom früheren Mercedes-Lieferanten in hoher Qualität exklusiv für Jung & Fils hergestellt.

    Beim Teilemarkt des Unimog-Club Gaggenau in Kuppenheim ist Jung & Fils von Anfang an vertreten.

     

    Jung & Fils morgen

    Nach dem Motto „Wer rastet, der rostet!“ streben Barbara Wüst und Emmanuel Jung ein behutsames Wachstum an. So ist eine räumliche Erweiterung der derzeit rund 1000 Quadratmeter Produktionsfläche ebenso geplant wie die Belieferung weiterer Großkunden mit individuellen Lösungen für den Schutz hochwertiger Produkte.

     

    Der tapfere Schneider

    1950 wurde Jean Marie Jung im elsässischen Leutenheim geboren und machte bei seinem Vater eine Schneiderlehre. Mehrere Jahre war er dann beim als Näher und in der Maschinenreparatur des Textilservices Bardusch in Ettlingen tätig. Nach Absolvierung seines Wehrdienstes heiratete er 1972 und wechselte zur Modeschneiderei Boll in Rastatt.

    Als diese zwei Jahre später ihren Zweigbetrieb in Rastatt aufgab, wollte der Jungvermählte nicht mit nach Aschaffenburg wechseln.

    Da fügte es sich gut, dass das Werk Gaggenau der damaligen Daimler-Benz AG  1974 im Elsass Mitarbeiter anwarb, um einen Unimog-Großauftrag für die Bundeswehr bewältigen zu können. So wurde aus dem Modeschneider ein Planenschneider.

    Anfangs fuhr er mit weiteren Pendlern noch mit dem Bus ins Werk. Mit Auslauf des Bundeswehr-Auftrags und somit dem Wechsel vom Zweischicht- in den Normalschichtbetrieb nutzte Jean Marie Jung seinen Jahreswagen, den er seit 1978 fuhr, für die zweimal vierzig Kilometer zwischen seinem Heimatort und Gaggenau.

     

    Jean Marie Jung mit weißem Hemd 1991 im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen in der Unimog-Sattlerei des Werkes Gaggenau – Foto: privat

    Und dann kam 1975 der Sprung in die Selbstständigkeit. Dabei fällt einem spontan ein: „Des einen Uhl ist des anderen Nachtigall!“

    Jean Marie Jung weiß seinen Betrieb bei den Kindern in guten Händen, und er hat endlich mehr Zeit für sich. Unimog aus den Pionierjahren sind dabei sein besonderes Hobby. Für seine sechs Unimog und einen von ihm wunderschön restaurierten UNIC-Oldtimer, Baujahr 1924, in Schwarz und Bordeaux, will er in den nächsten Monaten eine Halle bauen, um die derzeitige Fläche in Produktionsfläche umwidmen zu können.

     

    Jean Marie Jung ist gerade dabei, in seine Unimog 411, Baujahr 1965, einen stärkeren Motor OM 636 mit 36 PS einzubauen.

    Jean Marie Jung hat die Mitgliedsnummer 935 im Unimog-Club Gaggenau – ist also gleich nach der Öffnung für Mitglieder außerhalb des Landkreises Rastatt und Stadtkreises Baden-Baden und somit auch bereits als Mitarbeiter des Werkes Gaggenau eingetreten.

    Text und Fotos: Michael Wessel

  • Neuer Leiter des Lkw-Montagewerkes Wörth

    Matthias Jurytko – Foto: Daimler

    Der bisherige Standortleiter des Mercedes-Benz Werkes Gaggenau, Dr. Matthias Jurytko, wechselt zum 1. April an die Spitze des Lkw-Montagewerkes Wörth. Hierzu erschien am 22. März ein interessantes Interview mit ihm im Badischen Tagblatt. Am Ende sagte er auf die Frage, ob er es schaffen werde, dass es in zehn Jahren noch eine Unimog-Produktion im Werk Wörth gibt: „Den Unimog gibt es seit über 70 Jahren. Wenn es nach mir geht, dann wird man ihn immer brauchen. Der Unimog ist ein Nutzfahrzeug, und er ist ein äußerst emotionales Produkt. Ich persönlich mache mir über die Zukunft des Unimog keine Sorgen.“

    Hier der komplette Beitrag:
    Zehn Jahre hat er die Geschicke des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau mitbestimmt, acht Jahre davon an entscheidender Position. Nun wechselt Standortleiter Dr. Matthias Jurytko (57) zum 1. April nach Wörth als Leiter des dortigen Lkw-Montagewerks. Mit Jurytko sprach BT-Redakteur Thomas Senger.
    BT: Herr Jurytko: Wie wird man Standortleiter in Wörth: Bewirbt man sich oder heißt es: „Herr Jurytko, wir brauchen Sie kurzfristig zum 1. April im Lkw-Werk“?

    Matthias Jurytko: Im Rahmen unseres Programms Leadership 2020 gibt es auch das Thema Personalmanagement. Das beinhaltet, dass man als Führungskraft Interessensgebiete benennen kann. Ich hatte da das Werk Wörth angegeben.

    BT: Warum?

    Jurytko: Natürlich macht man sich nach zehn Jahren in Gaggenau, davon acht Jahre als Standortleiter, auch mal ein paar Gedanken über die eigene berufliche Zukunft. Und nach zehn Jahren ist es eine Gelegenheit, in Wörth meine Erfahrung aus Gaggenau einzubringen. Nun gehe ich gerüstet, aber auch mit viel Respekt vor der Aufgabe über den Rhein und sitze dann auf der anderen Seite des Tisches: Vom Lieferanten werde ich zum Kunden. Da ist es gut, wenn man in einer kollegialen Nähe die Themen besprechen kann.

    BT: Und das tägliche Pendeln zur Arbeit wird für Sie kürzer werden.

    Jurytko: Von Heidelberg aus ist es eine Viertelstunde weniger pro Fahrt, das stimmt.

    BT: Sichtbare Spuren haben Sie in Gaggenau hinterlassen durch große bauliche Veränderungen entlang der Hauptstraße. Aber ein wichtiges Vorhaben wurde nicht realisiert: die Verlagerung der Hauptstraße aus der Mitte des Werks hinaus an die Murg.

    Jurytko: Es war keine Mehrheit für dieses Projekt vorhanden. Als wir den Abriss und die Pläne für die Bebauung des Areals 2013/14 im Gemeinderat vorstellten, kam natürlich die Frage von Stadtrat Stefan Schwaab, dem ehemaligen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, nach der Integration der Hauptstraße in das Firmengelände. Aber die Baukosten sind in den letzten Jahren so extrem gestiegen, dass wir uns reduziert haben auf das, was notwendig war. Ich weiß auch nicht, ob eine Hauptstraße direkt an der Murg für das Landschaftsbild gut gewesen wäre.

    BT: Sie hätten Fläche gewonnen, Logistik wäre einfacher geworden.

    Jurytko: Sicher gibt es im Murgtal nicht unendlich freie Flächen. Die Logistik im Werk ist das eine, dazu gehört aber auch, Logistikprozesse vor den Werkstoren zu optimieren. Wir haben mit unserer Strategie klare Eckpunkte gesetzt: Konzentration auf die Kernpunkte in der Fertigung. Damit war auch klar, wo wir expandieren und wo nicht. Wir haben in Flächen zur Erzielung einer höheren Produktivität investiert. So war es zum Beispiel auch möglich, die Kapazitätssteigerung für den Wandler sowie für das schwere Nutzfahrzeuggetriebe zu realisieren. Ob es in Gaggenau zusätzlich weiterer Flächen in der Dimension bedurft hätte, stelle ich infrage.

    BT: Mit der Gesundheitsstrategie haben Sie auch einen Meilenstein gesetzt, das Pilotprojekt „Ein gutes Jahr mehr“ kam ebenfalls maßgeblich durch Sie zustande. Aber: Kurieren Sie auch mit einem neuen Gesundheitszentrum letztlich doch nicht nur Symptome? Sind hohe Krankenstände nicht doch Folge einer immer größer werdenden Verdichtung in der Arbeitstaktung?

    Jurytko: Wir fördern eine „Gesundheitskultur“ – und setzen vor allem auf Prävention. Unser Gesundheitszentrum hat einen Leuchtturmcharakter bis hinein in die Gesellschaft. Ich gehe immer noch davon aus, dass wir damit unsere Beschäftigten sensibilisieren und ermutigen, die Erkenntnisse, die sie hier erhalten, in ihre Familien und ihr privates Umfeld hineinzutragen.

    BT: Im Fokus stehen zunächst die Mitarbeiter.

    Jurytko: Das, was wir hier betreiben, ist ein Teil des Wirkungskreises von Prävention, Therapie und Rekonvaleszenz. Und nun haben wir auch Räume für einen Gesundheitscheck: Alle drei Jahre können unsere Mitarbeiter kostenlos daran teilnehmen und Tipps bekommen. Zum Thema Symptome: Zum Beispiel unterstützen wir unsere Belegschaft beim Thema Ergonomie am Arbeitsplatz. Unser Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Arbeit nicht belastend ist und Symptome eben gar nicht erst auftreten.

    BT: Die Umstrukturierung des Konzerns in Einzel-AGs verunsichert Mitarbeiter. Es gibt die Sorge, dass die Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung bis 2029 davon berührt sein könnte.

    Jurytko: Die Arbeitsverhältnisse gehen automatisch auf die neue AG über, Aufgaben und Vorgesetzte bleiben unverändert. Die Mitarbeiter erhalten die Zukunftssicherung bis Ende 2029, übrigens ein langer Zeitraum. Die Vereinbarung gibt den Mitarbeitern die Sicherheit, dass das Unternehmen die Weichen stellt, um auch 2029 noch ein erfolgreiches Unternehmen zu sein, das mit seiner Struktur in die neue Mobilitätswelt passt.

    BT: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Thomas Twork?

    Jurytko: Gaggenau hat eine besondere Kultur und soll so bleiben, wie es ist. Da ist dieser Erfindergeist, Menschen, die begeistert sind, die eine hohe Integrationsbereitschaft haben und bereit sind, soziale Verantwortung zu leben. Das alles wird getragen von einem phantastischen Teamgeist. Den gilt es aufrecht zu halten und zu fördern. Das muss man mit Herzblut machen; ich bin davon überzeugt, dass mein Nachfolger das mitbringt.

    BT: Ein Werk im ständigen Wandel …

    Jurytko: Ja. Gaggenau ist ein Werk mit Tradition und mit Zukunft. Wenn man mal schaut: 1894, vor 125 Jahren, gründete Theodor Bergmann hier die Bergmann-Industriewerke GmbH. 1911 dann die Umbenennung in „Benz-Werke Gaggenau GmbH“. Wenn man sieht, was alles an diesem Standort passierte, zum Beispiel bei der jüngsten Standortstrategie: 2 000 von rund 6 800 Mitarbeitern haben veränderte Arbeitsplätze! Wenn man dabei gleichzeitig die gestiegenen Zufriedenheitswerte sieht – da ist eine große „Wir schaffen das“-Mentalität in Gaggenau.

    BT: Schaffen Sie es, dass es auch in zehn Jahren Unimog-Produktion in Wörth gibt?

    Jurytko: Den Unimog gibt es seit über 70 Jahren. Wenn es nach mir geht, dann wird man ihn immer brauchen. Der Unimog ist ein Nutzfahrzeug, und er ist ein äußerst emotionales Produkt. Ich persönlich mache mir über die Zukunft des Unimog keine Sorgen.

  • Wichtige Unimog- und MB-trac-Termine 2019

    Wichtige Unimog- und MB-trac-Termine 2019

    Erinnerung an das Treffen in Wilbertoord 2011

     

    Hier ein „erster Wurf“ mit wichtigen Terminen für Unimog- und MB-trac-Freunde im Jahr 2019. Wird fortgeschrieben.

     

    1. bis 14. April: Jubiläumstreffen des Unimog Club Nederland in Vierhouten, www.unimogclub.nl

     

    1. bis 14. April: 31. Techno-Classica in Essen mit Messeständen des Unimog Veteranen Club und des Unimog-Club Gaggenau, www.siha.de/tce.php?m=1&ms=1

     

    1. Mai bis 17. November: Sonderausstellung „Unimog in der Bauwirtschaft“ im Unimog-Museum Gaggenau, www.unimog-museum.de

     

    1. – 23. Juni: Jahrestreffen der UCG-Regionalgruppe Rhein-Main in Aufenau, www.rhein-main.unimog-club-gaggenau.de

     

    1. – 21. Juli: Sommertreffen des Unimog Veteranen Club in 37339 Breitenworbis, www.u-v-c.de

     

    1. – 28. Juli: Weltenbummlertreffen im Unimog-Museum, www.unimog-museum.de

     

    1. und 28. Juli: 9. Internationales Unimog- und MB-trac-Treffen in Enkenhofen, www.enkenhofen.de/mbunimog.htm

     

    1. und 4. August: Unimog-Treffen des Unimog Club Ostalb anlässlich des Oldtimertreffen in 74417 Gschwend-Honkling, www.u-c-o.de/?page_id=990

     

    1. bis 8. September: Treffen der Regionalgruppe Niederlande bei „Wilbertoord Pakt Uut“, unimog-club-gaggenau.de/veranstaltungen/ucg/

     

    1. bis 15. September: Jahrestreffen des Unimog-Club Gaggenau beim Unimog Club Italia in Veltlin/Somaggia, Italien, www.unimog-club-gaggenau.de

     

    1. 9. Teilemarkt des Unimog-Club Gaggenau in Kuppenheim, www.unimog-club-gaggenau.de
  • Mit einem Unimog 1550 L „zehnmal um die Welt“

    Klaus Weigelt mit seinem Unimog 1550 L auf der RETRO CLASSIC 2019 auf dem Stand des Unimog-Club Gaggenau, dessen Mitglied er von 1994 an ist.

    Der Traum vieler Unimogler: Im Lotto gewinnen oder den Jackpot in einem Casino wie Karamba gewinnen – und dann eine Weltreise mit dem Unimog antreten.  1992 erfüllte sich Klaus Weigelt, Jg. 1938, einen solchen Traum: Er kaufte sich einen neuen Unimog 1550 L und ließ ihn in den folgenden zwei Jahren nach seinen Vorstellungen zum Expeditionsmobil ausbauen.

    Von 1994 an war er dann – damals noch als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Dekra tätig – mit einer Frau Ursula fünfmal mit dem neuen Gefährt in der Sahara unterwegs. Damals war es noch nicht kritisch, in Libyen alleine zu reisen.

    Als Ruheständler ging dann die erste ganz große Reise von Leonberg aus mit drei weiteren Unimog bis nach China. Die Vorbereitungen waren sehr aufwändig, denn damals musste die geplante Nutzung jeder Straße vorher beantragt und genehmigt sein. Ein deutschsprachiger Führer begleitete sie. Dabei kamen zwischen April und Anfang September 2000 insgesamt 33.000 Kilometer zusammen.

    Im Heft’l 32 vom Oktober 2001 erschien ein zweiseitiger Beitrag über die extreme Reise.

     

    Gleich drei Jahre gönnte sich das Ehepaar Weigelt für eine erlebnisreiche Fahrt durch Südamerika. Da waren es dann am Ende insgesamt 75.000 Kilometer – fast zweimal um die Erde! Heute noch haben sie Kontakt zu zwei Familien in Argentinien, die sie auch schon in Leonberg besucht haben.

    Nach kleineren Touren wie „gerade mal kurz durch Island“ folgte 2009 eine große Fahrt mit 15.000 Kilometern nach Syrien und Jordanien. Drei Jahre später fuhren sie drei Monate durch Marokko. Mit dabei zwei Motorräder, denn Schwiegertochter Andrea und Sohn Martin flogen nach und begleiteten sie durch die Sahara auf ihren Zweirädern.

    Das Dach hat Klaus Weigelt 17 Zentimeter höher setzen lassen. So ist unter anderem Platz für ein großes Navi.

    Aber damit nicht genug: 2013 und 2014 folgte eine Fahrt durch Kanada und Alaska sowie die USA, bei der nochmals 30.000 Kilometer auf dem Tacho des Unimog registriert wurden.

    Zwischendurch wurden viele Länder Europas teilweise mehrfach bereist. Mit dabei 2016 auch die Baltischen Staaten. So kamen seit 1994 insgesamt 391.000 Kilometer zusammen – knapp zehnmal um die Erde!

    Größere technische Probleme gab es nach Aussagen von Klaus Weigelt nicht. Zumal er als gelernter Kfz-Mechaniker und Diplomingenieur der Kfz-Technik sich meist selbst zu helfen wusste.

    Nachdem Klaus Weigelt im Herbst letzten Jahres seinen 80. Geburtstag feiern konnte, will er sich schweren Herzens von seinem liebgewordenen Unimog, an dem er viele Optimierungen vorgenommen hat, trennen. Eines sei vorab verraten: Der Preis ist noch fünfstellig.

    Interessenten können sich mit ihm unter k.u.u.weigelt@gmx.de in Verbindung setzen.

    Text und Fotos: Michael Wessel