Der Unimog im Mittelpunkt – die INTERSCHUTZ 2026 zeigt die Zukunft von Feuerwehr und Katastrophenschutz
von Michel Kaiser
Wenn sich Anfang Juni 2026 die Tore der INTERSCHUTZ in Hannover öffneten, wurde die niedersächsische Landeshauptstadt erneut zum Treffpunkt der internationalen Feuerwehr-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzbranche. Hersteller aus aller Welt präsentierten ihre neuesten Entwicklungen, moderne Fahrzeugkonzepte und innovative Einsatzlösungen. Doch bei aller Vielfalt der ausgestellten Technik kristallisierte sich auf dem weitläufigen Messegelände schnell ein Fahrzeugkonzept heraus, das die Veranstaltung wie ein roter Faden durchzog: der Unimog.
Bereits nach wenigen Stunden wurde deutlich, dass die INTERSCHUTZ 2026 in besonderer Weise die Messe des Unimog war. Nicht nur auf dem Stand von Mercedes-Benz Special Trucks, sondern auf nahezu dem gesamten Messegelände begegneten den Besuchern Fahrzeuge auf Unimog-Fahrgestellen. Nach einer Zählung vor Ort konnten rund 30 unterschiedliche Unimog-Exponate entdeckt werden – eine beeindruckende Zahl, die die außergewöhnliche Bedeutung des Fahrzeuges für Feuerwehr, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen eindrucksvoll unterstreicht.
Der Unimog als Antwort auf neue Herausforderungen
Die vergangenen Jahre haben die Anforderungen an Feuerwehren und Hilfsorganisationen grundlegend verändert. Vegetationsbrände, Hochwasserlagen, Sturmschäden und großflächige Katastrophenszenarien gehören inzwischen vielerorts zum Einsatzalltag. Gleichzeitig müssen Einsatzkräfte immer häufiger dort arbeiten, wo Straßen enden und befestigte Wege fehlen.
Genau hier liegen seit Jahrzehnten die Stärken des Unimog.
Portalachsen, Allradantrieb, enorme Verschränkung, hohe Bodenfreiheit und eine außergewöhnliche Geländegängigkeit machen ihn bis heute zu einer Ausnahmeerscheinung im internationalen Fahrzeugbau. Während viele Feuerwehrfahrzeuge auf befestigte Straßen angewiesen sind, erreicht der Unimog auch abgelegene Waldwege, aufgeweichte Flächen oder schwer zugängliche Einsatzorte.
Die INTERSCHUTZ 2026 zeigte eindrucksvoll, wie aktuell dieses Konzept heute ist.
Mercedes-Benz Special Trucks setzt Akzente
Auf dem Stand von Mercedes-Benz Special Trucks standen zwei Fahrzeuge besonders im Fokus.
Der hochgeländegängige Unimog U 5025 wurde als modernes Tanklöschfahrzeug präsentiert und verdeutlichte eindrucksvoll die Möglichkeiten moderner Waldbrandbekämpfung. Das Fahrzeug vereint die legendären Geländeeigenschaften des Unimog mit aktueller Feuerwehrtechnik und richtet sich gezielt an Feuerwehren, die für Vegetations- und Waldbrände gerüstet sein müssen.
Daneben zeigte Mercedes-Benz einen Unimog U 530 als TLF 4000 mit Aufbau von BAI. Dieses Fahrzeug verdeutlichte die zweite große Stärke des Unimog-Konzeptes: die Verbindung von hoher Straßenleistung mit bemerkenswerter Geländegängigkeit. Gerade bei Feuerwehren, die sowohl im städtischen Umfeld als auch in schwierigem Gelände arbeiten müssen, gewinnt diese Fahrzeugklasse zunehmend an Bedeutung.

Waldbrandbekämpfung als dominierendes Messethema
Noch nie zuvor war auf einer INTERSCHUTZ die Vegetationsbrandbekämpfung so präsent wie 2026. Kaum ein größerer Aufbauhersteller verzichtete darauf, eigene Konzepte für diesen Einsatzbereich zu präsentieren.
Besonders eindrucksvoll war das sogenannte WildfireCamp im Freigelände. Dort wurden verschiedene Fahrzeugkonzepte für Waldbrand- und Vegetationsbrandeinsätze vorgestellt. Zu den auffälligsten Exponaten gehörte ein von BAI aufgebautes TLF-W für den Bevölkerungsschutz Baden-Württemberg auf Unimog U 5023. Das Fahrzeug verfügt über 3.000 Liter Löschwasser, zusätzliche Selbstschutzbehälter, Schaummitteltanks und eine umfangreiche Selbstschutzanlage zum Schutz von Fahrerhaus und Reifen. Eine Besonderheit stellt die Möglichkeit dar, bei Hochwasserlagen bis zu zehn Personen auf dem Fahrzeugdach aufzunehmen.
Unmittelbar daneben präsentierte Palfinger einen weiteren U 5023 des Katastrophenschutzes Hessen. Das Fahrzeug war mit einem leistungsfähigen Ladekran und einem modularen Waldbrandmodul ausgestattet. Hier wurde deutlich, wohin die Entwicklung zunehmend geht: flexible Fahrzeugkonzepte, die je nach Einsatzlage unterschiedlich ausgerüstet werden können.
Auch Rosenbauer setzte auf den Unimog. Mit dem TLF 3000-V der Baureihe „Specialized Technology Forest“ für die Feuerwehr Edewecht/Friedrichsfehn zeigte das Unternehmen ein hochspezialisiertes Waldbrandfahrzeug mit 3.000-Liter-Löschwassertank, leistungsstarker Feuerlöschkreiselpumpe und Frontwerfer.

Bei Schlingmann standen gleich mehrere Unimog im Mittelpunkt. Neben einem modernen TLF 3000 wurde ein U 5023 TLF-W der Feuerwehr Oberursel-Bommersheim präsentiert, das während der Messe regelmäßig für Vorführungen genutzt wurde. Gerade diese Vorführungen machten die besonderen Fähigkeiten moderner Waldbrandfahrzeuge für Besucher eindrucksvoll erlebbar.Auch internationale Hersteller nutzten die INTERSCHUTZ als Bühne für innovative Konzepte. Besonders interessant war das Fahrzeug von Vallfirest Tecnologias Forestales. Das auf einem Unimog U 319 aufgebaute System „Skyfill Tactical Unit“ verfügt über einen speziell ausgelegten Löschwasserbehälter, der direkt aus der Luft durch Hubschrauber befüllt werden kann. Solche Konzepte zeigen, wie international und innovativ die Entwicklung moderner Vegetationsbrandtechnik inzwischen geworden ist.
Katastrophenschutz gewinnt weiter an Bedeutung
Neben der Waldbrandbekämpfung spielte der Katastrophenschutz eine zentrale Rolle.
Zahlreiche Hilfsorganisationen präsentierten moderne Fahrzeugkonzepte auf Unimog-Basis.

Die Hilfsorganisation @fire zeigte gleich mehrere Fahrzeuge. Besonders interessant war ein U 5025 als Gerätewagen mit Göbel-Aufbau und Hecklift für unterschiedlichste Einsatzmodule. Daneben war im WildfireCamp ein weiterer U 5023 mit Doppelkabine und Plane-Pritschenaufbau zu sehen.
Auch das Technische Hilfswerk setzte auf den Unimog. Neben einem historischen U 1300 L aus der eigenen Fahrzeugsammlung präsentierte das THW den neuen U 5025 des Ortsverbandes Salzgitter. Ausgestattet mit Ladekran und hoher Pritsche verdeutlichte das Fahrzeug die Vielseitigkeit moderner Logistik- und Versorgungskonzepte.

Besonderes Interesse fanden zudem die geländegängigen Krankentransportwagen des Katastrophenschutzes Niedersachsen. Die auf Unimog U 4023 basierenden Fahrzeuge wurden von Binz aufgebaut und ermöglichen den Transport mehrerer liegender oder sitzender Patienten auch in schwierigem Gelände. Solche Konzepte gewinnen angesichts zunehmender Naturkatastrophen und großflächiger Schadenslagen zunehmend an Bedeutung.
Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe präsentierte einen neuen geländegängigen Krankentransportwagen auf Unimog-Fahrgestell mit Aufbau von WAS. Insgesamt 61 Fahrzeuge dieser Baureihe befinden sich derzeit in der Beschaffung und sollen künftig bundesweit eingesetzt werden.
Modulare Konzepte auf dem Vormarsch
Ein weiterer Trend der INTERSCHUTZ 2026 war die zunehmende Modularisierung.
Immer mehr Hersteller setzen auf austauschbare Einsatzmodule, Wechselaufbauten oder flexible Logistiklösungen.
Ein interessantes Beispiel zeigte die Feuerwehr Hamburg. Der ausgestellte U 5023 verfügte über eine Plane-Pritsche mit Ladebordwand und einem verlasteten Löschwassermodul. Dieses kann bei Bedarf schnell gegen andere Einsatzmodule ausgetauscht werden und ermöglicht dadurch eine besonders flexible Nutzung des Fahrzeugs.
Auch die Johanniter präsentierten ein außergewöhnliches Fahrzeug. Der U 5023 mit Doppelkabine und Kofferaufbau wurde speziell für Hochwasserlagen konzipiert. Dachluke, Leiter und spezielle Sitzanordnungen erlauben den sicheren Transport von Personen auch unter schwierigen Bedingungen.
Internationale Vielfalt auf Unimog-Basis
Auffällig war die internationale Präsenz des Unimog.
Neben deutschen Herstellern zeigten auch Unternehmen aus Polen, Spanien und der Türkei ihre Lösungen auf Mercedes-Benz-Fahrgestellen.
Der polnische Hersteller Stolarczyk präsentierte ein hochmodernes TLF 3000 mit umfangreicher Selbstschutzanlage, leistungsfähiger Hochdruckpumpe und Schaum-Wasserwerfer. Die türkische Firma Efemmak zeigte zumindest in Form eines großformatigen Exponates ihre Waldbrandlösungen auf Unimog-Basis.
Diese Vielfalt verdeutlicht die weltweite Bedeutung des Unimog. Kaum ein anderes Fahrgestell findet sich in so vielen unterschiedlichen Feuerwehr- und Katastrophenschutzkonzepten wieder.
Mehr als nur ein Fahrzeug
Die INTERSCHUTZ 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass der Unimog heute weit mehr ist als ein geländegängiges Nutzfahrzeug.
Er ist:
- Waldbrandfahrzeug,
- Tanklöschfahrzeug,
- Gerätewagen,
- Krankentransportwagen,
- Logistikfahrzeug,
- Hochwasserrettungsfahrzeug,
- Versorgungseinheit
- und Katastrophenschutzplattform zugleich.
Gerade diese Vielseitigkeit macht seine besondere Stellung aus.
Während viele Spezialfahrzeuge nur für einzelne Aufgabenbereiche entwickelt werden, bietet der Unimog eine technische Basis für unterschiedlichste Einsatzkonzepte.
Der Unimog als einer der Stars der INTERSCHUTZ 2026
Betrachtet man die Messe als Ganzes, bleibt eine Erkenntnis besonders deutlich in Erinnerung: Der Unimog war auf der INTERSCHUTZ 2026 allgegenwärtig.

Rund 30 ausgestellte Fahrzeuge auf Unimog-Fahrgestellen, verteilt über zahlreiche Hallen, Freigelände und Herstellerstände, dokumentierten eindrucksvoll die außergewöhnliche Bedeutung des Fahrzeuges für moderne Feuerwehren und Hilfsorganisationen.
Die Vielzahl der gezeigten Konzepte machte deutlich, dass die Anforderungen an Einsatzfahrzeuge immer komplexer werden. Gleichzeitig zeigte die Messe, dass der Unimog mit seinen besonderen Eigenschaften auch künftig eine Schlüsselrolle im Feuerwehr- und Katastrophenschutzbereich einnehmen wird.
Mehr als 75 Jahre nach seiner Entstehung ist der Unimog damit aktueller denn je – und die INTERSCHUTZ 2026 hat dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt.