„Ein Gaggenauer kommt zurück nach Gaggenau“

Das Unimog-Museum sucht Unterstützung für die Rückholaktion eines Lastwagens von 1916

Ein Schmuckstück soll an seinen „Geburtsort“ zurück

Gaggenau (Badisches Tagblatt, 1. August 2009)- Er hat jahrzehntelang Lasten geschleppt und Baumstämme im Schwarzwald gerückt, nun soll er an seinen „Geburtsort“ zurückgeholt werden. Der Benz 3K2 von 1916. Noch schmückt der Lastwagen das Carl-Benz-Museum in Ladenburg, ab November soll er ein Glanzstück des Unimog-Museums sein. 65800 Euro kostet das seltene Stück, jetzt werden Sponsoren gesucht.

„Ein Gaggenauer kehrt zurück nach Gaggenau“ heißt die Kampagne, für die gestern der offizielle Startschuss fiel. Über den symbolischen Kauf von Einzelteilen soll genügend Geld hereinkommen. Im Gegenzug gibt es Spendenbescheinigungen. 206 Einzelteile sind es, vom Kotflügel über Lampen, Motorkurbel, Lüfterflügel bis zu den 150 Gliedern der Antriebskette. Letztere zum Einzelpreis von 50 Euro. „Wunderbare Geburtstagsgeschenke“, wirbt Ute Kretschmer-Risché vom Museumsverein augenzwinkernd, „ich könnte mir vorstellen, eine Lenkschubstange zu verschenken – zumindest symbolisch.“ In einem Jahr soll das Geld beisammen sein.

Die Liste der Teile steht im Internet. Für den Kühler ohne Plakette (1000 Euro) oder die Kühlerplakette (800 Euro) muss man schon tiefer in die Tasche greifen. Der Kuratoriumsvorsitzende des Museums, Hans-Jürgen Wischhof, hat das bereits getan; 10000 Euro für die Pritsche, das teuerste Teil der Aktion, steuert das Gaggenauer Bauunternehmen Grötz bei. Es darf an der Seite auch seinen Schriftzug aus dem Jahre 1916 anbringen.

Für Stefan Schwaab, Vorsitzender des Museumsvereins, ist es nicht nur Nostalgie: Fahrzeuggeschichte in Gaggenau bedeute nicht „nur“ Unimog. Am ältesten noch aktiven Automobilfabrikationsstandort wurden bereits 1894, bei den Bergmann-Werken, Autos gebaut. Sie hießen „Orient-Express“. 1905 wurde aus Bergmann die „Süddeutsche Automobilfabrik GmbH Gaggenau“, die 1911 zu den Benz-Werken wurde.

Der 3K2 soll schon bei der nächsten Winterausstellung eine wichtige Rolle im Museum spielen, erläutert Unimog-Experte Michael Wessel. Gaggenau als Wiege des Nutzfahrzeugbaus bei Daimler; in diesen Kontext passe die Rückholung des Lastwagens. Allerdings, so Stefan Schwaab, werde das gute Stück bis auf weiteres nur zu besonderen Anlässen im Museum zu sehen sein. Doch derer wird es in den kommenden Jahren genug geben: 2011 feiert man 100 Jahre Benz in Gaggenau und 125 Jahre Automobilbau.

Schon vorher wollen die Verantwortlichen des Museums einen Schritt weiter sein. Sie hoffen auf weitere ehrenamtlich Aktive. Eine neue Gruppe soll sich um Wartung und Ausfahrten der Ausstellungsstücke kümmern; in der zweiten Gruppe geht es um die Konzeption des Museums. „Auch Frauen sind willkommen“, betont Kretschmer-Risché. Neben dem neuen Konzept für die Vitrinen denkt sie daran, die regionale Bedeutung des Fahrzeugbaus aufzuarbeiten. „Es wird eine neue, spannende Ausstellung geben, aber wir brauchen Zuarbeit.“

Stefan Schwaab richtet den Blick noch ein bisschen weiter. Der 3K2 biete „Chancen für die Zukunft“, hält er eine bauliche Erweiterung des Museums für denkbar; auf der jetzigen Fläche sei auf Dauer nur der Unimog angemessen zu präsentieren. Das Museum an sich sei „wirtschaftlich erfolgreich unterwegs, die Besucherzahlen stimmen“. Man werde wohl auch in diesem Jahr 30000 Besucher begrüßen können, so Geschäftsführerin Christina Palma Diaz.

Informationen unter (07225) 981310 oder unter www. unimog-museum.com

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