MB-trac-Treffen beim Unimog-Museum

Der „geistige Vater“ des MB-trac, Gustav Krettenauer, mit seiner Patentschrift. Links der damalige Praktikant in der Konstruktionsabteilung und spätere Entwicklungsingenieur Karl-Heinz Gießner aus Bischweier – Foto Hans-Peter Hegmann

Hans-Peter Hegmann schreibt am 31. Oktober 2018 im Badischen Tagblatt:

Erfolgreich, aber gescheitert

Rückblick auf die Geschichte des MB-trac

Beim letzten Aktionstag im Rahmen der Sonderausstellung zum Thema „Der Unimog in der Landwirtschaft“ stand im Unimog-Museum der MB-trac im Mittelpunkt. Bereits bei der Matinee am Vormittag, als diverse Vorträge zur Geschichte des Kult-Traktors mit dem Stern im Mittelpunkt standen, war ein großes Besucherinteresse zu verzeichnen.

Anschließend konnte in der Museumswerkstatt zugeschaut werden, wie das Getriebe des museumseigenen MB-trac ausgebaut und für die Revision teilzerlegt wurde. Im und rund um das Museum waren im Rahmen der Sonderausstellung die verschiedenen Baureihen und Ausstattungsvarianten des Mercedes unter den Traktoren zu bewundern oder konnten im Einsatz beobachtet werden.

Mit Vorträgen von Zeitzeugen und Beteiligten aus der Entwicklungszeit des MB-trac über ehemalige Pläne zur Weiterentwicklung begann ein interessanter Abschnitt des Aktionstages im Museum. Roland Kaufmann und Werner Schmeing, beide langjährige Mitarbeiter in Gaggenau und inzwischen aktive Ehrenamtliche im Museum, referierten zunächst über die Entwicklungsgeschichte: In den 60er Jahren reduzierte sich das Transportvolumen landwirtschaftlicher Betriebe durch Spezialisierungen und der rückläufigen Viehhaltung. Dies machte sich beim Absatz des Unimog bemerkbar. Der damalige Verkaufsförderer Gustav Krettenauer entwickelte in einem Arbeitskreis die Idee einer langsamfahrenden Arbeitsmaschine für die Landwirtschaft mit den bekannten Vorteilen des Unimog.

Wie bei Veranstaltungen im Museum üblich, befand er sich natürlich unter den Gästen und erhielt die Gelegenheit, ein paar Erinnerungen und Details aus diesen Tagen zu erzählen. Ein erster Prototyp mit der Bezeichnung A60 fuhr 1969. Ebenfalls anwesend war Karl-Heinz Gießner, der als Praktikant während seines Studiums in Gaggenau die Idee der Hangscheibe entwickelte. Sie verhinderte das Abrutschen an Neigungen.

Neben Entwicklungsgeschichte und anschließender Entwicklung einer ganzen Baureihe mit immer höherer Motorleistung wurde die bisher oft gestellte Frage beantwortet, warum die Produktion des technisch ausgereiften MB-trac wieder eingestellt wurde: Mitte der 1980er Jahre wurde immer deutlicher, dass sich mit dem MB-trac nicht das angepeilte Ziel erreichen ließ. Geplant war, einen neuen Standardtraktor mit 10000 verkauften Einheiten pro Jahr zu entwickeln.

Die Produktion mit den bisherigen Stückzahlen brachte keine Wertschöpfung für das Unternehmen. Mehrere Versuche, mit weiteren renommierten Traktorenherstellern durch die Gründung einer Deutschen Landmaschinenunion eine existenzfähige Basis für alle zu schaffen, waren nicht erfolgreich. Ende 1986 übernahm die Klöckner-Humboldt-Deutz AG die Traktorensparte der Daimler-Benz AG. Es gelang jedoch auch dort nicht, aus der Kombination mit dem Intrac ein erfolgreiches Tracmodell zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Am 17. Dezember 1991 lief der letzte MB-trac vom Band. Der ehemalige Werksleiter und Gesamtverantwortliche für die Produktion des Unimog und MB-trac, Hans-Jürgen Wischhof, stellte anschließend noch seine persönlichen Thesen zur Entwicklung des Traktors bis 2025 vor. Abhängig von den zu erzielenden Erlösen in der Landwirtschaft, den Anforderungen der EU und der Landtechnik-Industrie mit der fortschreitenden Digitalisierung werden nach seiner Meinung immer mehr modulare, autonom selbstfahrende Maschinen die Bewirtschaftung übernehmen.

Soweit der Bericht von Hans-Peter Hegmann. Hier noch weitere Fotos von Michael Wessel:

 

 

Der kleine MB-trac 65/70 hat im Laufe der Jahre viele große Brüder bekommen.

… und auch diesen kleinen Bruder!

Unimog- und MB-trac-Experte Charly Detlefsen bei der Führung durch die Ausstellung

Der technische Leiter des Unimog-Museums, Karl Leib, in der Werkstatt mit einem zerlegten  Getriebe

 

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